Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Es hat zwischen Euch "gefunkt", doch er meldet sich nicht mehr. Es ging aus Deiner Sicht alles in Richtung Beziehung, aber plötzlich distanziert er sich. Dieses Forum ist der richtige Ort, wenn es noch keine "richtig feste Beziehung" war.
Antigone
Beiträge: 68
Registriert: Sa 3. Feb 2018, 20:58
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Antigone » Fr 10. Mai 2019, 13:16

Hi Gwen,

Gwen hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 14:38

Zuletzt habe ich mir meinen Mann angelacht, der perfekt die schlechtesten Eigenschaften von Vater und Mutter verkörperte und recht narzisstische Tendenzen zeigt. Das wurde natürlich nur sehr schleichend klar. Ich bin noch nie so auf dem Boden aufgeschlagen.
ich glaube ich bin noch immer am Haken von so einem Typen. Kannst du mri bitte dazu mehr von deinen Erfahrungen erzählen? Was war das fpr ein Typ?

Liebe Grüße
Anti

Gwen
Beiträge: 946
Registriert: So 4. Dez 2011, 15:03
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Gwen » Fr 10. Mai 2019, 19:34

Danke, Sonnenblume, für Deinen Betrag, der auch wieder neue Aspekte aufzeigt, die mir noch weiter helfen können. Es ist immer wieder ein Geschenk, dass Du hier bleibst und uns an Deinen Gedanken teil haben lässt.

Ich bin draußen, aber über den Berg noch nicht so recht. Das merke ich leider immer wieder. Toxische Geschichten brauchen lange und ich habe ja erst 15 Monate komplette Kontaktsperre nach 8 Jahren. Ich habe vor allem sehr lange im Schmerz daran festgehalten, dass eine Ehe einfach so entsorgt wird. Das war unfassbar und irgendwie so heilig für mich. Auch Sicherheit, weil ich das nie getan hätte. Mein Weg liegt relativ klar vor mir, aber ich muss und will ihn noch Schritt für Schritt gehen. Und ein kleiner Kobold schreit immer noch ab und zu, dass ich mich mal bei ihm melde, wenn ich über den Berg bin :roll: Ich lasse das auf mich zu kommen und bin weiter an meinen Baustellen.


@ Anti
Ich antworte mal bei Dir.
Manchmal muss man einfach springen und sich auf dem Weg nach unten Flügel wachsen lassen.

Ananassi
Beiträge: 125
Registriert: Sa 19. Mai 2012, 17:04
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Ananassi » Sa 11. Mai 2019, 18:56

Liebe Sonnenblume,
vielen Dank für deine tiefen und inspirierenden Worte.
Ich finde es wirklich toll, dass einige Mitglieder, die offenbar ihre Baustellen schon gelöst/gut bearbeitet haben, trotzdem noch im Forum sind um die anderen zu unterstützen.
Sicher lebt ein Forum nur so weiter, trotzdem ist es ein großer Zeit- und Gedankeninvest und sicher nicht selbstverständlich!
Also Danke an dieser Stelle dafür, auch an den Rest! ;)

Liebe Gwen,
ich weiß, dass man sich so ein Thema nicht "reinzwingen" kann.
Ich stelle mir aber schon sehr sehr lange die Frage, wieso ich immer wieder scheitere und das meistens schon in der Anfangsphase.
Da ich mich weder als hässlich oder charakterlich unattraktiv bezeichnen würde (basierend auf Umfeldfeedback ;) ) oder schüchtern oder irgendwas, frage ich mich natürlich schon, woran es und wo mein Fehler liegt.
Sicher ist es möglich, dass der "Richtige" einfach noch nicht dabei war, aber das reicht und befriedigt mich nicht als Erklärung.
Und aus diesem Grund will ich der Sache auf den Grund gehen und vielleicht den Punkt finden den ich ändern kann um auch mal einen Mann kennen zulernen mit dem es etwas nachhaltiger wird als bisher.
Denn bis auf das habe ich ansonsten ein sehr für mich erfülltes Leben.
In diesem Zusammenhang sind also der Denkanstoß in die Kindheit zu blicken und die Buchempfehlung etwas, woran ich vorher noch nie gedacht habe! Bisher gingen meine Gedanken immer in die Richtung was ich an meinem jetzigen Verhalten ändern muss.
Und dahingehend stell ich mich echt so doof an, dass ich eine Gebrauchsanleitung bräuchte, so wie sie mir Bobby gegeben hat.

Was das angeht, lieber Bobby, ist der Stand der Dinge der, dass wir gegen 0 gehen. :(
Von ihm kommt nahezu nichts mehr, was ich sehr schade finde, aber es ist nun mal so.
Ich habe das jetzt auch abgehakt, denn Sonnenblume hat recht, was soll ich auf jemanden hoffen der so gar kein Interesse zeigt?!
Und wie gesagt, rein logisch kann ich mir auch nicht vorstellen, woher das jetzt auf einmal wieder auftauchen soll.
Was, wenn die Dinge die ich suche, weil ich glaube sie zu brauchen, gar nicht das sind, was ich will?

Ananassi
Beiträge: 125
Registriert: Sa 19. Mai 2012, 17:04
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Ananassi » So 12. Mai 2019, 10:38

Nachtrag: heute hab ich iwie ein Tief wegen dem Typen, obwohl ich eigntl gut drauf bin. 🤯
Schon irgendwie komisch oder? Ich meine ich war ja auch (noch) nicht verliebt, aber es war definitiv der attraktivste Mann, den ich jemals kennengelernt habe!
Was, wenn die Dinge die ich suche, weil ich glaube sie zu brauchen, gar nicht das sind, was ich will?

Ananassi
Beiträge: 125
Registriert: Sa 19. Mai 2012, 17:04
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Ananassi » Mi 15. Mai 2019, 08:55

So ihr lieben, vor ein paar tagen habe ich seine nummer gelöscht. Daraufhin erkundigte er sich wies mir geht u ob alles gut ist.
Ich habe ihm gesagt, dass ich mir ein kennenlernen anders vorstelle u es deshalb so in meinen augen nichts wird. Keine reaktion darauf. Schade.

Ich bin euerm rat gefolgt u habe mich in letzter zeit viel mit mir selbst beschäftigt u mein verhalten hinterfragt. So bin ich in richtung emotionale abhängigkeit und selbstwert gekommen. Deshalb habe ich mich auch letztendlich dafür entschieden ihm zu sagen, dass das so für mich nicht funktioniert.
Was mich allerdings irritiert ist, dass ich mich nur so unsicher und ‚abhängig‘ in bezug auf beziehungen / männer kennenlernen anstelle. In allen anderen lebensbereichen bin ich überhaupt nicht unsicher. Denkt ihr so eine differenzierung ist möglich?
Was, wenn die Dinge die ich suche, weil ich glaube sie zu brauchen, gar nicht das sind, was ich will?

Sonnenblume10
Beiträge: 2936
Registriert: Mi 6. Jun 2012, 12:16
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Sonnenblume10 » Mi 15. Mai 2019, 16:37

Ananassi hat geschrieben:
Mi 15. Mai 2019, 08:55
Was mich allerdings irritiert ist, dass ich mich nur so unsicher und ‚abhängig‘ in bezug auf beziehungen / männer kennenlernen anstelle. In allen anderen lebensbereichen bin ich überhaupt nicht unsicher. Denkt ihr so eine differenzierung ist möglich?
Ja, das ist gar nicht so selten der Fall, denn es ist eine andere Ebene. Es gibt viele Menschen, die im Beruf ihren Mann/ihre Frau sind, selbstbewusst durchs Leben gehen, auf der Beziehungsebene aber ganz anders sind. Ich glaube, es sind vor allem emotional instabile Menschen, die hier Gefahr laufen, dass sie je nach Ebene unterschiedlich vorgehen.
In Beziehungen geht es um Dinge, die uns sehr tief berühren und da spielen dann auch die Defizite und Prägungen, die man mitbekommen hat eine weitaus größere Rolle. Hier geht es um eine Ebene, auf der wir sehr verletzlich sind, die uns wirklich tangiert.
Von daher ist es gar nicht so selten, dass manche Menschen fast in einer Art Paralleluniversum leben. Hier der Alltag, die Freundschaften, Bekannten, Hobbies, Haus, Haushalt usw. und dort die Beziehung, wo dann andere Gesetzmäßigkeiten gelten und zum Tragen kommen.

Hätte mir vor Jahren jemand gesagt, dass ich in eine Beziehung mit emotionaler Abhängigkeit gerate, hätte ich das weit von mir gewiesen und es hätte mir auch niemand geglaubt. Nein, das kann nicht sein, die Frau weiß doch was sie will. Von wegen! Es war wie abgespaltet und manchmal frage ich mich, welches Ich denn nun eigentlich authentisch ist. Vermutlich das, was in Beziehungsdingen klein beigibt, sich unterordnet, sich zu viel gefallen lässt und keinen Mut hat, weil Verlassensängste wirken und blockierend wirken. Es war erschütternd, das im Rückblick zu sehen. Ich, die tüchtige Sonnenblume, die im Beruf Entscheidungen tritt, Leute einstellt, Zeugnisse schreibt, Etatverantwortung hat und damit auch keine Probleme, war in der Beziehung so klein und bedürftig.

An Deiner Männerwahl bist Du immer selbst "schuld", wobei hier von Schuld zu sprechen, schon zu hart ist. Jeder sendet Signale aus und empfängt auch welche. Du lernst jemand kennen, man ist sich sympathisch, man ist interessiert, es geht mal was zusammen. Innerhalb kurzer Zeit "weiß" bzw. wittert auf der unterbewussten Ebene, was für einen Menschen er gegenüber sitzen hat. Er sieht eine Frau, die auf den ersten Blick vlt. ganz tough wirkt, aber er nimmt auch die Frau darunter wahr, ohne dass er es merkt. Er fühlt, da ist Jemand, den kann ich mir mal anschauen, aber bei Nichtgefallen ziehe ich mich zurück. So weit normal, nur dass die zwei ja schon vorher eine innere Entscheidung getroffen haben, Du hast z.B. entschieden, dass z.B. Robert interessant ist, Stefan aber völlig reizlos und uninteressant wirkt.
Warum ist Robert interessant? Er strahlt etwas aus, auf das Du fliegst. Stefan wäre objektiv betrachtet vlt. die bessere Wahl, aber er fällt durch Dein Raster.
Du bist ohne es zu merken ein Opfer Deiner inneren Mechanismen. Und so flog ich damals mit wehenden Fahnen auf meinen Bindungsphobiker, der genau das verkörperte, was auf mich interessant wirkte. Und da er nach außen so gut wirkte, war ich innerhalb kurzer Zeit davon überzeugt, dass ich jetzt Mr. X, den einzig richten und passenden, gefunden habe.
Mr. X war eine Mogelpackung, aber das war auf den ersten Blick nicht erkennbar. Aber mein Unterbewusstsein hat das nicht erkannt, sondern flog auf einen Menschen, der ganz ähnliche Muster hatte wie ich, diese aber anders auslebte.

Hätte ich jemals früher über mich nachgedacht, hätte ich bemerkt, dass sich Muster wiederholten. Stefan macht Avancen und ich merke, er ist interessiert und strebt eine Beziehung an. Schon war er unten durch, weil Interesse langweilig ist. Robert aber wirkt geheimnisvoll,so undurchschaubar und gleichzeitig so sanftmütig und sprach damit genau mein inneres Muster an. Sofort war ich interessiert, ja gefangen von ihm. Das beruhte keineswegs auf Gleichseitigkeit, wie ich später erfuhr. Er fand mich sympathisch, mehr nicht. Aber ich checkte im Internet, was immer ich über ihn fand und es entstand ein inneres Bild von ihm. Und dann gingen wir auf meine Initiative mal miteinander aus und sein Interesse wuchs, aber er wusste nicht, ob er eigentlich eine Beziehung wollte. Ich merkte das und arbeitete darauf hin. Und es gelang mir auch. Toll, ich hatte ihn sozusagen "überzeugt", dass ich doch eine tolle Frau sei und überhaupt. Und außerdem war es eine Fernbeziehung und so konnte die Einengung, die er befürchtete, doch gar nicht so groß sein.
Ich war zur Jägerin geworden, weil ich merkte, dass ich ihn jagen konnte und musste, wenn ich ihn wollte. Bei Stefan hätte ich nicht jagen müssen und daher war er unterinteressant.

Das war eines meiner Muster. Klassisch für Bindungsvermeider. Jage da, wo Du erfolglos bist und wirf Dich Männern vor die Füße, die Dich nicht wollen, zumindest aber zweifelnd sind. Und dann suchst Du genau da Resonanz und Erfüllung, wo sie nicht zu finden sind. Der Grund sind die Bindungsängste, die im Unterbewusstsein wirken und Dich zu Männern hinführen, die gar nicht bindungsfähig oder bindungswillig sind. Das kann vordergründig ganz anders aussehen. Dann sind die Bindungsängste maskiert und verstecken sich hinter einem Bindungswunsch. Der ist zwar da, kann aber nicht gelebt werden, weil der Adressat bzw. gewählter Partner nicht kompatibel ist.
Du lebst auf der bewussten Ebene etwas anderes aus, was gegen die Gesetze Deines Unterbewusstseins ist. Und das Unterbewusstsein weiß, dass Beziehungen, vor allem enge, gefährlich sind und sowieso nicht halten.
Schau deine Kindheit an. Frühe Trennungserfahrungen wie z.B. Trennung der Eltern können hier ein Auslöser sein. Oder aber wie bei mir das Bindungsmuster, was mir meine Eltern vorgelebt haben und was ich unbewusst übernommen habe. Als Frau arbeitet man sich am Partner ab, aber der Partner also mein Vater lebt sein Ding und ist relativ unbeeindruckt und oft nicht anwesend. Er entzieht sich, indem er sich in seine Arbeit verkrümelt, noch einen Nebenjob annimmt (wer könnte gegen Fleiß und mehr Geld auch was sagen?) und noch ein Ehrenamt oder auch zwei. Und schon ist er mehr weg als da. In Dir als kleines Mädchen manifestiert sich eine innere Sehnsucht. Papi muss sich doch auch für mich interessieren, aber ...
Und genau solche Männer suchte ich mir aus. Sie waren wie mein Vater, stellten mich letztendlich auch mal kalt und ich lebte die Sehnsucht nach, die ich seit Kindesbeinen kenne.

Wo ist die Lösung? Es gibt keine, denn kein Mann dieser Erde kann diese Wunde heilen. Du musst damit leben und kannst das Beste daraus machen. Z.B. indem Du den Fokus auf andere Qualitäten legst, die z.B. Stefan hat.

Was ich Dir sagen will. Du gerätst an Männer, die Deinem inneren Programm entsprechen, die also Adressat für Dich sind. Und Du gerätst an die, die genau passend für Dich sind. Warum? Weil sie Deinen Mechanismen und inneren Haltungen entsprechen, die Du aber vermutlich nicht kennst, die aber in Deinem Unterbewusstsein angelegt sind. Z.B. durch Erfahrungen oft schon im Kindesalter.
Du hast nicht Pech, Dein Unterbewusstsein führt Dich dort hin. Warum weiß ich nicht, vlt. sind auch Bindungsängste dahinter. Du lebst vordergründig mit dem Wunsch nach Beziehung, suchst Dir unabsichtlich aber immer Männer, die dafür nicht in Frage kommen.
Das ist der passive Bindungsvermeider, der dann in einer Beziehung oftmals sehr leidet unter den Distanzmanövern des Partners.
Du leidest, bist traurig, weinst, klagst, beschwerst Dich, Dein Unterbewusstsein aber lehnt sich entspannt zurück: Kein Problem, es gibt gar keine Beziehung, die eine Bedrohung darstellen würde.

Einfacher der aktive Bindungsvermeider. Der geht den direkten Weg. Wenn er merkt, hoppla, da ist Interesse, flieht er. Er kann sich auf eine Beziehung einlassen, die aber niemals eine ganze Sache wird.
Und Bindungsphobiker können je nach Partner ihr Programm anpassen. Je nach Gegenüber sind sie mal aktiv boykottierend oder passiv leidend und ertragend. Juchu, der Mensch ist doch ein Wunder! Bloß glücklich wird er damit nicht.

Schau mal Dein Leben an und fühle Dich auch zurück. Vlt. findest Du prägende Situationen. Eine Kinderseele ist sehr verletzlich und kriegt so manches ab und manches wirkt so belastend, dass es fortwirkt ohne dass man es merkt.
Eine Reise zu sich selbst ist nie verkehrt.

Sonnenblume

Ananassi
Beiträge: 125
Registriert: Sa 19. Mai 2012, 17:04
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Ananassi » Mi 15. Mai 2019, 22:46

Liebe 🌻

wow! Danke, dass du dir diese Zeit nimmst um mir zu helfen u diesen Text zu verfassen! Ich bin sehr geflasht!

Erstmal beruhigt es mich etwas, dass diese Differenzierung nicht ungewöhnlich ist.
Ich bin deshalb darauf gekommen, weil ich ein paar Texte weiter vorne im Thread meinte, sehr selbstbewusst zu sein. Daraufhin sagte Gwen, dass ich das wohl nicht wäre, wenn ich das Gefühl hätte ‚nicht zu genügen‘.
Tatsächlich hatte sie nicht unrecht, aber eben auch nicht recht. In allen Lebensbereichen fühle ich mich wohl u kann sicher auftreten, nur dieses eine Thema vermag ich nicht zu wuppen.

Dann hast du mir ein großes Stück weitergeholfen etwas zu verstehen, nämlich in deinem letzten Absatz.
In den Büchern u Artikeln wird immer von Bindungsvermeidern gesprochen u ich habe mich immer nicht angesprochen gefühlt bzw mich gefragt wieso solche Begriffe im gleichen Atemzug mit bspw emotionaler Abhängigkeit genannt werden.
Denn ich möchte ja gerne jmd kennenlernen, mich verlieben u auch zum ersten Mal etwas nachhaltiges aufbauen, wo ich einfach ich sein kann. Mich fallen zu lassen ohne das sich der andere einfach nicht mehr meldet, fremd geht oder was weiß ich. Wenn ich das nicht wöllte, wieso jage ich dann?!
Aber dann hast du die Sache mit dem Unterbewusstsein angesprochen und dem passiven Bindungsvermeider u ich habe mich so sehr wiedererkannt!
Das hilft mir nun auch die anderen Inhalte besser zu durchblicken.

Was mir dennoch sehr schwer fällt ist die Analyse der Kindheit. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, das ist klar. Aber zu ergründen wo das ‚Leid‘ seinen Ursprung hat, ist gar nicht so leicht. Wahrscheinlich ist es auch eine Interpretationssache oder der Mix aus verschiedenen Erlebnissen.

Ich fühle mich gerade so, als ob ich nicht von der Ursache zu Oberfläche arbeite, sondern umgekehrt.
Aber ich glaube, dass er trotzdem sehr wichtig ist es herauszufinden, denn diese ganzen Erkenntnisse sind wie Puzzleteile u nur wenn ich alle Puzzle zusammenhabe, ergibt sich ein Bild mit dem ich arbeiten kann.

Egal welches Bild es am Ende ergibt, ich bin sicher es ist nicht einfach sich für den guten Stefan zu entscheiden, wenn Robert einen so sehr anzieht. Gerade wenn man optisch so getriggert ist wie ich (ohne, dass das hochnäsig klingen soll). ‚Meine Männer‘ sind optisch immer vom gleichen Typ u komischerweise fühl ich mich auch optisch nur von diesem angezogen.
Was, wenn die Dinge die ich suche, weil ich glaube sie zu brauchen, gar nicht das sind, was ich will?

Sonnenblume10
Beiträge: 2936
Registriert: Mi 6. Jun 2012, 12:16
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Sonnenblume10 » Fr 17. Mai 2019, 10:46

Ananassi hat geschrieben:
Mi 15. Mai 2019, 22:46
Gerade wenn man optisch so getriggert ist wie ich (ohne, dass das hochnäsig klingen soll). ‚Meine Männer‘ sind optisch immer vom gleichen Typ u komischerweise fühl ich mich auch optisch nur von diesem angezogen.
Das kommt auch aus dem Unterbewusstsein. Vermutlich ist eine Verknüpfung angelegt. Du siehst einen Mann, der otisch (denn anfangs ist es ja noch nicht mehr) Deinem Beuteschema entspricht und ich könnte mir vorstellen, dass Du dann sofort bestimmte Eigenschaften mit ihm in Verbindung bringst. Du springst auf ihn an.
Ging mir bei meinem Bindungsphobiker auch so. Er kam, sah und siegte. Er tat nichts dazu, er grüßte nur und ich war irgendwie perplex und dachte mir, dass es so einen Mann in meiner Branche normalerweise nicht gibt. Zumindest hatte ich noch keinen gesehen, der vergleichbar gewesen wäre. Und sofort fing ich beim unverbindlichen (dienstlichen) Kennenlernen an, ihm bestimmte Eigenschaften zuzuweisen. Er war intelligent (das stimmte sogar auf lange Sicht), er wirkte so sanftmütig, aber dennoch selbstbewusst (beides stimmte nicht!), man konnte gut mit ihm reden (ja, wenn man sich auf der sachlichen Ebene bewegte. Auf der emotionalen Ebene konnte man nicht gut mit ihm reden), er wirkte irgendwie, als ob er fair wäre (nein, war er nicht!).

Er war ein Wolf im Schafspelz, aber ich projetzierte bestimmte Eigenschaften in ihn hinein, weil er mir optisch gefiel. Es war reine Einbildung und ich zimmerte mir ein (idealisiertes) Bild von ihm zurecht, das der Realität gar nicht standhalten konnte. Es war schlichtweg ein deutliches Signal einer Mangelerscheinung bei mir, die mich dazu triebe, Dinge zu sehen, die ich mir einbildete.

Er war egoistisch, auf sich fixiert und sah sich wohl eher als Mittelpunkt seines persönlichen Universums. Andere Menschen kreisten in größeren oder näheren Umlaufbahnen um ihn und wer ihm zu nahe komm, der bezahlte dafür. Er hatte viele Bekannte und auch Freunde und da funktionierte er prächtig. Er war hilfsbereit, nett, harmoniebedacht, denn er profitierte auch davon. Freunde verbrachten Zeit mit ihm, weil der Kontakt letztendlich doch unverbindlich blieb. Engere Beziehungen waren eine Katastrophe. Da zog er alle Register, um den Menschen immer wieder in die Distanz zu schicken. Half ihm aber nichts, denn die doofe Sonnenblume hielt zu ihm und hielt eisern an ihm fest, egal, was er sich auch erlaubte.
Und das ist emotionale Abhängigkeit und die Unfähigkeit, die Realität anzuerkennen und im Interesse des Selbstschutzes zu handeln. Ich war orientierungs- und hilflos geworden, hatte viele negative Gedanken und Gefühle und ging trotzdem nicht, weil ich es nicht schaffte. Innerhalb kurzer Zeit hatte er es geschafft, mich in seine Abhängigkeit zu bringen. Es ist schlecht zu beschreiben, wenn man nicht drinsteckt.

Dass ich das mit mir machen ließ, hatte sicher mit frühkindlichen Defiziten zu tun. Ich hatte es nicht gelernt, mich mental abzugrenzen, sondern nahm alles auf wie ein Schwamm. Ich hatte nicht gelernt, auf mich zu achten und mich zu schätzen. Wer ein gesundes Selbstwertgefühl hat, gerät niemals in Abhängigkeit, die einen handlungsunfähig macht und einen in eine abwartende und hoffende und alles hinnehmende Position bringt.
Dieser Typ hatte es geschafft, mir meine wahren Seiten zu zeigen. Mit dem Selbstbewusstsein war es nicht weit her, denn es beschränkte sich auf den Beruf und die Familie u. ä., aber nicht auf die Beziehung. Und er schaffte es, Reste meines Selbstgefühls zu unterminieren. Sein Mittel: Nähe und Distanz im Wechsel.
Gerade so viel Nähe, dass man bei der Stange bleibt und wenn man sich dann treudoof in Sicherheit wähnte, dann kam der Schuss vor den Bug. Er tat das nicht aus böser Absicht, denn bösartig war er nicht, wenn auch rücksichtslos, aber was hilft einem das? Es ist ja doch so wie es ist und wird nicht besser. Aber keine Sorge, ich blieb dennoch.
Begab mich in Träume, die Wirklichkeit werden würden. Eines Tages, da wird er ... und dann werden wir ... Ich muss nur warten können, ihn verstehen, ihn akzeptieren, denn Zeit und Treue bringen seine Heilung und ich werde belohnt. Ich wurde letztendlich auch belohnt, aber auf ganz andere Art und Weise als ich gedacht hatte.
Er konnte ja auch wieder sehr lieb sein, zärtlich und liebevoll. Wer relativ wenig solcher Momente kriegt, der stilisiert diese zu etwas sehr Wertvollem. Ein ganz normaler Mechanismus. Entziehe Jemandem etwas und er schätzt das Wenige was er noch hat und kriegt. Hier, Du darfst mal am Bonbon lecken! Aber essen tue ich ihn. Dann freut man sich schon über darüber, das man eine Kostprobe von dem kriegt, was sein könnte.

Gestern sah ich in der Stadt doch glatt einen laufen, der auf die Ferne eine gewisse Ähnlichkeit hatte. Sofort merkte ich, dass ich schon wieder interessiert hinschaute und merkte, dass meine Gleichmütigkeit leicht ins Wanken kam. Immer noch! Macht nichts, er war es nicht, was klar war, denn er lebt ja wo anders, aber es zeigt mir doch, dass ich auf einen gewissen Typ Mann anspringe. Die lerne ich aber eh nicht kennen und selbst wenn, würde ich mir so ein Exemplar mit größter Vorsicht anschauen. Außerdem habe ich jetzt einen Stefan zu Hause. Der sieht zwar nicht so aus wie er, ist aber viel netter und beständiger und vor allem ZUVERLÄSSIG! Keiner von der Sorte, wo man nie sicher ist, ob Worte auch Handeln nach sich ziehen und ob er kommt oder doch nicht und wenn ja, zu spät.
Und damit lebt es sich entschieden streßfreier.

Du bist da auch gefährdet und siehst die Realität vielleicht zu wenig. Ein Mann ist nur ein Mann und nicht mehr, egal wie er ausschaut. Es gibt gute und schlechte, wobei die guten und brauchbaren Exemplare oft nicht so gut aussehen. Die sehr gut aussehenden wissen das auch und machen sich das zu Nütze.

Warum konnte ich mich nicht schützen? Wie gesagt, ich hatte es nicht richtig gelernt. Meine Mutter dressierte mich und vermittelte mir die Botschaft, sei so wie ich Dich haben will und Du wirst geliebt. Dann gab es Lob, Anerkennung, Freude, aber in aller Regel eben nicht ohne Gegenleistung. Gute Noten in der Schule waren ein hervorragendes Mittel, um sich das zu sichern.
Als ich klein war, litt ich oft unter ihrer Launenhaftigkeit. Sie war mal so und mal so und keiner wusste, was der Tag bringen würde. Da ich das alles abbekam, entwickelte ich sehr feine Antennen und merkte sofort, ob sie fröhlich war oder unzufrieden, was sich meist noch steigerte. Und das wiederum ist die mangelnde Abgrenzung, die ich später in Beziehungen nachlebte. Ich spürte und witterte alles, das sagte mir auch mein Bindungsphobiker. Ich nahm alles wahr, jede Stimmung, die er hatte und stellte mich darauf ein. Ich tat das, was ich immer getan hatte, schon als kleines Mädchen. D.h. ich konnte mich nicht richtig abgrenzen und schützen. Dafür war ich zu kleinmütig und ängstlich. Bestimmtes Auftreten lag mir nicht, denn da dominierte die Angst. Konsequenzen zu ziehen lag mir noch weniger. Lieber leiden als lösen, das erschien mir als die bessere Alternative.

Natürlich wirkt sich auch der Vater aus. Der war so was wie der ruhende Pol, aber dennoch blieb er mir irgendwie immer fern. Ich liebte ihn abgöttisch, ich liebe ihn heute noch, aber in meiner Kindheit war er immer irgendwie geheimnisumwittert und schlecht erreichbar.
Und genau auf solche Männer flog ich später. Diejenigen, die man nicht so leicht durchschaute, die etwas an sich hatten, was in mir den Reflex bewirkte, die Mauer zu durchbrechen. Was man nicht alles tut, was man bereits in der Kindheit gelernt und versucht hatte!
Diese Dinge und vlt. noch ein paar andere bewirkten schließlich, dass ich war wie ich war. Heute sehe ich mich ein wenig anders, denn ich habe meine Lektion gelernt. Die alten Pfade verlassen, die mir doch nie Glück gebracht hatten.

Die Roberts interessieren mich nicht mehr, ich brauche sie auch nicht mehr. Was hilft mir ein schillerndes und attraktives Exemplar, wenn dahinter sonst nicht viel ist? Und die Roberts wollen auch nichts mehr von mir. Die merken sehr schnell, dass ich kein Adressat mehr für ihre Spielchen wie Egopushing bin und bleiben fern.

Es ist eine Frage der Signale die Du aussendest. Du ziehst die Roberts an, die Dich dann doch nur links liegen lassen. Und die Stefans haben keine Chance, weil sie gleich unten durch fallen und gar keine Chance haben, dass Du sie näher anschaust. Du küsst den Prinzen und es ist ein Frosch dahinter. Du küsst den Frosch und er kann zum Prinzen werden. Manchmal bleibt er auch ein Frosch.

Eigentlich ist alles ganz einfach. Deine Signale finden Resonanz bei einem bestimmten Typ Mann und seine werden von Deinen Antennen aufgenommen. Es könnte was draus werden, da aber beide in ihren unbewussten Mustern feststecken, entwickelt sich nichts. Es sind zwei Lahme, die zusammen auch nicht gehen können.
Du müsstest Dein inneres Programm ändern. Es erkennen und es annehmen wie es ist. Dann kannst Du aber auch besser damit umgehen und bist weniger gefährdet, weil Du die Dinge realistisch einordnest. Aber das ist ein langer Weg, den Du allein gehen musst. Da kann Dir keiner helfen.
Wenn sich Dein inneres Programm verändert hat und da reichen oft schon kleine Schritte, denn eine komplette Neuaufsetzung wie eine Version 2.0 gibt es nicht, sendest Du auch andere Signale aus. Und diese werden dann auch von anderen Menschen wahrgenommen. Kann gut sein, dass die untauglichen Roberts dann auf einmal uninteressant sind.

Es hiflt nur so was wie Bewusstwerdung. Warum verhalte ich mich so und nicht anders? Warum sitze ich daheim und warte, dass ein Typ sich meldet? Ich habe doch genug andere Dinge zu tun! Vielleicht doch nicht? Warum warte ich überhaupt? Weil ich Erwartungen habe. Welche und warum habe ich die? Erwartungen beruhen oft auf Mangel und stellen einem oft ein Bein. Und einen Mangel kann auch kein Mann ausfüllen.

Sonnenblume

Sonnenblume10
Beiträge: 2936
Registriert: Mi 6. Jun 2012, 12:16
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Sonnenblume10 » Fr 17. Mai 2019, 10:53

Übrigens ich schreibe hier von mir. Nicht alles, was da steht, muss auch auf Dich zutreffen! Also brauchst Du Dich nicht zu rechtfertigen oder Dich angegriffen fühlen. Es sind nur Denkanstösse, sich selbst zu hinterfragen.

Sonnenblume

Gwen
Beiträge: 946
Registriert: So 4. Dez 2011, 15:03
Geschlecht:

Re: Langsames Kennenlernen oder kein Interesse?

Beitrag von Gwen » Fr 17. Mai 2019, 23:50

Zitat von mitsubi aus einem anderen Forum:

"Zum einen ist es sehr klassisch, dass man gerade im Bereich der romantischen Beziehung an seine Grenzen kommt. In dieser Art der Beziehung sind wir am verletzlichsten, weshalb wir selbst dort oft anders agieren und reagieren als im sonstigen Umfeld. Wie oft wir hier lesen, dass die emotional abhängigen Frauen beruflich und sonst ja ach so selbstbewusst seien.
Nee, sind sie nicht. Dort sind die Schutzstrategien nur wirksamer, weil man dort auch weniger verletzbar ist.
Wie groß sie Sehnsucht nach Liebe und wie gut oder schlecht es um den Selbstwert bestellt ist, sieht man im partnerschaftlichen Geflecht am besten. Dort sitzt unsere Achillesferse, ob wir das wollen oder nicht."
Die Quelle kann gerne benannt werden.

So ist es mir schon auch beruflich ergangen. Ich weiß, dass ich einen sicheren Auftritt habe, aber durch meine Wechsel war mir selbst DA auch nicht mehr immer gut zu Mute, innerlich. Vielleicht ist das nicht so fühlbar, wenn man an seinem angestammten Platz bleibt.

Ich hatte heute ein tolles Erlebnis mit einem Robert. (Redakteur, Haus, Hund) Schreibt in einem anderen Trennungsforum mit mir sehr empathisch. Er hat ja verstanden , wo die Fehler in seiner ExBeziehung liegen und blabla. Mir waren das sowieso zu schnelle Erkenntnisse. Wir waren bei Vermeidern usw. Dann Chat, er sehr dominant und ruppig. Da kam ich schon sehr ins Denken, aber vordergründig begradigt. Dann Telefon, zunächst ok und er geht irgendwann auf Honig, den er wo ablecken will. Und irgendwie ging es auch immer mal darum, Frauen zu fesseln. Tjo, ich habe mich sachlich verhalten und er sich auf irgendwann verabschiedet. Das war jetzt die Superkurzform von dem, was vielfach abläuft. Und der Typ ist fast 70! Und ich schwöre, früher wäre ich bei so einem Vogel noch hinterher gesprungen, von wegen es war bestimmt ein Missverständnis. Nö, war es nicht.
Ich merke, ich stehe die ganze Zeit in Hab-Acht-Stellung, aber es ist ja auch richtig so.

Wo ist Stefan?

Wenn man bei sich bleibt, hat man solche Figuren schnell abgeschossen. Keine Träume entwickeln!

Hat jetzt vordergründig nicht so viel mit Dir zu tun, Ananas, aber man weiß eben nie, was die Figuren im Schilde führen. Und wer nicht so schnell an seine Ziele kommt, geht dann wohl eben auch.

Und nee, von einer gleichen Optik kann ich nichts vermelden, außer dass ich Männer unter 180 cm nun nicht so aufregend finde. Optische Reize nutzen sich sehr schnell ab, innere Schönheit bleibt.
Manchmal muss man einfach springen und sich auf dem Weg nach unten Flügel wachsen lassen.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste