Der lange Weg...

Die Trennung verarbeiten und nach vorne schauen
Starre
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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Starre » Sa 24. Feb 2018, 15:51

Liebes Schiffchen,

ich wollte nur kurz da lassen, dass auch ich mal wieder hier mitlese und an Dich denke. Recht viel mehr möchte ich gar nicht... Es ist wie es ist. Keiner hat Schuld und es wird so kommen, wie es eben kommt. Ich wünsche Dir, dass Du in dir eine Ruhe finden kannst, dich ein wenig aus der Situation rausnehmen und von aussen betrachten kannst und langfristig immer mehr zu Deinem erwachsenen Ich findest, indem Du Verantwortung für Dich selbst übernimmst und Deine inneren Kinder das Gefühl von Sicherheit haben.

Alles Liebe,
Starre.

Gwen
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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Gwen » So 25. Feb 2018, 00:24

Liebes Schiff,

ich nenne Dich einfach mal so, weil ich weiß, dass es in Dir wohnt.

Ich fände es sehr schade, wenn Du verschwinden würdest.

Aus Tälern wachsen Persönlichkeiten. In Problemen geht man unter oder erfindet sich neu. Du hast das Potenzial dazu. Zur Neuerfindung natürlich.


Ich wage Dir trotz allem zu widersprechen, dass er jetzt die Liebe war und ich wünsche Dir neue Umstände, die Dich das erkennen lassen bzw. irgendwann Männer, an die Du Dich nicht mehr so sehr hängst. Es ist schwer, wenn man das Muster hat, aber es wird besser und Du wirst ja daran arbeiten. Du bist auch von dem wieder abhängig wie von dem vorherigen usw. Ich hoffe, dass die Therapie etwas entgegen Deiner Verlustängste tut. Das macht die Männer zu Prinzen. Und das kennst Du doch schon.

Was ich ganz klar lese und von mir ja auch kenne, ist ganz viel Drama. Leiden geht aber vorbei, wenn man ihm den Weg weist.

Es wäre ein guter Zeitpunkt für Deinen Aufbruch, wenn Du es nicht schaffst, drehst Du weitere Runden mit ähnlichen Männern. Und Problemen in Deinem Leben.

Glaub mir, Du hast keine Ahnung, wie tief es gehen kann und was solche Spiralen wirklich mit einem machen können.

Du hast noch ein langes Leben vor Dir. Sieh zu, dass Du es so gut wie möglich planst und auf Dich aufpasst.

Der Weg auf dem Du da bist, ist nicht gesund. Ich hab das alles durch. Studium schieben, blöde Männer, keine Entscheidungen getroffen. Es rächt sich.

Ich wünsche Dir viel Kraft!

Gwen
Manchmal muss man einfach springen und sich auf dem Weg nach unten Flügel wachsen lassen.

Sonnenblume10
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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Mo 26. Feb 2018, 12:16

schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 26. Feb 2018, 08:49
Aber das macht es alles irgendwie nicht besser und ich schäme mich so unfassbar sehr vor ihm & auch vor mir für meine Schwä
Hallo, pack Dich mal bei Deiner Nase. Da sind sie wieder, die großen "Z"s, die Dich leider keinen Schritt weiter bringen!
schiffchen92 hat geschrieben:
So 25. Feb 2018, 11:11
ch hab das erste mal seit 13 Jahren keinen Plan, welcher Mann denn bitte als nächstes kommen möchte,
Das wird auch erst Mal das Beste für Dich sein. Denn, Dich in eine neue Beziehung zu stürzen, ist keine Lösung.

Alleinsein - das kann man lernen. Learning by doing and making mistakes. Ist nicht unbedingt schön und kuschelig, aber lehrreich. Denn nur im Alleinsein lernt man viel über sich selbst. Allerdings solltest Du Dich dann nicht in Gedankenschleifen begeben, die im Endeffekt nicht produktiv sind. Ich denke, Alleinsein bedeutet, dass man viel Selbstdisziplin aufbringen muss. Es ist keiner da, der einen anstupst, der einen ermahnt, sich z.B. um die Masterarbeit zu kümmern. Man muss sich selbst an die Leine nehmen. Wenn man das lernt und auch kleine Fortschritte erzielt, tut es aber gut und ist auch gut für das Selbstbewusstsein. Übung mach den Meister.

Durch ständiges Grübeln wird auch nichts besser. Die Erkenntnis über manche Dinge kommt oft erst nach einiger Zeit, wenn sich die Wogen geglättet haben. Wenn man belastende Dinge wie eine Trennung weitgehend verarbeitet hat, dann macht es manchmal auf einmal "Aha". So war das damals, so war ich und so war er und dann kann man auch die Ursachen einer Trennung besser erkennen.
Das war auch bei mir so. Erst als die Trennung einige Monate zurücklag, kam die Erkenntnis fast schlagartig und ohne jede Voranmeldung. Ich hatte lange nicht mehr an ihn gedacht, mein Leben verlief wieder recht gut, ich saß beim Frühstück und scheinbar grundlos fiel er mir auf einmal ein. Ich fragte mich, warum? Ich denke, es kam aus dem Unterbewusstsein.
Wie es ihm wohl ging? Keine Ahnung, nichts gehört und nichts gesehen. Und dann auf einmal "sah" ich es. In Sekundenschnelle durchlief ich wie ein Zuschauer ein Bühnenstück. Er und ich, wie wir uns abmühten und wie ich mich klein gemacht hatte, auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.
Und dann war mir auf einmal klar, dass nicht nur er der Schuldige war, sondern dass auch hinter meiner scheinbaren Selbstaufopferung viel Eigennutz und Egoismus steckte.
Das war beschämend, tat auch weh. Aber gerade aus den schmerzhaften Dingen lernt man im Leben am meisten.

Nichts kommt umsonst und meist erteilt Dir das Leben eine Lektion, wenn es an der Zeit ist. Daher sollte man bei allem Frust und aller Enttäuschung diese Dinge auch annehmen, denn sie beinhalten viel Potential. Auch wenn man es jetzt noch nicht sieht, so lernt man gerade aus Krisen sehr viel.
Eine Krise ist einfach ein Zeichen, dass etwas Altes vergangen ist und das geschah nicht ohne Grund. Sie deutet darauf hin, dass es Zeit ist, einen neuen Weg einzuschlagen. Der ist oft holprig und steinig und nicht geradlinig. Aber man fühlt, dass es gut ist, ihn dennoch zu gehen.

Sonnenblume

Sonnenblume10
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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Do 8. Mär 2018, 11:56

schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
Dass er sich so schuldig fühlt und deswegen auch nachts wach liegt. Und es ihm insgesamt auch schwer fällt...
Ich finde es gut, dass er das ausspricht. Es ändert freilich nichts an den Tatsachen, die er geschaffen hat, ABER: Auch ihm fällt es schwer, auch er denkt darüber nach und liegt nachts wach (immer ein Zeichen dafür, dass etwas Unaufgelöstes zu schaffen macht, was man tagsüber beiseite schiebt und verdrängt, was aber nachts wieder an die Oberfläche dringt).
Ein Zeichen dafür, dass er es sich nicht leicht gemacht hat und nicht unbedacht gehandelt hat. Er hat sich nur gegen die Beziehung entschieden, aber nicht gegen Dich als Mensch! Das solltest Du honorieren und darüber kannst Du Dich sogar ein wenig freuen. Ich weiß, freuen ist der falsche Ausdruck, aber es zeigt Dir immerhin, dass er nicht aus dem Holz geschnitzt ist und sich sagt, ab jetzt wird mein Leben besser und die Ex. ist schnell vergessen!
So ginge es ja auch, dass Du ganz schnell unten durch bist und er sich jetzt einen flotten Lenz macht.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
Ich habe natürlich gesagt er müsse sich nicht schuldig fühlen
Das brauchst Du ihm nicht zu sagen. Erstens, warum soll er sich denn nicht schuldig fühlen? Er hat Dich jetzt erstmal in die emotionale Wüste geschickt, er hat sich entschieden und er muss mit den Konsequenzen klar kommen. Und die Konsequenz kann eben auch ein Gefühl der Schuld sein. Es ist sein Gefühl und nicht Deines und Du brauchst ihn da nicht zu entlasten, denn es hilft ihm ja auch nichts. Schuldig ist immer ein Gefühl, das nur an den Menschen geknüpft ist, der es empfindet.
Wenn einer ein Kind zusammenfährt, fühlt er sich schuldig, kann es aber nicht mehr ändern. Und da hilft es auch nichts, wenn man ihm sagt, er konnte nichts dafür, weil das Kind hinter einem parkenden Auto auf die Straße gelaufen ist.
Er wird sich schuldig fühlen und jegliche Entlastungsversuche von anderer Seite werden das nicht ändern. Objektiv kann er nichts dafür, subjektiv aber wird er sich das Hirn zermartern und sich fragen, ob er es nicht hätte verhindern können!
Schuld hat mit dem Gewissen zu tun und mit der Seele und da helfen sämtliche Ratschläge nichts. Das Schuldgefühl muss jeder bei sich selbst auflösen.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
Habe auch gefragt, ob wir zu viel über uns gesprochen haben.
Eine typisch weibliche suggestive Frage, die impliziert, bitte sag jetzt nicht, dass wir zu lange und zu viel miteinander gesprochen haben.
Schiffchen, Du wirkst manchmal wie ein kleines Hündchen, das Herrchen um Verzeihung bittet.
Solche Fragen stellt man nicht, denn auch er wollte reden. Er hat das Angebot angenommen und er hat sich trotz der schweren Umstände gut dabei gefühlt. Denn hätte er nicht mit Dir reden wollen, hätte er sich anders verhalten.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
Ich habe mal wieder einen emotionalen seelenstreptease hingelegt...
Da bin ich anderer Meinung. Du hast ehrlich über Deine Gefühle gesprochen, keinen Druck ausgeübt außer vielleicht am Anfang (ausgerechnet jetzt musst Du Dich trennen!) und auch er hat sich offenbart. Also wenn, dann war der Seelenstriptease gleichseitig.
Aber klar, Schiffchen sucht wieder mal die alleinige Schuld bei sich. Das ist das, was Du seit Deiner Kindheit gelernt hast und das Du erfolgreich weiter lebst ;)
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
dass es ihm so geht wie mir oder das ich ihm nicht ganz egal bin und irgendwo dachte ich, wenn ich mal auf den Tisch hau, dann gebe ich ja meine Meinung auch mal kund und das wird mir gut tun ..
Ist es verwerflich, dem Anderen zu sagen, Du ich fühle mich beschissen, weil Du mich weiter geschickt hast? Es ist normal das zu empfinden und es ist in Ordnung, das auch mal zu sagen.
Du hast Doch Dein Ziel erreicht:
1. Ihm geht es auch nicht gut, denn auch er leidet unter der Trennung. Das weißt Du jetzt.

2. Du bist ihm nicht egal, sonst hätte er das Gespräch abgeblockt oder sich verzogen, als Du kamst. Im Gegenteil, er hat Dir doch sogar eine Art Angebot gemacht: ich kann mir nicht vorstellen, dass wir irgendwann nichts mehr miteinander zu tun haben.

3. Du hast auf den Tisch gehaut, zumindest im Rahmen dessen, was Du darunter verstehst und für den Moment hat es Dir auch geholfen. Das ist eigentlich oft so: wenn man die Tatsachen auf den Tisch legt und damit zu sich steht, tut es einem gut. Und das ist auch richtig so. Denn es hat ja auch mit Mut zu tun. Ich bin mutig genug, ihm einzugestehen, dass ich mich Sch... fühle und ich stehe zu meinen Gefühlen und damit zu mir selbst.

Am nächsten Tag kam dann das große Z wieder um die Ecke: Selbst-Zerfleischung!
Nicht, dass Du endlich mal über Dich gesprochen hast und ehrlich warst, war der Fehler! Der Fehler kam hinterher, dass Du Dödel das jetzt wieder ins Gegenteil umkehrst und jetzt wieder das Fehlverhalten bei Dir suchst.
Und das ist der Rückfall in alte Muster, die Dir jetzt sagen: Du hast Dich blank gemacht, Dich sozusagen entblößt, aber Du kannst nicht dazu stehen.
Das Falschverhalten war nicht das Gespräch, sondern wie Du es jetzt einordnest.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
Jetzt stehe ich wieder da wie die, die allein nicht klarkommt, die Bedürftige, die Zurückgelassene ...
Das bist Du doch auch! Na und, steht Dir auch zu! Und Du wirst es schaffen, wie so viele andere auch.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
weil auch wenn ich ihm gesagt habe, dass ich das alles schaffe und er sagte "Ich sehe Ja dass du schon große Fortschritte gemacht hast " hat mein Auftritt gestern ja eine ganz andere Sprache gesprochen und ihn nur in seiner Meinung über mich gefestigt
Das sehe ich anders. Im Gegenteil, indem Du endlich mal den Mut hattest und den Biss dazu, die Karten offen auf den Tisch zu legen, hast Du bei ihm gepunktet. So kannst Du das auch sehen, denn er hat das wohl auch wahrgenommen, dass da jetzt Jemand vor ihm steht, der Tacheles redet und nicht so blöd tut: Ach, mir geht es echt gut, mach Dir keine Gedanken, ich habe mein Leben toll im Griff.
Wie gesagt, Dein "Auftritt" zeigte Mut und Ehrlichkeit, aber Du interpretierst ihn schon wieder ins Negative. Hach, die großen Z's reiben sich schadenfroh die Hände, denn wieder bist Du ihnen auf den Leim gegangen. Darüber freuen sie sich, denn sie haben jetzt wieder die Übermacht: Ha, der haben wir gezeigt, wie ihr Auftritt gewirkt hat. Sie hat wieder auf der ganzen Linie versagt und das haben wir ihr auch erfolgreich gesagt! Die Lektion hat gesessen, denn sie weiß jetzt wieder wo sie steht, die dumme Nuss.

Schiffchen, das sind die inneren Dämonen, die nur eines wollen: Dich niedermachen, Dich schlecht machen und Dir einreden, dass Du ein Versager bist.
Man kann diese schadenfrohen und schädlichen Biester in den Schrank verbannen und sie damit unschädlich machen.
Ha, ihr schon wieder! Ihr drangsaliert mich immer, ihr redet mir ein, dass ich ungenügend bin und nichts im Griff habe. Aber ich habe einfach keine Lust mehr auf Euch. Ich will meine Ruhe und meinen Seelenfrieden, also verzieht Euch. Ich werde Euch jetzt mal zeigen, wo der Hammer hängt!

Du kannst diese inneren Dialoge selbst steuern und in eine andere Richtung lenken. Das geht, es funktioniert, ich habe es in den letzten Jahren immer wieder so gemacht. Anstatt diesen elenden Biestern Raum zu geben, schickt man sie weg und weist sie in ihre Schranken. Und damit verkehrt man die selbstschädigenden Gedanken um oder relativiert sie zumindest.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
was ich damit jetzt alles angerichtet habe..
Was sollst Du denn damit angerichtet haben??? Du hast Farbe bekannt und was er jetzt damit anfängt, ist seine Sache und nicht Deine.
Ich glaube eher, dass er innerlich den Hut vor Dir zieht und sich sagt: endlich redet sie mal, endlich steht sie zu sich und endlich traut sie sich mal, zu zeigen, wie es in ihr aussieht.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
jetzt ist es auch egal was er denkt...
Du bist doch eine elende Lügnerin :) Oder nicht? Natürlich ist es nicht egal, was er denkt, denn es ist Dir nicht egal. Allein die Frage zeigt das jetzt schon. Ich grinse mir gerade eins.
schiffchen92 hat geschrieben:
Di 6. Mär 2018, 08:26
Und das Gefühl bereitet mir wieder Unruhe und Angst?!?
Ja, das ist jetzt so. Du bist raus aus der vertrauten Umgebung und musst jetzt alleine für Dich sorgen. Und das macht Dir Angst. Eigentlich logisch, denn Neuland macht auch Angst. Aber wenn man es mal betreten hat, wird man sicherer und sieht, dass es nicht bedrohlich ist.

Und übe mal, Deine inneren Dialoge anders zu gestalten. Das Glas ist halb leer oder halb voll. Das eröffnet ganz andere Sichtweisen.

Sonnenblume

Sonnenblume10
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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Do 8. Mär 2018, 20:10

Hey, SChiffchen, komm da mal runter! Dir geht es jetzt schlecht und das ist normal, denn eine Trennung setzt jedem zu.
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Einzige was er für dich übrig hat ist tiefstes MITLEID. Du schwache Person, du Nichts.
Das sind falsche Erwartungshaltungen. Vlt. hat er Mitleid, aber sicher nicht nur. Und ja, er sucht wohl auch Entlastung für sein Verhalten, denn unschuldig an der Trennung war er ja nicht. Die Entlastung hat er mit dem Gespräch sicher nicht bekommen, denn hättest Du Dich jetzt als taffe Frau präsentiert, die gerade Freude strahlend ihr neues Leben führt, hättest Du ihn entlastet. So aber warst Du so ehrlich und hast gesagt, dass es Dir nicht gut geht und das entlastet ihn nicht. Aber dafür bist Du doch auch nicht zuständig. Wieder kommt ein Z um die Ecke und redet Dir ein, dass Du ihm kein schlechtes Gewissen machen darfst, indem Du angeblich Schwäche gezeigt hast, obwohl Du ihm eher Stärke gezeigt hast. ;)
Wieder kann man das so oder so sehen!
Und fang mal damit an, darüber nachzudenken, wie oft im Lauf eines Tages Du negative Gedanken über Dich selbst pflegst. Du kultivierst das regelrecht, denn egal was immer passiert, immer bist Du schuld, hast Dich falsch gehalten, hast Dich falsch dargestellt. Er könnte jetzt dies denken oder noch schlimmer jenes, und das liegt wie immer an mir.

Du zelebrierst das regelrecht und das ist eben die klassische Selbstzerfleischung. In China fällt ein Fahrrad rum und wer ist schuld. Na klar, das dumme Schiffchen, das negative Energien nach China geschickt hat und das Fahrrad aus dem Gleichgewicht brachte.
Und das ist auch die Gewohnheit. Du bist es gewöhnt, in negativen STrukturen zu denken und das erinnert mich an mich selbst.
Wie war ich früher? Eine tolle Frau, die ihr Leben im Griff hatte und der es gut ging. Ja, das war die Fassade. Was war dahinter? Eine Frau, die Männer zur Selbstbestätigung brauchte, wobei es mir nicht etwa um Sex ging. Ich suchte lediglich Kontakte, denn wer mit einem Mann ausgeht, ist attraktiv. Ist doch viel besser als mit Mädels ...
Eine Frau, die es gewohnt war, sich selbst immer wieder in schlechtem Licht zu sehen. Du bist zu unfähig, zu irgendwas, Du müsstest anders sein und alles anders und besser machen. Alle anderen sind besser als Du, insbesondere Sandra, weil ... und Ulla, weil ...
Und auch in der Beziehung spielte ich beständig eine Rolle, die der heiteren unbeschwerten Frau, die nichts krumm nimmt, alles versteht und den Partner anhimmelt. Denn ich konnte ja froh sein, wenn dieser außergewöhnliche, gebildete, hochsensible, kluge, intelligente Mann sich mit mir abgibt, mit mir, dem Aschenputtel aus der Küche!!!
Wie blühte ich auf, wenn er mich lobte und wie enttäuscht und kleinmütig wurde ich, wenn er sich abwandte.
Ich war verlogen und nicht authentisch, ich war dumm und vor allem feige, denn eines hatte ich nicht gelernt: Du bist okay wie Du bist!

Irgendwann kapierte ich es. Das falsche Spiel, das ich unbemerkt getrieben hatte, die Verlogenheit von mir, die Schauspielerei und die Unehrlichkeit. Ich war schwach und wollte es nach Kräften verbergen.
Und genau das wurde mir zum Verhängnis, denn schauspielen ist das Eine, fühlen aber das Andere und da passte nichts zusammen. Denn ich bin ja nur doof, dumm, ungebildet, unfähig und kann grundsätzlich weniger als andere.

Das sind die STrukturen, die ich kannte und pflegte und das seit Jahrzehnten.
Nach der Trennung änderte sich das, aber ganz laaangsam und auch unbemerkt. Ich merkte, wie ich mich selbst manipulierte, wie ich mir negative Gedanken einredete, mich vor mir selbst schlecht machte und dass da was dahinter steckte, was ich "gelernt" hatte. Du bist nicht okay, wie Du bist. Also musst Du anders sein und Deine Rolle spielen, damit keiner merkt, wie unfähig und unattraktiv Du in Wahrheit bist.

Irgendwann hatte ich es satt und ich rief mich jedes Mal zur Ordnung, wenn diese Dämonen wieder hämisch lachten, mich auslachten und mich schlecht machten. Und allein dadurch, dass ich das miese Spiel, das ich mit mir selbst trieb, durchschaute, wurde es besser. Ich redete mit ihnen in Gedanken, ich schickte sie weg und ein Wunder geschah: sie trollten sich und waren nun selbst enttäuscht, aber sie gaben mehr und mehr Ruhe.
So was wie Seelenfrieden kehrte ein und so was wie Gelassenheit: ich bin nicht perfekt, aber gut genug bin ich allemal. Und es ist okay wie ich bin.
Und das macht frei, das führt zu innerer Freiheit.

Und wenn ich mich mal daneben benehme? Tja, passiert, dann schimpfe ich mit mir, aber sage mir auch: passiert ist passiert. Nobody is perfect, Du auch nicht. Das weißt Du ja, aber das musst Du auch nicht sein.

Du kannst Dir selbst Deine Realität schaffen und die kann positiv oder negativ gefärbt sein und das ist allein Deine Verantwortung.
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Jetzt denke ich, dass seine Handlung eben eine Mitleidshandlung ist, weil er mich nicht so leiden sehen möchte und dafür keine Verantwortung tragen möchte.
Klar, Schiffchen, wie sollte es anders sein in Deiner Realität? Der tut doch nur so und denkt sich in Wirklichkeit ...
Ja, es war sicher auch so was wie Mitleid dabei, aber Mitleid allein bewirkt nicht, dass man zwei Stunden miteinander spricht und vielleicht mal so was wie Augenhöhe herstellt. Ich glaube, er war froh über das Gespräch, denn das ewige Schweigen und sich Aus-dem-Weg-gehen bringt meist auch keinen weiter.
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Sie hat erzählt, dass auf einer Party, auf der ich nicht dabei sein konnte, mein Ex sich unheimlich abgeschossen hat und mit ihr ein intensives Gespräch auf der Tanzfläche hatte, sie auch viel am Arm berührt hat und die beiden schließlich von zwei anderen Freundinnen getrennt wurden und sie über eine Stunde geredet hätten. Auf einer weiteren Party, wo ich dann mit dabei sein konnte, sind die beiden sich aus dem Weg gegangen und haben immer nur miteinander geredet, wenn ich nicht dabei war...
Soll ich Dir was sagen. Du hast das richtig gesehen! Dein Bauchgefühlt hat Dir gesagt, da ist was im Busch und es war was im Busch.
Was immer mit dieser Frau war oder noch ist, da ist was da. In Deiner Abwesenheit wirkten sie sehr vertraut und als Du dabei warst, wahrten sie Distanz.
Du hast gefühlt, dass er emotional auf Abwegen war, dass da Jemand war, der ihm was bedeutete oder immer noch bedeutet, dass da ein Gleichklang war, der bei Euch nicht mehr da war.

Das schürt Misstrauen. Ging mir nicht anders. Ich fühlte es diffus sofort nach dem Festabend auf dem Kongress, den wir wie immer getrennt verbrachten. Er dort, ich hier, 30 Meter und ein paar Ecken voneinander entfernt. Ich sah ihn dann beim rausgehen und er war allein, seine Mine wie immer undurchdringlich und ausdruckslos. Ich ging vorbei und fragte: Und, bleibst Du noch?
Er sagte, ja, ich bleibe noch.
Ich bin allein nach Hause in mein Hotel und ging heulend vor Enttäuschung in mein Hotel. Warum nur musste er mir immer wieder eine vor den Latz knallen, mir zu verstehen geben, dass er mich nicht brauchte, nicht mit mir zusammen sein wollte?

Und am nächsten Tag? Da war er wie ausgewechselt. Er war nett und wir blieben sogar noch einen Tag länger. Wir suchten ein anderes Hotel, gingen schön essen, gingen eng umschlungen durch die Stadt und ich war glücklich! So einfach ging das.
Und dennoch: irgendwas machte mich misstrauisch. Dieser Gegensatz von kalt zu warm, gestern abweisend, heute zuwendend! Das war krass.
Heute weiß ich es. Er hatte mit der Frau geredet, die er zwar irgendwie kannte, aber eben nur ganz locker. Sie müssen ein Gespräch geführt haben und ich glaube, er hat damals gemerkt, dass die irgendwie angebissen hat, an ihm Gefallen fand. Und das gab ihm so einen Auftrieb, dass er auf einmal zu mir richtig nett und liebevoll sein konnte.
Ich checkte dann mal seine Mails und fand einen Mailwechsel mit der Frau vom Festabend. Da war was da, auch wenn er es später immer abstritt. Die wollten sich treffen, aber es klappte dann doch nicht. Ich schätze, sein schlechtes Gewissen stand ihm im Wege, weil ich Lunte gerochen hatte, aber ihn nicht darauf ansprach, sondern nur auf sein Verhalten in Partnerschaften im Allgemeinen.
Das wirkte, ich erreichte ihn und er wollte es wohl ab da besser machen. Aber das bereitete ihm Mühe und auch das spürte ich. Es war aufgesetzt und nicht authentisch.
Ab da dauerte es nicht mehr lange, ein paar Wochen noch, dann kam die Trennung. Der Apfel war von innen verfault.

Also, Dein Gefühl hat Dich nicht getrogen. Das muss jetzt kein richtiger Betrug sein, aber es ist klar, dass da ein Gleichklang zwischen den beiden ist. Vielleicht weil beide in kaputten Beziehungen steckten, so was verbindet.
Aber das ändern hättest du auch nicht können. Der Zug war schon abgefahren. Du durftest als Waggon noch eine Zeitlang mitfahren, aber vlt. zeigte ihm die Begegnung mit dieser Frau auch, wie es in einer Beziehung sein könnte. Und dann trennte er sich und beendete die Lügen.
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Dass es mich traurig machte, dass er das denkt und mir dieses Verheimlichen zusetzte, hat er irgendwie nicht gesehen...
Ja, das sehen Männer selten. Die machen einfach und schauen nicht links und nicht rechts.
Verheimlichen tut weh, das ist so. Aber, was hätte er anders machen können? Sein Interesse an der Frau war da. Wenn er sie erwähnt, verändert sich Dein Gesichtsausdruck und das merkt er. Das sind ganz kleine Muskelveränderungen und das Gesicht verändert sich.
Das wollte er vermeiden. Dir nicht noch mehr weh tun.
Das ist doch verständlich, ginge Dir nicht anders. Also schweigt man und der Partner denkt sich: er hat was zu verschweigen.
Und das war ja auch so.
Einen Ausweg gibt es da momentan nicht.
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Ja ich fühle mich jetzt gerade noch komischer und alles, wofür er stand (Loyalität, Vertrauen, Ehrlichkeit, Sicherheit), hat gestern einen ordentlichen Dämpfer bekommen und ich denke mir: na so falsch war dein Bauchgefühl wohl doch nicht..
Herrgott, na endlich! Endlich, endlich hast Du ihn mal von seinem selbst gebauten Podest geholt. Nein, Du hast es richtig gefühlt, gesehen und auch er war nicht der edle Ritter, der alles richtig macht. Der Typ ist nicht ohne Fehl und Tadel, der handelt auch durchtrieben, verwirrt und planlos.
Schau ihn Dir nur an, Deinen Held, der ja immer so toll war. Viel toller als Du es je sein konntest, denn er war der Retter und Du die Hilfsbedürftige. Ihr habt da Therapeut und Patientin gespielt und irgendwann wurde ihm das über.

schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Meine Z's möchten mir einreden, dass es meine Schuld war, dass er sich in die Arme einer anderen geflüchtet hat...
Die Z's haben nicht unrecht. Aber es war nicht alleine Deine Schuld, denn bei solchen Schieflagen haben immer beide ihren Anteil. Vielleicht hat er als der starke Therapeut mit der Schulter zum Anlehnen Deine Schwäche noch verstärkt. Wie solltest Du STärke entwickeln, wenn er auf dem Podest steht und sich gnadenhalber um Dich kümmert?
Vielleicht hätte er auch etwas tun können und das Ungleichgewicht regeln können? Vielleicht hätte er mehr Anforderungen an Dich stellen sollen, anstatt Dich in Deiner Lethargie zu lassen?
Auch er hat da was falsch gemacht und das weiß er auch.
Ungesundes Rollenverhältnis, das sich immer mehr verstärkte. Er der vermeintlich Starke und Du die Schwache, die Empfindliche, die Traurige, die ihr Leben nicht auf die Reihe bringt.
Die Trennung war vermutlich das Beste, was Dir passieren konnte, denn so was hat keine Zukunft, weil beide in ihren Rollen verharren und nicht raus kommen.
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Mein Kopf und mein Gefühl wollen das alles immer noch nicht so recht zulassen, sie spinnen eine Welt, in der ich selbstbewusst und toll bin und er sich denkt: Mist, warum habe ich sie damals gehen lassen... Und wir wieder zusammenfinden.
Für den 'selbstbewussten und tollen' Part bin ich verantwortlich, das weiß ich...
Schutzreaktion Deinerseits und Flucht in imaginäre Träume. Völlig normales Verhalten in Deiner Lage. Der Mensch versucht erstmal, das Geschehene zu verneinen und will es nicht wahrhaben.
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Bin ich gut drauf, bin ich schlecht drauf, sage ich, was mir auf der Seele brennt, oder lasse ich es bleiben?
Na, dann sei doch einfach authentisch. Spiele keine Rolle, die Du nicht ausfühlen kannst. Spiele nicht die STarke, denn das ist unehrlich und das merkt jeder. Aha, jetzt will sie sich von einer anderen Seite zeigen. Das nehm ich ihr nicht ab.
Aber sei auch nicht die Schwache, die in Tränen ausbricht. Ich würde meinen, sei einfach gefasst, wenn es geht. Er ging und das hatte seine Gründe, denn die Beziehung war ungesund, verlogen und verbogen. Nicht schön, aber im Grund genommen fand etwas sein Ende, was vorher schon zu Ende war und was keiner wahrhaben wollte.
Verhalte Dich nicht furchtbar nett ,wenn Du Dich nicht danach fühlst.
Sei so, wie Du Dich fühlst. Das ist ehrlich und das ist authentisch. Und wie er sich dann fühlt? Ja, mein Gott, er wird sich auch irgendwie fühlen, aber das ist doch nicht Deine Baustelle.
Du hast genug mit Dir zu tun, da brauchst Du nicht für ihn auch noch die Verantwortung zu übernehmen, denn er legte seine ja auch ab.
Also kannst Du ruhig auch mal kurz angebunden sein. Du darfst enttäuscht sein, denn Du verabschiedest Dich von einer Täuschung, der Illusion von einem Mann, zu dem Du vollstest Vertrauen haben kannst und auf den Du immer zählen kannst. Und das ist auch gut so!!!
schiffchen92 hat geschrieben:
Do 8. Mär 2018, 13:42
Aber ich frage mich: Wird das alles jemals anders? Werde ich jemals glücklich sein? Und werd ich jemals einen Platz in mir selber finden, in dem ich mich sicher fühle?
Das ist Deine Aufgabe für die Zukunft, die Du alleine leisten musst. Nein, nicht musst, Du darfst es tun. Du darfst gut zu Dir sein, Deine Dämonen in den Wind schießen, Dich über den Ex. ärgern, traurig sein und weinen. Aber Du darfst es Dir auch gut gehen lassen und Dich selbst loben, wenn Du Fortschritte bemerkst und Deine Selbstschlechtmacherei mal wieder durchschaust.
Auch kleine Schritte führen zum Ziel.
Du hast ihm zu viel aufgebürdet und zu viel abverlangt. Das war falsch, aber Du konntest es nicht sehen und nicht erkennen. Aber er hat Dir auch keine Stärke zugestanden, denn er stand auf dem Podest und im Grund genommen tat auch er nichts dafür, dass Du zu ihm aufsteigen konntest.
Er hat Dir keinen Platz neben sich auf dem Podest gelassen und das war auch falsch, aber auch nicht böse Absicht.
Der Apfel war von innen faulig und irgendwann fiel er dann vom Baum - Fallobst! Manche Beziehungen sind so kaputt, dass sie sich auflösen und im Endeffekt erkennst Du dann etwas, auch wenn es Monate dauert: Er-Lösung.
Du hast den Absprung geschafft, alleine und darauf kannst Du stolz sein. Und wenn Du an ihn denkst, geht es Dir vielleicht wie mir: Du fühlst Dich erleichtert, denn diese Beziehung kostete zu viel Energie. Sie hat nicht gestärkt, sondern Dir Energie geraubt und Dein schlechtes Selbstbild noch verstärkt und verschlimmert.
Es ist wirklich so. Wenn ich an diesen Mann denke, fühle ich Erleichterung. Es war alles richtig wie es kam, das Leben hilft einem schon dabei.

Das dauert seine Zeit, aber Dir stehen nun alle Optionen offen. Wähle die, die Dir gut tut!

Sonnenblume

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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Fr 9. Mär 2018, 11:48

schiffchen92 hat geschrieben:
Fr 9. Mär 2018, 00:01
Diese Ungewissheit macht mich so verrückt... Ich denke so viel daran und habe so viel Angst, dass ich hier wieder so belogen und betrogen wurde und ich wieder verlassen wurde...
Ganz ehrlich, ich würde es nicht tun. Es ist völlig nachvollziehbar, dass Du vor Eifersucht, Misstrauen und Enttäuschung fast platzt. Ging mir damals auch so, als ich Dödel ein halbes Jahr nach der Trennung bemerkte, dass er nun schon wieder eine Neue hatte. Wir hatten nach der Trennung noch Kontakt über Mail und Telefon, haben uns aber nie mehr getroffen. Anfangs schrieb er noch, es war noch ein Austausch da und er wirkte interessiert. Aber ich glaube wie Du, da war auch Mitleid und schlechtes Gewissen seinerseits dabei. Wenn ich sie schon abserviert habe, dann schreibe ich wenigstens noch mit ihr, damit ich nicht das komplette Schwein bin.
Nach einigen Wochen wurden seine Mails spärlicher und im Februar schrieb er eine Mail, die wieder völlig verklausuliert war. Sie war zwar einerseits ehrlich, aber Ross und Reiter wurden nicht benannt. Ich erkannte auf einmal, dass er jetzt eine neue Geliebte, Freundin oder was auch immer hatte.

Ich geriet momentan fast in eine Art Panikzustand und gleichzeitig zog es mir den Boden unter den Füßen weg. So schnell war ich ausgetauscht worden? So schnell hatte ich ihn ganz verloren? Dieses Schwein, dieses A..., ich wünsche mir, dass er verunglückt, stirbt, schwer krank wird, im Rollstuhl sitzt. Ich wünsche ihm, dass er von der Frau so verarscht wird wie er mich verarscht hatte. Ich wünsche ihm, dass er niemals mehr glücklich wird, sondern irgendwann einsam und verbittert stirbt und er erst gefunden wird, wenn er stinkt!

Aber andererseits, wir waren ja getrennt. Es war doch sein gutes Recht, sich eine Neue, Bessere zu suchen und dagegen konnte ich ja nichts sagen.
Ja, ich war bitter enttäuscht, denn ich hatte gehofft, er würde alleine bleiben und ein guter Freund für mich sein können, so zur Aussprache oder so. Und jetzt?
Geh zum Teufel, Du elender Wichser!!!! Ich hoffe, dass Du stirbst und dann stehe ich an Deinem Grab und sage: Siehst Du wohl, ich lebe noch und Du liegst da drin. Und zu Deiner Beerdigung komme ich garantiert nicht, denn diesen Triumph will ich später mal alleine auskosten! Er ist natürlich nicht verunglückt oder gestorben.

Es dauerte tatsächlich einige Wochen, ehe ich diesen neuerlichen Schlag verdaut hatte und die negativen Gedanken weg gingen. Ganz allmählich wurde es besser und ganz allmählich und ganz laaaaaangsam stellte sich so was wie eine versöhnliche Haltung ein. Man kann nicht lange hassen, das ist zu negativ und kostet zu viel Energie. Und Hass bedeutet ja nichts Anderes als Liebe,nur unter schlechten Vorzeichen, denn Hass zeigt immer noch massives Interesse am Gegenüber.
Wem half mein Hass denn weiter? Ihn tangierte er nicht, denn er wusste ja nichts davon. Der Hass schadete nur mir selbst. Also musste ich einen anderen Weg finden, denn Hass vergiftet mich innerlich ja nur.
Enttäuschung ist etwas anderes. Das ist auch nicht schön und tut weh, aber Hass ist noch mal eine andere Hausnummer, die nur dem schadet, der ihn empfindet.

Natürlich hatten wir dann gar keinen Kontakt mehr und heute interessiert er mich nicht mehr. Ich wüsste nicht mal mehr, was ich mit ihm reden wollte oder sollte. Soll er sein Leben leben und ich lebe meines. Es ist mir egal, wie es ihm geht, ob er glücklich ist oder nicht. Denn es gibt einen Menschen, der mir wichtiger geworden ist. Ich selbst, ich bin meine eigene Welt und die gefällt mir auch. Und seither kann ich auch eine normale Beziehung führen. Er ist okay, wie er ist, obwohl sicher manches anders sein könnte, aber da kritisiere ich nicht rum und ich bin auch okay, obwohl er sich auch manches anders vorstellen könnte.

Was hilft es Dir, wenn Du fragst? Überlege Dir mal die Konsequenzen.
Variante 1: Er weicht aus, schaut irgendwo hin und Du denkst Dir: Aha, Du miese Ratte, Du weißt jetzt nicht, wie Du antworten sollst. Wusste ich es doch, habe ich Dich doch durchschaut!

Variante 2: Er sagt, da war nichts. Wir haben uns unterhalten, weil wir uns gut verstehen, aber ich wollte nie was von der Frau.
Was denkst Du dann: Der elende Lügner!!! Nicht mal jetzt kann er ehrlich sein!

Variante 3: Ja, es stimmt, ich bin oder war an dieser Frau interessiert, denn ich habe das Gefühl, dass wir uns was zu sagen haben. Es ist entspannt mit ihr und locker und ich fühle eine Gleichklang. Dann brichst Du heulend zusammen und jammerst: ich wusste es doch, wie konntest Du mir das nur antun, mich so hintergehen, verletzen? Warum nur, warum nur, war ich denn so schlimm?

Variante 4: Liebes Schiffchen, wir sind getrennt und ich muss Dir daher auf diese Frage keine Antwort mehr geben. Dann stehst Du blöd da und bist auch die Lackierte.

Such Dir eine Variante aus, sie enden alle samt und sonders beschämend und verletzend für Dich.
Und daher rate ich Dir, diese Frage auf gar keinen Fall zu stellen.

Es sind jetzt im Übrigen auch nur wieder innere Dämonen die Dich da reiten. Los, frag ihn, damit Du Dir Deine Breitseite wieder abholen kannst, so wie Du es immer gemacht hast. Los, triff ihn sofort und hole Dir den neuen Schlag ab, damit Du endgültig am Ende bist! Das ist das, was ich sehen will! Und dann bin ich zufrieden, denn ich, dieser gemeine Dämon habe Dich wieder in etwas gesteuert, was Du nicht bewältigen kannst. Dann habe ich gesiegt und lehne mich entspannt zurück. Deine Tränen interessieren mich doch nicht, Deine Traurigkeit geht mir am Arsch vorbei. Quäl Dich nur, ich schaue Dir gerne dabei zu, denn der Sieg ist mein.
Gib ihnen, den Dämonen nicht nach. Bezähme sie und lass Dich nicht zu etwas verleiten, was Dir nur wieder weh tun wird. Schicke sie in den Schrank und sage Dir: es geht mich nichts mehr an, er ist in keiner Verantwortung mir gegenüber und eine ehrliche Antwort habe ich nicht zu erwarten, denn er will mich davor bewahren und daher wird er ausweichen oder es ganz abstreiten. Egal, wie seine Antwort ausfällt, ich interpretiere sie so und so nur ins Negative. Und dann stehe ich wieder blöd da, denn ich habe mich wieder unnötig vor ihm entblößt.

Nein, lass es bitte sein. Es wird Dir dadurch keinen Deut besser gehen. Wenn Du es doch tust, dann musst Du mit den Konsequenzen leben. Also denke lieber gut darüber nach, ob das wirklich zielführend ist.

Ach, jetzt sehe ich Deine Frage erst richtig: Du hast Angst, dass Du wieder belogen und betrogen wurdest und wieder verlassen wurdest.
Ja, das ist Dir wieder so ergangen. Das Leben ist gemein und hinterhältig und schickt Dich in sich wiederholende Situationen. Ging mir auch so. Immer war ich verlassen worden, immer war ich hintergangen worden, niemals hatte ich eine Beziehung beendet, sondern immer gewartet, bis über mich entschieden wurde.
Das ist nicht ungewöhnlich, denn ehe ich mir etwas eingestand, machte ich die Augen zu, träumte mir meine Welt schön und hoffte auf Besserung. Und außerdem gab ich mir mächtig Mühe, damit mir der Mann blieb. Aber er ging und der nächste auch und der übernächste auch und der überübernächste auch.
Was war da los?
Mein Therapeut erklärte es mir sehr schön: Die Seele leidet. Sie schleppt viel mit sich rum, viele Dinge, die nie aufgelöst und bewältigt, sondern nur beiseite geschoben wurden. Es geht mir doch gut, ha, was soll da schon sein. Aber der Absturz kam immer wieder und die Ablösungsphasen dauerten lang und länger. Je älter ich wurde, desto länger waren sie. Da gibt es uralte Verletzungen, Zurücksetzungen oder Abweisungen meist seitens der Eltern, die das Kind schon belasten. Es wird damit groß und lernt damit zu leben und schiebt alles ins Unterbewusstsein ab.
Ich war doch ein glückliches Kind, warum sollte ich über was enttäuscht sein? Also weg damit, es geht mich nichts mehr an.

Das Kind wurde größer und erwachsen und es lebte mit den Blessuren und schob sie weiterhin weg. Denn so schlimm war es ja nicht, mal eine kaputte Beziehung, das geht doch vorüber und dann ist wieder alles gut. Aber irgendwann begriff ich, dass das System hatte.

Wenn Du wieder und wieder in ähnliche Lagen stolperst, dann liegt das an Dir selbst. Da wütet was in Dir, da ist viel Traurigkeit, viel Enttäuschung. Die Seele leidet, aber Du beachtest sie nicht. Wäre ja noch schöner!
Aber sie will Heilung, irgendwann. Zeit hat Deine Seele jede Menge, Du nicht. Und daher schickt sie Dich in wiederkehrende Beziehungen, die sich eins zu eins ähneln und immer gleich ähneln. Warum tut sie das? Sie führt Dich immer zu den Partnern hin, die Du brauchst. Du brauchst Partner, die Dich dominieren, Dich letztendlich aber ausbooten und enttäuschen und dann verlassen. Die Seele ist nicht böse, sie tut das Dir zuliebe. Denn sie hofft ein ums andere Mal, dass dieses Mal die Erlösung und die Heilung kommt. Dieser Mann wird mir bleiben, mich nicht enttäuschen, mich nicht verletzen. Ich könnte glücklich werden und dann ist alles gut.

Leider ist der Zwang zur Wiederholung kein Heilmittel, sondern lediglich ein Fingerzeig. Die Seele bettelt Dich förmlich darum. Bitte befasse Dich doch mit mir, mit dem enttäuschten kleinen Mädchen, das immer nur auf den edlen Retter und Ritter hoffte, der klein Schiffchen auf sein Schloss führt und sie lebten glücklich, blablabla ...
Bitte nimm mich doch ernst. Es tut mir weh, dass Du so über mich hinweg gehst, mich nicht ernst nimmst. Ich will glücklich sein, denn es ist mein Wesen, dass ich frei bin und locker und froh! Aber Du lässt mich ja nicht. Du verletzt Dich und damit mich permanent selbst. Du denkst Dir alles schwarz und grau und kannst keine Liebe annehmen, denn Du bist in einer Beziehung und träumst der Enttäuschung von früher hinterher, die längst über alle Berge ist.
Du sorgst überhaupt nicht für mich, Du tust mir nie was Gutes! Wie bitte soll ich da glücklich sein?
Aber vlt. bringt ja dieser Mann das Glück oder der Nächste. Ich gebe nicht auf, Dir zu zeigen, dass es mir hundsmiserabel geht!

Wenn sich Situationen wiederholen, dann liegt das nicht am Mann, sondern an Dir. Du hast vlt. nicht genug hingeschaut oder Dich zu blauäugig auf etwas eingelassen. Du hast an jeden Mann einen Auftrag und der heißt immer gleich:
Bitte liebe Du mich, damit ich mich endlich selbst mal lieben kann und mit mir endlich klar komme und eins werde!
Bitte beweise Du mir endlich, dass ich eine tolle Frau bin und dass ich es wert bin, einen Partner zu haben.
Bitte achte mich und sorge auch für mich, damit es mir gut geht. Denn ich möchte ja auch geachtet werden und mich gut fühlen.

Und was tust Du? Du rennst zum nächsten Luschi und wirfst Dich ihm an den Hals und spulst das selbe Lied vom traurigen Schiffchen ab.
Du benützt den Mann, denn er soll endlich mal das richten, was Du selbst nicht zuwege bringst.

Schiffchen, so geht das nicht! Ich war dieselbe feige und gemeine Nuss, die dem jeweiligen Mann die Verantwortung für mein Glück aufbürdete.
Zeige Du mir, dass ich es wert bin, dass Du bei mir bleibst!
So was spürt der Partner unbewusst und macht sich schrittweise davon. Die Last ist ihm zu viel, dafür will er nicht verantwortlich sein und damit hat er verdammt Recht! Es ist sein Recht, das zu beenden.
Du schiebst die Verantwortung für Dein Glück auf den Mann, der dann gefälligst dafür sorgen soll, damit Du heil und rund wirst.

Die Verantwortung für Dich kann Dir keiner abnehmen, kein einziger. Sie liegt in Deiner Hand und Du kannst sie annehmen und die Herausforderung meistern oder die Verantwortung weiterhin ablehnen. Aber letzteres wird Dir wieder teuer zu stehen kommen.
Es ist Deine Aufgabe, Dich anzunehmen mit allen Ecken und Kanten und mit allem Unvermögen.
Es ist Deine Aufgabe, Dich zu lieben, trotz allem.
Es ist Deine Aufgabe, Dich zu achten.

Wenn Du das mal geschafft hast, wird es Dir besser gehen, viel besser als in diesem Jammertal, in dem Du Dich bevorzugt aufhältst.

Wenn Du Dich selbst lieben kannst, kann Dich auch ein Anderer lieben und annehmen.
Wenn Du Dich selbst achtest, wird Dich das Gegenüber auch achten, denn es merkt, da ist Jemand, der zu sich steht und der es nicht zulässt, dass ich ihm auf der Nase rumtanze.
Wenn Du gut für Dich selbst sorgst, wird auch Dein Partner sich mit Dir wohl fühlen und wird gar nicht erst auf Abwege kommen. Wieso auch? Braucht er doch nicht, denn er fühlt sich ja wohl und das will er doch nicht gefährden.

Da líegt viel Arbeit vor Dir, die Du bisher nicht in Angriff genommen hast, denn die vielen Z's waren wichtiger für Dich.
Tue es künftig und tue es für Dich! Das geht, wenn ich es geschafft habe, schaffst Du das auch.
Du wirst dann auch nicht nur glücklich sein, aber Du wirst Dich wohler mit Dir selbst fühlen und nicht dauernd nach einem Typen hecheln, der Dir endlich das geben soll, was Du Dir selbst nicht zugestehen kannst. Denn Schiffchen, das doofe Schiffchen, das immer alles falsch macht, verdient doch keine Liebe. Und keine Achtung. Und keine Treue.

Du erntest immer das was Du säst. Und kriegst immer das, was Du insgeheim erwartest. Ich wusste es doch, dass auch dieser Typ mich verlässt!

Denk mal darüber nach, wie Du Deinen Acker bestellst. Der braucht Pflege, der braucht Dünger, der will umgegraben werden, damit der Samen auch aufgehen kann. Ansonsten bringt er nur einen mageren Ertrag oder gar keine oder Unkraut hervor.
Du bist Dein Acker, Dein Bauer, der bestellt werden will und zwar von Dir. Kein anderer Bauer kann das für Dich übernehmen, denn es liegt alles an Dir und in Dir.

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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Mo 12. Mär 2018, 11:13

Ich versetze mich gerade in seine Lage. Er hat eine Freundin, das Schiffchen. Schiffchen ist ein wenig träge, nimmt ihre Dinge nicht in Angriff, flüchtet sich stattdessen in imaginäre Welten und ist sehr mit sich uneins. Schiffchen sieht vieles in einem schlechten Licht, vor allem aber es selbst. Denn es strotzt vor Unvermögen, es bringt einfach nichts zu Wege. Und es ist oft so traurig und in sich gekehrt und die Beziehung erdrückt ihn mehr und mehr. Er sieht keine Perspektive mehr und hat Sehnsucht nach einem anderen Leben. Einfach nach Leben, das sich leichter anfühlt, wo alles einfach ist und nicht von dieser Schwermut ertränkt.

Und dann kommt sie, die Andere. Mit ihr kann er endlich mal reden wie mit einem vernünftigen Menschen. Er fühlt vlt. eine innere Gesundheit, er fühlt eine Robustheit, die er beim Schiffchen vermisst.Mit ihr erlebt er eine seelische Übereinstimmung. Sie ist vlt. klug, liegt auf seiner Wellenlänge. Sie ist die Hoffnung, dass es noch ein anderes Leben für ihn gibt, sie ist ein Fingerzeig, eine Orientierung.
Das heißt noch lange nicht, dass da mehr war oder ist, aber sie kann so was wie ein Signal sein, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und die eingefahrene Rolle eines Co-Therapeuten zu verlassen.

Und er erkennt, dass er so nicht mehr weiter machen kann. Er tut Schiffchen ja auch nicht gut, denn Schiffchen ist nach wie vor so was wie ein Patient. Vlt. täte es Schiffchen gut, wenn er nicht mehr da wäre, vlt. würde sie dann wieder lernen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Und er, ja, er will auch wieder mal unbelastet leben, frei sein von seiner Rolle und von der Verantwortung, die er übernommen hat und die ihn mehr und mehr erdrückte.
Und so ging er. Nicht böswillig, nicht etwa im Streit oder in einer konfliktbeladenen Situation. Aber er will einfach diese Art Beziehung nicht mehr.

Ob da mit der anderen tatsächlich was Ernsthaftes war oder ist, geht Dich, Schiffchen einfach nichts mehr an. Es ist seine Sache und er hat ja auch Klartext geredet. Er hat gesagt, dass er hier endlich mal einen Menschen gefunden hat, mit dem er reden kann. Und das Wissen darüber macht Dich keinen Deut glücklicher.
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 09:19
Ich weiß nur nicht was dieses Gespräch im Club sollte und warum sie sich so stark aus dem Weg gegangen sind...
Das ist doch eigentlich egal. Ich gehe Jemandem aus dem Weg, wenn es keinem anderen auffallen soll, dass ich interessiert bin. Oder ich gehe Jemandem aus dem Weg, weil es nur ein Intermezzo war, ein paar Gespräche, die mir gut getan haben, wobei ich an einer Weiterführung des Kontaktes gar nicht so interessiert bin.
Da lugt schon wieder ein Dämon um die Ecke! Ich sehe schon sein hämisches Grinsen, seinen mutwilligen Gesichtsausdruck. Na, bringe ich Schiffchen nicht doch so weit?
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 09:19
Hat jemand einen Tipp dafür oder weiß, was da los ist in mir?
Ich schätze, Dich reitet die Eifersucht. Was soll es denn sonst sein? Ging mir damals auch nicht anders. Ich schrieb ihm böse, wütende Briefe, die ich zum Glück nie abschickte. Nachträglich würde ich mich heute schämen und geholfen hätte es eh nichts, ihn nur noch mehr zur Anderen hingetrieben. Zum Glück habe ich mir diesen Schuh nicht angezogen, sondern habe mich getrollt. Bloß musste ich ihm, einem inneren Zwang gehorchend (der Dämon hat wieder mal ganze Arbeit geleistet), zum Geburtstag gratuliert, der einige Wochen später war.
Ich hatte drei Wochen später Geburtstag und da kam pflichtschuldigst ein Glückwunsch, noch dazu am falschen Tag.
Erst danach habe ich mich nie mehr gemeldet.

Jetzt muss ich Dir noch was sagen. Wer ist denn in diese Beziehung gegangen und hat immer noch ständig an den Ex gedacht? Wer hat ständig darüber nachgedacht, ob man sich nicht doch mal melden könnte? Wer hat seine Gedanken und seine Gefühle wo anders hingewendet?
Das war wohl in Ordnung, oder wie?
Du hast von Deinem jetzigen Ex. oft gesagt, dass Du dankbar für ihn bist. Dankbarkeit ist aber keine Liebe, ist keine richtige Hinwendung zum Anderen. Man weiß, dass man etwas nimmt und ist zu Dank verpflichtet.
Und jetzt, wo er sein Interesse an eine andere Person wandte, drehst Du am Rad.
Kann es sein, dass Du hier mit zweierlei Maß misst?

Und wer ist ehrlicher von Euch beiden? Warst Du ehrlich, als Du noch Deinem Ex. hinterher geschmachtet hast und nicht damit leben konntest, dass er kein Interesse mehr an Dir hatte?
Er, also Dein jetziger Ex., war jedenfalls ehrlich. Und ob da jetzt noch was ist, jemals was war, braucht Dich nicht zu interessieren, denn er hat klare Verhältnisse geschaffen. Du aber bliebst in der Beziehung, obwohl DU oft genug an den vorherigen Ex. gedacht hast.

Keiner ist ohne Schuld und jeder macht viele Fehler und viele davon geschehen ohne schlechte Absicht. Aber man kann zumindest mal darüber nachdenken und sich an der eigenen Nase packen und sich selbst mal zurecht weisen.
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 09:19
Ich möchte ungern 2 1/2 Jahre Beziehung auf ein blödes Ende reduzieren...
Ha, und schon wieder ist der nächste Dämon da! Du willst die Beziehung nicht auf etwas reduzieren? Du siehst da wieder etwas völlig falsch. Die Beziehung war gut für Dich! Die Beziehung war ein weiterer Wegweiser für Dich. Du hast sie gebraucht und Du hattest ja auch schöne Phasen, das hoffe ich zumindest. Also, kein Grund, diese Beziehung zu reduzieren oder jetzt in ein schlechtes Licht zu rücken.
Sie ging zu Ende, weil sie - ich formuliere es jetzt mal salopp - ausgelutscht war. Da war einfach kein Saft mehr drin. Und insofern war es richtig so.
Diese Andere war vlt. nur ein Signal für ihn , der Anstoss, seinem Leben eine andere Richtung zu geben.
Und ihr könnt noch miteinander reden, ja sogar manchmal lachen! Das ist doch mehr, als ich nach dem Ende mehr hatte. Und ihr könnt jetzt lockerer damit umgehen, eben weil ihr keine Beziehung mehr habt. Da fällt jetzt eben viel Last weg und schon kann man befreiter miteinander umgehen.

Dem kleinen Igel in Dir ist das völlig wurscht. Der ist total zufrieden, wenn Du Dich seiner annimmst und ihn umsorgst. Den interessiert Dein Ex. null die Bohne, er will einfach nur gut behandelt werden und glücklich sein. Also kümmere Dich um den süßen kleinen Igel, denn dann kommen auch wieder positivere Gefühle als die, die Du jetzt hast.
Es ist jetzt Deine Pflicht, auf Deinen Igel gut aufzupassen, denn er ist in Deiner Verantwortung! Und wenn Dich wieder Zweifel, böse Gedanken, Eifersucht, Ungewissheit auffressen, denk an das Igelchen, das noch sehr, sehr viel Pflege braucht. Das ist ja schon ganz abgemagert und ganz zaghaft, weil es nie beachtet wurde.

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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Mo 12. Mär 2018, 11:20

Simple things hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 11:05
und nein, ich habe keinen Knall (zumindest sehe ich das so)
Simpelchen hat sicher keinen Knall! Dafür steht Simpelchen zu sehr im Leben!!! :D
Und ein Schuss Esoterik ist auch nie verkehrt.

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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Mo 12. Mär 2018, 17:58

schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 13:27
Ich verstehe jetzt was du meinst mit "ihn benutzt" haben.. dass es eigentlich in den meisten Fällen nur um mich ging, nicht um ihn oder uns...und das ist doch so schlimm und soweit er, von dem was ich wollte und dachte das ich bin..
Diese Erkenntnis überfiel mir erst Monate nach der Trennung, zu einem Zeitpunkt, als er keine Rolle mehr in meinem Leben spielte und ich mich neu sortiert hatte. Ich saß beim Frühstück und auf einmal fällt er mir ein. Ich wunderte mich und fragte mich warum und fand keine Erklärung. Ich spürte ein wenig Traurigkeit über das unrühmliche Ende unseres Kontaktes und fragte mich, wie es ihm wohl ergangen ist. Und dachte mir: geht Dich nichts an und furchtbar interessant fand ich es auch nicht mehr.
Und dann fand etwas Merkwürdiges statt. Ich sah uns beide auf einmal wie ein Zuschauer und beobachtete ihn und mich bei unserem Nähe- und Distanzspiel, das wachsendes Misstrauen und viel Traurigkeit in mir schürte. Es war wie ein trauriges und hoffnungsloses Theaterstück, das schlecht endete.
Und dann machte es "klick" und ich erkannte es. Dass viel von mir verschuldet war, dass auch nicht ganz frei in die Beziehung ging und vor allem wurde mir klar, dass ich ihm die Rolle meines Retters zugewiesen hatte.
Da wurde ich dann sehr traurig und war beschämt. Welch überzogene Hoffnungen ich in ihn gesetzt hatte und wie er dann nach und nach in eine Verweigerungshaltung ging, weil mein unbedingtes Festhalten an ihm ihn mehr und mehr einengte, bis er förmlich keine Luft mehr bekam.
Es war ja egal, was er auffuhr, denn ich ging nicht, sondern hielt eisern an ihm fest. Nur keine eigene Entscheidung treffen, nur keine Konsequenzen ziehen, denn schon morgen könnte es anders sein ...
Ich war selbst gefangen in mir und wollte auch ihn zu einem Gefangenen meiner Wünsche machnen.
Es war erbärmlich, aber irgendwann konnte ich mir verzeihen. Es waren einfach meine inneren Mechanismen, die da griffen und die ich nicht kannte. Und so geschah vieles nicht aus böser Absicht, sondern einfach aus Unvermögen und Defiziten in mir. Was ja bei Dir nicht anders ist.

Heute sage ich: es ist gut, dass er kam, es ist gut, dass er ging, denn er war ein Wegweiser für mich. Das war die Aufgabe, die er in meinem Leben erfüllen sollte und er erfüllte sie gut. Und ich? Vlt. war auch ich ein Wegweiser für ihn.
Irgendwann war eine Fortbildung und er saß mir in dem relativ kleinen Kreis gegenüber, aber einige Meter entfernt. Und da gab es einen Ring an seinem rechten Ringfinger! Mir fielen fast die Augen raus, denn das musste doch ein Ehering sein.
Innerlich lachte ich schon, weil das so urkomisch war. Er, ausgerechnet er, der eiserne Junggeselle, der immer Probleme hatte mit Beziehungen, immer alles kaputt machte, könnte geheiratet haben?
Die, er er damals beim Umzug half, was er mir in der bewussten Mail im Februar geschrieben hatte. Waren ja nur 500 km, da hilft man doch gerne und jederzeit! Da begriff ich damals, was los war.
Ob es nun ein Ehering war oder nicht, war mir dann doch egal. Ich war mittlerweile so weit weg von ihm, dass ich auch keine andere Person mehr nach ihm ausfragte.
Aber vlt. hatte auch ich eine Funktion bei ihm zu erfüllen. Fast glaube ich es.
Und so geht es in Beziehungen eigentlich immer. Es gibt oft kein schuldig und unschuldig, das meiste ist bei näherem Hinsehen oft gleich verteilt. Da mühen sich eben zwei Menschen miteinander ab und es wird einfach nichts, weil die Protagonisten nicht reif dafür sind.

Dein Ex. hätte sich ja auch nicht in die Beziehung mit Dir begeben müssen, denn auch ihm war oder wurde mit der Zeit klar, dass es keine einfache Beziehung werden würde. Vermutlich musste er damals ein Helfersyndrom ausleben und dafür warst Du ein guter Adressat.
Es geschieht ja nichts aus Zufall oder bösem Willen. Jeder sendet Signale aus und die finden halt mal einen Empfänger, der auf der Frequenz unterwegs ist. Wenn sich Deine inneren Wünsche ändern, wenn Du Deine Dämonen entlarvt hast und sie wenigstens hin und wieder in ihren Schrank schicken kannst, dann sendest Du andere Signale aus. Einer mit Helfersyndrom, der sich großartig dabei fühlt, wenn er die Führungsrolle übernehmen kann und auf dem Podest stehen darf, der findet dann nicht mehr zu Dir und umgekehrt.
Du bist nicht allein Schuld an der Misere, aber oftmals erkennt man die Gleichseitigkeit nicht. Und er ist nicht nur der Schuft, der Dich abserviert hat, als ihm seine Therapeutenrolle über war.

Du musst immer das Gesamtpaket ansehen und nicht nur das, was Du angeblich verbrochen hast. Aber oftmals braucht es dafür Abstand, längere Zeit Abstand, weil man vieles erst in der Rückschau erkennen kann. Vorher vernebeln Gefühle die klare Sicht auf die Dynamiken, die damals gewirkt haben.
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 13:27
Aber ich möchte mit dir Zeit verbringen, mit dir lachen, mich austauschen und gerne noch einmal schauen, ob es in einem halben Jahr nochmal etwas wird...
Soso, in einem halben Jahr ist Schiffchen so weit, dass es ein anderer Mensch geworden ist. Und das geht ganz einfach. Zwar umziehen, aber doch noch Kontakt mit ihm haben, ihn als Anlaufstelle benützen, als Ratgeber, nur unter dem Vorzeichen "ein Freund" statt "mein Freund".
Das wird so nicht gehen, denn dann benützt Du ihn weiter. Und vermeidest es wieder, zu Dir zu finden, denn Dein Blick geht ja nach außen.
Und ganz schnell bist Du in der Warte- und Hoffnungsschleife. Hilfe, er hat sich gestern nicht gemeldet, was mache ich nur? Also schickst Du ihm irgendeinen Blödsinn aus Deinem kleinen Leben und dann sitzt Du und wartest. Es vergeht eine Stunde, dann noch eine, dann begreifst Du , dass er nicht auf Abruf bereit steht und wirst grantig, unzufrieden oder jämmerlich. Und alles dreht sich wieder um ihn.
Es wird nur ein Heilmittel geben und das schmeckt nicht gut und tut sogar weh. Es hilft nur Abstand.
Ihr seid getrennt, also kein Kontakt mehr. Keine Hilferufe mehr wegen eines Problems, keinen Anruf mehr, weil man sich gerade so einsam fühlt.
Du wirst, wenn Du es nicht einhältst, selbst erfahren, dass Du niemals von Beziehung auf Freundschaft umschalten kannst. Denn alles wird Dir weh tun und Du wirst immer hoffen, dass er zumindest nicht bald eine neue an Land zieht. Denn solange er noch alleine ist, hat er vlt. noch Interesse an Dir. Hat er Jemanden gefunden, wird sich das ganz schnell ändern und dann hast Du jede Menge Zeit vergeudet und fühlst Dich erneut weggeworfen.
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 13:27
Gleichzeitig hat er ja total klar gemacht, dass es für ihn hier kein zurück mehr gibt.
So was in dieser Deutlichkeit sagt ein Mann nicht zum Spaß. Seine Entscheidung ist gefallen, also akzeptiere das und habe Respekt vor seiner Entscheidung. Es hat auch viel mit Respekt des Anderen zu tun, dass man das hört, was der andere sagt und danach handelt.
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 13:27
Gehe ich also auf Kontaktabstand, um es ihm und mir nicht schwieriger zu machen als es eh schon ist und ihm damit auch einfach erleichternder ermögliche sein Glück zu finden?
Ob er sein Glück findet, das liegt an ihm und dafür bist Du nicht zuständig. Aber wie willst Du denn Dein Glück finden, wenn er nach wie vor präsent ist? Du hast wahrlich genug mit Dir zu tun und es wäre an der Zeit, dass Du Dich mal alleine auf die Hinterbeine stellst, ohne ihn in der Hinterhand.
Er wird sein Glück finden, wenn die Zeit gekommen ist und das wird das Leben entscheiden, aber nicht Du.
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 13:27
aber er bleibt mir einfach sehr wichtig und ich möchte jetzt nicht noch mehr Dinge machen, die ihm oder auch mir weh tun könnten.
Wie Du wieder lügst! Du machst jetzt einen auf best friend girl von nebenan und drängst Dich weiter in sein Leben. Und warum? Weil er Dir wichtig ist? Und warum ist er wichtig? Weil Du ihn gewöhnt bist und weil Du ihn nicht hergeben willst, sondern weiterhin in Deinem Orbit halten willst und da schwingt wieder jede Menge Eigennutz mit! Wenn ich ihn nicht haben kann, soll er auch keine andere haben. Und ich will ab jetzt auch ganz brav sein, denn künftig bin ich die Kumpeline, mit der er Spaß haben kann und lachen kann.
Und wenn er sieht, wie "gesund" ich trotz der Trennung geworden bin, dann wird er ...

Ich fürchte, Du redest Dir da wieder was ein. Etwas was Dir nützt und was Du mit einer guten Sache, nämlich einer "Freundschaft" verkleidest.
Nach eine Trennung muss ein Schlussstrich sein, denn das ist das, was beide weiter bringt. Und wenn die Sache ausgestanden ist, man sein Leben auf die Reihe gebracht hat und sich wirklich "entliebt" hat, dann kann man die Freundschaft immer noch haben.
Wobei, warst Du denn jemals richtig verliebt in ihn? Irgendwie konnte ich das nie richtig erkennen.
schiffchen92 hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 13:27
Ich weiß, dass es jetzt keinen Weg mehr zurück gibt, sondern nur noch nach vorn.
.. und zwar erstmal ohne ihn!

Wenn Du das nicht einhältst, sorgt schon das Leben dafür, keine Sorge! Du kannst nicht davon laufen, denn alles holt Dich wieder ein. Das ist ein Gesetz des Lebens. Es kommt alles zurück, das Gute und das Schlechte.

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Re: Der lange Weg...

Beitrag von Sonnenblume10 » Di 13. Mär 2018, 10:57

Zum Thema Mutter. Da bin ich auch stark geprägt. Ich wollte lieber immer anders sein als sie, die oft unzufrieden war, mit sich und der Welt uneins. Sie war launisch, einen Tag fröhlich und singend (sie hatte eine sehr gute Singstimme, die sie mir leider nicht vererbt hat), den anderen Tag unzufrieden und reizbar.
Daher habe ich so verdammt feine Antennen entwickelt, denn bereits als Kind war ich damit beschäftigt, ihre Stimmung auszuloten und mich danach zu richten.

Erst als ich viel älter war, merkte ich, wie viel ich unbewusst von ihr übernommen habe, mir unbewusst abgeschaut habe. Z.B. mein Beziehungverhalten, wo ich mich auf den Mann einstelle, mich nach ihm richte und sofort darunter leide, wenn er sich distanziert. Mein Vater war für sie schwer erreichbar und ich suchte später auch solche Männer. Nur die, die ich nur schwer "bekommen" konnte, interessierten mich. Wenn mir einer hinterher stiefelte, Gott bewahre, da war ich schnell weg und musste mich in Sicherheit bringen, wie es ein Bindungsvermeider eben tut.

Und dann fand ich im Keller ein Päckchen Briefe, allesamt von meiner Mutter an meinen Vater aus der Zeit vor der Heirat. Wir hatten einen halben Meter Wasser im Keller und beim Aufräumen fand ich dieses völlig durchnässte Päckchen. Ich legte die Briefe in die Sonne und kam nicht umhin, ein paar zu lesen.
Ich saß da und mir liefen die Tränen über die Wangen. Das war ja ich? Um Himmels Willen, diese Briefe hätten von mir sein können! Dieses Ausbreiten des eigenen kleinen Lebens, dieses förmliche Betteln um Aufmerksamkeit, diese Eigenwerbung und dieses vorsichtige Nachfragen nach Kontakt von ihr.
Ich schämte mich in Grund und Boden. Ich, die ich immer so stark und selbstbewusst tat, was war ich denn innerlich? Genau das Gegenteil. Ich war wie sie.
Das hat mich damals echt erschüttert. Aber es passierte genau zu der Zeit, als ich noch mit der Trennung bzw. deren Nachwehen beschäftigt war.
Erst die Trennung, dann mein Streben nach einer Freundschaft mit ihm, das mir permanente Selbstverletzungen zufügte, dann die Erkenntnis, dass er eine Neue hatte, dazu noch Stress in der Arbeit und ich war reif für einen Hörsturz.

Das war in der geballten Ladung zu viel für mich. Das Rumsuchen nach innerer Stärke, die ich nicht fand, Trotz, Wut auf den Ex., auf mich, auf die ganze Welt, Überforderung im Beruf und eine große innere Traurigkeit forderten ihren Tribut. Der Hörsturz beschäftigte mich über Monate. Dann war ich austherapiert, aber nicht geheilt und der Arzt sagte: entweder es wird wieder oder nicht.

Es wurde wieder, ganz allmählich. Symptomatisches Krankheitsbild: ich kann es nicht mehr hören, ich will nichts mehr hören und ich habe zu viel um die Ohren.
Der Körper zeigte mir, wie es meiner Seele ging.

Es war nicht einfach, dass ich mich mit mir aussöhnte, wieder eine Mitte fand. Aber es war tatsächlich so, dass ich ohne es zu merken, irgendwie fündig wurde. Ich lebte weiter, ich dachte ab und zu mal nach, ich durchlebte meine Gefühle und ich tat, was getan werden musste. So wurde ich innerlich wieder ruhiger und gefestigter. Das Leben half mir schon auf die Sprünge.
Und irgendwann merkte ich es. Ich schaute mir die Männer anders an. Eher belustigt, manchmal desinteressiert, manchmal abwertend, aber niemals mehr hätte ich einen glorifizieren können wie meinen Ex. Das war vorbei. Warum, weiß ich nicht. Ich schätze, dass ich einfach gereifter bin und die Träume vom Aschenputtel, das der Prinz auf sein Schloss holte, vergingen von selbst.
Ich fühlte mich anders. Ich wurde selbstbestimmter und selbstbewusster. Viele Ängste, die mich vorher blockierten, wurden weniger. Ich wurde auch unbekümmerter, fragte mich weniger, wie ich auf andere wirkte. Es war mir einfach egal, was sie dachten oder auch nicht dachten. Ich bin ich und das ist in Ordnung so.

Ob ich zurück möchte in meine Traumwelten? Nein, ganz klar nein. Es ginge auch nicht, ich wurde innerlich anders. Ich fühle mich besser mit mir selbst, kann mit mir umgehen, kann mich gut behandeln und dafür sorgen, dass es mir gut geht. Mein kleines Igelchen ist sehr zutraulich geworden und es scheint ihm gut zu gehen. Es schaut fröhlich und rund und zufrieden drein. Die Dämonen und Kobolde spielen derweil im Schrank und sie quälen mich nicht mehr oder jedenfalls weniger. Manchmal dürfen sie raus und rumturnen, aber dann kommen sie wieder weg.
Ich glaube, das Geheimnis ist so was wie ein innerer Dialog. Man schaut die verschiedenen Komponenten des inneren Selbst an und befasst sich damit. Mehr ist es nicht. Mal ist es traurig und beschämend, mal ist es erfreulich.

Ob die Reise zu Ende ist? Nein, das glaube ich nicht. Ich habe viel gelernt, das schon, aber ich bin sicher, dass ich in 10 Jahren wieder anders denke als heute. Nochmals in Deinem Alter? Nein danke! Ich habe viel hinter mir, das reicht jetzt erst Mal.

Und ich weiß, dass man sich selbst nicht dauerhaft und erfolgreich davon laufen kann. Alles holt einen wieder ein, vor allem das, was man erfolgreich verdrängt hat. Nicht erledigen ist keine Lösung.
Das Leben schickt manche Prüfung, aber nicht ohne Grund. Denn wir alle müssen lernen, dazu sind wir auf der Welt. Und das Leben beschenkt einen auch, aber das muss man auch erst mal sehen und würdigen.
Und falsche Entscheidungen korrigiert das Leben auch, wie z.B. die, dass ich meinen Ex. noch als guten Freund behalten wollte. Erst als er wirklich aus meinem Leben verschwunden war, schaffte ich das Loslassen.

Gefühle von Liebe und Freundschaft für einen Mann gehen meist nicht zusammen. Es braucht Abstand, damit das Loslassen gelingt. Das ist meine Meinung und da spreche ich aus Erfahrung. Es tut weh, wenn man den anderen nach einer Trennung sieht und dann an vergangene Zeiten zurückdenkt und an das, was man verloren hat. Es tut weh, wenn man merkt, dass sein Interesse immer mehr erlahmt, während man selbst noch alles von ihm wissen wollen würde und doch nicht erfährt.

Sonnenblume

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