schiffchen92 hat geschrieben: ↑Di 20. Feb 2018, 22:31
Das ich zur Stalkerin werde und jedes Licht in seiner Wohnung werten werde...
Es tut weh sich das einzugestehen und macht nur noch mehr Angst...
Genau das wirst Du tun. Du wirst instinktiv und ungewollt zum Fenster schauen. Licht an - er ist daheim! Womöglich könnte ich doch mal kurz vorbei schauen und einen Tee mit ihm trinken? Vlt würde uns das beiden gut tun und wir könnten wieder mal Seelenstriptease betreiben (daran finden in erster Linie Frauen was, während es Männern meist peinlich ist oder sie finden es uninteressant). Aber wer weiß, was er tut? Vielleicht hat er Besuch? Kann das sein, womöglich gar weiblichen Besuch?
Also schleichst Du wie der getretene Hund gesenkten Kopfes an seiner Wohnung vorbei.
Das Licht ist aus, also nicht zu Hause. Wo der sich wohl rumtreibt? Womöglich lenkt er sich ab mit Freunden oder gar Freundinnen oder gar einer, die die nächste werden könnte?
Verdammte Sehnsucht, verdammte Eifersucht! Ich weiß nichts mehr von ihm, aber ich denke, ihm geht es gut, denn der Schuft (Verzeihung:in Deinem Fall der edle Ritter!) hat ja alles was er will.
Diese Gedanken werden Dir in der ersten Zeit regelmäßig durch den Kopf gehen. Ich hatte mal einen, der wohnte neben einem Supermarkt, in dem wir ab und an gemeinsam eingekauft hatten. Ach, es war ja so toll und so schön mit ihm Lebensmittel auszusuchen! Denn er war ja so toll und hübschte mein Selbstgefühl mächtig auf! Nur so lange, bis ich so war wie Du. Eine Frau, die gefallen wollte, die sich verbogen hatte und die Angst hatte, dass seine Begeisterung nachließ. Das war der Anfang vom Ende, denn ich wurde langweilig und reizlos und dann wollte ich immer mit Gesprächen die schiefe Beziehung wieder auf Kurs bringen. Gähn, schon wieder ihr Psychokram und dauernd geht es um Erkenntnisse und Analysen und Definitionen. Kotz, das geht mir echt auf den Seier! Und dann tut sie alles für mich und ist immer sooo freundlich und sooo heiter. Das ist ja echt nur gespielt. Wo bitte ist da Authenzität? Nicht vorhanden!
Als es vorbei war, tat es mir Monate lang weh, an diesem Supermarkt nur vorbei zu fahren. Jedes Mal ein Stich ins Herz und eine Erinnerung an den, der mich abserviert hatte, weil er was Besseres gefunden hatte.
Aber es wurde besser. Was anfangs immer weh tat und mir die Tränen in die Augen trieb, flachte ab und irgendwann fuhr ich vorbei und empfand nur noch ein leichtes Wehgefühl. Und dann, eines Tages fuhr ich vorbei und fühlte gar nichts mehr. Der Typ war mir egal, lebte sein Leben und ich hatte schrittweise meines wieder gefunden.
Es ist wie es ist und Du kannst daran wachsen. Aber es bleibt auch nichts wie es ist, denn das Leben ist Veränderung.
Vielleicht solltest Du Dich mal ein bißchen an die Kandarre nehmen? Wo ist Dein Stolz? Den gibt es nicht, denn solltest Du ihn jemals gehabt haben, hast Du ihn bei ihm abgegeben. Wo Dein Trotz? Ich schaffe es auch ohne ihn, ha, der soll mal sehen! Gibt es nicht.
Wo Deine Eigenliebe? Ich bin trotzdem okay so wie ich bin und nur weil der mich nicht mehr mag, ändert das nichts daran, dass ich mich in Ordnung fühle und weiß, dass ich mich auf mich verlassen kann. So was kennst Du nicht, denn das ist nur für die Anderen und nicht für Dich!
Wenn ich Deinen selbstmitleidigen Post so lese, möchte ich Dir am liebsten einen Tritt in den A... geben, damit Du endlich mal aufhörst mit der endlosen Selbstzerfleischung und eines Tages zu leben anfängst. Du lebst mit den großen "Zs" und die heißen: Zweifeln, zögern, zaudern und Zerfleischung des eigenen Selbst.
Hock Dich hin und kümmere Dich um das, was getan werden musst. Es geht hier um Deine Zukunft und der Ex. wird die sicher nicht richten. Dem ist es egal, wie Du weiter machst. Du stehst vor der Masterarbeit, also arbeite dran und wenn das geschafft ist, wird es Dir schon ein Stück besser gehen. Du kannst natürlich wahlweise so weiter machen und sie liegen lassen und verschludern. Dann dauert es halt noch ein paar Monate länger, ehe Du auf die Füße kommst. Was das wiederum für Dein Selbstgefühl bedeutet, brauche ich Dir nicht zu sagen.
Du hast Deinen Ex. benützt, um Dir selbst zu helfen. Denn er sollte Dir auf die Füße helfen, damit Du den Ex-Prinzen vor ihm vergisst. Das hast Du nicht getan, denn Du hast den, der Dich nicht mehr wollte, auf ein Podest gehoben und wolltest einfach nicht einsehen, dass Deine Zeit vorbei ist. Das ist Verrat an der neuen Beziehung! Und die Quittung bekommst Du jetzt. Vieles von dem, was Du tust, ist nicht etwa altruistisch, sondern von Eigennutz geprägt. Hilf mir, dass ich den Ex vergesse, kümmere Dich um mich, das arme Schiffchen. Möble Du mein Leben auf, sorg dafür, dass meine Traurigkeit vergeht. Bitte richte Du mein Leben! Bitte liebe Du mich, damit ich mich selber ein bißchen lieber haben kann.
Das sind Deine Beweggründe und das waren auch meine. Aber das erkannte ich erst ca. ein Jahr nach der Trennung oder noch später.
Da sah ich, dass ich ihn benützt hatte und für meine eigenen Zwecke missbraucht hatte. Dabei hatte ich doch immer das Gefühl gehabt, ich sei ja so edel gewesen und so uneigennützig.
Das Unterbewusstsein geht verschlungene Wege und nichts liegt offensichtlich vor einem.
Nichts für ungut, aber das musste ich jetzt mal los werden!
Sonnenblume