Marsi hat geschrieben:Aber entscheide Dich halt auch mal.
Nicht abwägen, nicht zerdenken. Machen, abwarten und gegensteuern wenn es nichts ist. Du bleibst immer auf einem Fleck weil Du ständig nur abwägst, aber nie eine Entscheidung triffst.
Liebes Schiffchen,
der Punkt, den Marsi da angesprochen hat, find ich überdimensional wichtig! Ich seh da eine große Herausforderung bei dir, Entscheidungen FÜR DICH zu treffen. Wenn man jemanden an seiner Seite hat, gelingt das einfacher - man kann die Entscheidungen gemeinsam treffen, macht seine eigenen von der Entscheidung des Gegenübers abhängig, damit man einen groben Richtwert hat. Damit befreist du dich allerdings vor Verantwortung von dir selbst und wenn die eine Person dann nicht mehr den gemeinsamen Weg mitgeht, stehst du orientierungslos da. Das seh ich als großes Problem, denn es ist DEIN Weg. Triff Entscheidungen und steh dazu - auch wenn sie schief gehen sollten. Das ist dann auch kein Weltuntergang.
Meine berufliche Wahl lief folgendermaßen ab... Nach dem Abi hab ich für mich beschlossen, dass ich keine Lust mehr habe ständig nur zu lernen und dass ich vor allen Dingen mein eigenes Geld verdienen möchte! Ich hatte sehr gute Noten und sogut wie alle meine Freunde haben ein Studium begonnen, auch die, die weit weniger gute Noten hatten. Natürlich stößt man da auf Unverständnis, aber das war mir in dem Fall total egal. Ging ja schließlich um MICH. Dass ich letztendlich im Reisebüro gelandet bin, war eher Zufall. Da bin ich zwischendurch bei einer Infoveranstaltung vom Arbeitsamt oder durch so einen Berufseignungstest drauf gestoßen, das weiß ich nicht mehr. Zumindest hatte ich das nie so geplant. Ich hab dann ein Praktikum im örtlichen Reisebüro gemacht und dort im Anschluss auch nach einer Ausbildungsstelle gefragt. Das krasse war, dass ich das alles im letzten Jahr der schulischen Laufbahn abgespielt hat. Also es war nie schon ewig mein Ziel, in die Reisebranche einzusteigen, nach dem Praktikum wusste ich aber - das gefällt mir, DAS will ich machen! Und da war mir Gehalt und Arbeitszeiten auch erstmal egal, wichtig war, dass es mir Spaß gemacht hat. Eigentlich war der Chef des Büros kein Ausbilder, ich war aber so fokussiert und hartnäckig, dass ihn das wohl so beeindruckt hat, dass er tatsächlich in dem Jahr während ich Abi machte, die Fortbildung zum Ausbilder absolviert hat, damit ich meine Ausbildung in diesem Büro beginnen kann.
Hätte das nicht funktioniert, so bin ich aber überzeugt, dass ich in der nächsten oder übernächsten Stadt die Zusage bekommen hätte. Das Ziel war der Beruf, den ich mir in den Kopf gesetzt hatte, in Kombination mit einer Ausbildungsstätte in meinem näheren Umfeld - von Freunde und Familie wollte ich auf keinen Fall weg. Ziel erreicht!
Die Ausbildung verlief gut, übernehmen konnten sie mich dann leider nicht. Aber... Dann hatte ich direkt im Anschluss meine Festanstellung rund 15 km weiter. Und das nicht, weil mir einfach alles zufliegt, sondern weil das eben das nächste Etappenziel war und ich mich dafür sehr ins Zeug gelegt hab.
Das Büro war dann größer, Umsatz spielte von nun an eine größere Rolle und unter den Kollegen wurden die Ellenbogen ausgefahren. Das war dann nicht mehr meine Welt... Ein freundliches Miteinander ist mir sehr wichtig, einfach ein soziales Arbeitsklima. Hinzu kam die Veränderung hin zum eigenen Haushalt, die langen Arbeitszeiten unter der Woche und die Arbeit am Wochenende standen dann einfach nicht mehr in einem guten Verhältnis zum Spaß am Beruf und dem niedrigen Gehalt. Das Verhalten von meinem damaligen Chef nach dem Tod meines Papas hat dann noch sein übriges dazu getan und so kam es dazu, dass ich nach meiner Ausbildung + zwei Jahren Vollzeitarbeit doch noch ein Studium begonnen habe auf einem völlig anderen Gebiet. All die Faktoren, die mir dafür damals im Weg standen, waren nun aber auch aus der Welt geschafft. Ich hatte Geld angespart, konnte es mir also selbst finanzieren, und ich war auch wieder bereit, mich auf viel Lernstoff einzulassen.
Die Zeit im Reisebüro möchte ich aber auf keinen Fall missen, sie hat mir viele neue Eindrücke geschenkt, mich geprägt und ich hab irrsinnig viele positive Dinge daraus gezogen. Die Arbeit selbst würde mir immer noch Spaß machen und manchmal vermiss ich die Tätigkeit und meine Kunden von damals auch, aber es hat halt irgendwann nicht mehr zu den restlichen Wandlungen in meinem Leben gepasst.
Jetzt bin ich kurz vor dem Ende meines Studiums und das mit der Bereitschaft zu Lernen hat sich wieder extrem gewandelt

Aber es ist ja bald geschafft und ich freu mich so extrem darauf, endlich wieder zu arbeiten!!!
Liebes Schiffchen, das liest sich jetzt glaub ich sehr einfach und unkompliziert... So war es natürlich nicht, denn nichts funktioniert reibungslos oder auf die Art und Weise, dass man zwischendurch keine Zweifel bekommt. Aber die Zweifel gehören dazu, man darf dadurch nur nicht sein Ziel aus den Augen verlieren. Wenn man merkt, dass der eingeschlagene Weg doch nicht bis ans Lebensende so fortgeführt werden mag, dann kann man Dinge auch ändern. Dafür ist es nie zu spät. Man muss sich nur TRAUEN - man muss sich trauen, Entscheidungen zu treffen und zwar mit dem Gedanken "Ja, das ist jetzt MEIN Weg." Man muss aber auch bereit sein, Dinge auf sich zukommen zu lassen - man kann nichts planen.
Ich hab momentan die Sorge, in meinem näheren Umfeld keine Stelle zu bekommen. Aber deshalb stelle ich nicht gleich das komplette Studium in Frage. VOR Studienbeginn haben mir im Übrigen so viele davon abgeraten, der Stellenmarkt in der Branche sei ja gerade sooooo miserabel, ich würde so geringe Chancen auf eine Festanstellung haben. Pffff... War mir egal! Ich hab dazu immer nur gesagt, dass das DAS ist, was ich machen möchte und kein Mensch voraussehen kann, wie es in ein paar Jahren ist. Und siehe da - es gibt im Moment massig freie Stellen, nur der Ort liegt im Ungewissen.
Worauf es meiner Meinung nach ankommt: Du musst BRENNEN für etwas und das auch wirklich WOLLEN, dann weißt du auch, welchen Weg zu gehen hast. Schief gehen kann immer was, davon darf man sich halt nicht abschrecken lassen.
Bei mir hätte das auch niemals aus theoretischen Überlegungen heraus funktioniert. Erst im Zuge von Praktika kann ich persönlich feststellen, ob mir eine Aufgabe liegt und Spaß macht.
Das wichtigste hätt ich dabei fast vergessen... Es waren zu jedem Zeitpunkt MEINE Entscheidungen, unabhängig von der Beziehung zu einem Partner. Ich bin ein sehr ortsverbundener Mensch, was nach sich zieht, dass Wegziehen alleine schon durch mich persönlich keine Option war. Natürlich sind das Faktoren, die einer bestehenden Beziehung zugute kommen, aber wäre das anders gewesen, hätte ich auch meinem Partner zu liebe nicht darauf verzichtet, mich beruflich nach meinen Wünschen zu entfalten. Dass man die Meinung des Partners und auch der Familie einholt, steht für mich persönlich außer Frage. Aber entscheiden musst du letztlich immer für dich selbst.
Vielleicht helfen dir diese Eindrücke ja ein wenig. Hast du dich denn schon fleißig durch verschiedene Gebiete hindurchgeschnuppert oder machst du das Ganze nur von Berufsbeschreibungen abhängig?