Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Es hat zwischen Euch "gefunkt", doch er meldet sich nicht mehr. Es ging aus Deiner Sicht alles in Richtung Beziehung, aber plötzlich distanziert er sich. Dieses Forum ist der richtige Ort, wenn es noch keine "richtig feste Beziehung" war.
Antigone
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Antigone » Mo 7. Jan 2019, 19:44

Liebe Sonnenblume,
Danke dass du dir die Mühe gemacht hast, auch dieses selbstmitleidige Post von mir zu lesen und so hilfreich zu antworten.

Du hast Recht: meiner gequälten Seele fehlt etwas. Es ist sicher etwas Wesentliches. Und das werde ich nur in mir selbst finden. Ich werde mich gezielt auf die Suche machen. Und lernen demütiger zu sein. Ich bin wirklich auf die Butterseite des Lebens gefallen und dennoch lasse ich mich von einem Mann der mich nicht will zum Alkohol und ins Selbstmitleid treiben.
Nein, keine Sorge, ich trinke nicht. Aber manchmal wenn ich an ihn denke, dann bin ich so traurig, dass mir nur eine Flasche Wein als Ablenkung hilft. Ich hoffe, das hört bald auf.

Eine Frau wie dich, liebe Sonnenblume, hätte ich gerne als Freundin. Du bist so großmütig und ehrlich, du nimmst mich Ernst und investierst Zeit in eine Frau, die du nicht mal kennst und dir wahrscheinlich niemals etwas zurück geben wird. Dafür danke ich dir von Herzen. Es hilft mir sehr.
Und wenn es sowas wie Karma gibt, dann wirst du vielleicht für deinen sozialen Dienst an Unbekannten hier im Forum , doch in irgendeiner Weise belohnt werden.

Vielen Dank und viele Grüße
Deine Antigone

Sonnenblume10
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Sonnenblume10 » Di 8. Jan 2019, 13:19

Antigone hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 19:44
Ich bin wirklich auf die Butterseite des Lebens gefallen und dennoch lasse ich mich von einem Mann der mich nicht will zum Alkohol und ins Selbstmitleid treiben.
Allein, wenn Du Dir das öfters bewusst machst, ist es schon hilfreich. Dankbarkeit für das, was man hat und die Brotseite ist alles in allem betrachtet dick mit Butter beschmiert vergisst man leider oft. Denn es ist doch alles selbstverständlich und man verlegt sich dann auf die Dinge, die nicht so berauschend sind. Dankbarkeit wiederum hat mit Demut zu tun. Etwas was ja völlig aus der Mode ist und den meisten Menschen (mir inklusive) entweder völlig unbekannt ist oder als unwichtig angesehen wird. Denn schließlich haben wir doch unser Leben in der Hand!
Ja, wir sind durchaus für uns verantwortlich und das heißt auch, die Lebensspanne so zu gestalten, dass man Positives daraus ziehen kann. Das ist der Teil der Selbstverantwortung.
Wir können dem alten Mann im Bus einen Sitzplatz anbieten oder ihn stehen lassen und uns denken, was interessierst Du mich? Hauptsache, ich sitze. Das ist die eigene Wahl und die können wir in vielen Bereichen tagtäglich wählen. Ich kann meinen Kollegen anschnauzen oder aber freundlich anlächeln und ihm ein nettes Wort schenken.

Und dann gibt es noch die Dinge, die in unser Leben kommen, obwohl wir sie überhaupt nicht wollen. Todesfälle, Krankheitsfälle, Unfälle usw. Das sind Dinge, die uns auferlegt werden und die wir akzeptieren müssen. Da haben wir aber durchaus auch eine Wahl, wie wir damit umgehen.
Und genauso ist es mit Liebeskummer. Der kommt, weil der Partner geht oder gar nicht erst kommt, obwohl wir uns einbilden, dass wir mit ihm glücklich wären. Du kannst nichts daran ändern, dass Du nichts weiter als eine Art "Groopie" für ihn warst, aber es ist Deine Verantwortung wie Du damit umgehst.
Dazu fallen mir zwei Dinge ein. Wenn ein Mann, den Du begehrst, nicht Dein Partner wird, dann ist das meistens auch gut so. Denn der passt einfach nicht zu Dir und Deinem Wesen. Wäre da gegenseitig ein Gleichklang, hättest Du mit dem eine Beziehung.
So aber ist die Geschichte völlig einseitig und das musst Du so hinnehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass uns das Leben damit vor Schlimmeren bewahrt wie einer frustrierenden Beziehung, die eh nicht gut laufen würde.

Was habe ich mich schon in Männer verguckt, die Null komma nichts an mir Interesse hatten. Aber ich war zäh und ausdauernd und versuchte, meinem Glück auf die Sprünge zu helfen. Und was geschah? Nichts! Ich konnte weder Interesse an mir noch Zuwendung zu mir erzwingen.
Mit 20 ungefähr lernte ich einen kennen namens Edwin. Edwin war der Zimmergenosse eines Kommilitonen von mir im Studentenwohnheim. Und eines Tages brachte er Edwin mit , als wir eine Veranstaltung besuchten. Was das war, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich vage an Bierbänke, aber Edwin sehe ich noch vor mir. Er war nicht groß, eher kompakt gebaut, aber schlank, er trug eine Jeans und Turnschuhe und einen Poncho! Das war damals so um 1980 rum. Und außerdem einen Ohrring in einem Ohr. Seine Haare waren ein wenig lockig, braun und etwas länger gewachsen. Er sah so ein bißchen alternativ angehaucht aus.
Ich war perplex! Genau dieser Mann hatte es mir angetan. Und dann seine Sprechweise, so ein etwas behäbiges Niederbayrisch. Ach, ich schmolz dahin. Tja, dann sah ich ihn längere Zeit nicht mehr, aber mein Interesse war geweckt, Ich fragte Günter, meinen Kommilitonen manchmal ein wenig nach Edwin aus. Viel erfuhr ich nicht, außer dass er aus Niederbayern stammt und Elektrotechnik in München studiert.
Eines Tages besuchte ich am Nachmittag Edwin einfach. Ich wusste, dass Günther anderweitig unterwegs war und klopfte einfach an die Zimmertür. Edwin öffnete und ich fragte scheinheilig, ob Günther wohl da sei. Nein, ist er nicht. Schon war ich im Zimmer und plapperte irgend einen Mist . Wir unterhielten uns dann über irgendwas, unter anderem über Musik. Ich kannte mich noch nie sonderlich gut damit aus, aber die Stones gefielen mir sehr gut. Und dann Leonard Cohen (weiß nicht, wie man den schreibt), den ich heute nicht mehr abkann, aber damals tat ich so, als fände ich ihn toll, weil Edwin ihn auch toll fand. Ich ließ aber auch gar nichts aus!

Bevor ich ging, hatte ich es geschafft, eine Verabredung fürs Kino zu einer Double feature mit Edwin zu treffen. Zwei Filme hintereinander, das war der Plan. Und hinterher ergäbe sich ja vlt. noch ein Bierchen oder so zu zweit. Nächsten Mittwoch würde es so weit sein. Es waren noch einige Tage bis dahin.

Am bewussten Tag stellte ich mich pünktlich, nein überpünktlich vor dem Kino hin. Gegen 19.45 waren wir verabredet. Ich wartete. Keiner kam, auf jeden Fall nicht Edwin. 19.50 Uhr - er war nicht da! 19.55 Uhr - vielleicht verspätet er sich ja nur! Aber es war mir schon komisch. 20.00 Uhr - kein Edwin! Ich löste eine Karte, setzte mich enttäuscht ins Kino und verließ den Film bald wieder. Kein Interesse, stattdessen Frust.
Was war los? Ich weiß es nicht, ich habe ihn nie gefragt, denn das hätte eine Entblösung bedeutet. Entweder er hatte keine Lust oder aber er hatte es schlichtweg vergessen, weil ich so wichtig war, wie wenn in Timbuktu eine Dreizimmerwohnung frei wird. Ich tippe auf letzteres. Vermutlich hatte ich ihn mit dem Kino irgendwie bedrängt, er sagte zu, damit er seine Ruhe hatte und vergaß mich schlichtweg.

Irgendwann traf ich ihn zusammen mit Günther wieder auf einem Stones-Konzert. Wieder schmolz ich dahin, aber er stand einfach nicht auf mich. Nur ich stand auf ihn. Bald darauf gab Günther, der mittlerweile umgezogen war, eine Party. Edwin war natürlich auch eingeladen. Ich blöde Kuh dachte mir noch, na vielleicht ergibt sich ja doch noch was mit Edwin. Aber nachlaufen würde ich dem nicht! Im Gegenteil, ich war megagut aufgelegt, fröhlich und redete viel. Ab und an linste ich zu ihm hin, aber hatte nicht den Eindruck, als ob er das bemerkte. Er saß auch an einem anderen Tisch.
Viel später sah ich dann was Anderes. Edwin saß mit einer mir unbekannten Frau an einem Tisch. Sie saßen sich gegenüber und waren sehr in ein Gespräch vertieft. Sie war blond, ich dunkelhaarig. Sie war kleiner als ich, ein wenig gedrungen, aber schlank. Ich war damals sehr schlank. Sie hatte ein hübsches Gesicht und einen schlichten Pagenkopf. Ich hatte lange Haare, die wellig und lockig fielen und in Stufen geschnitten waren.
Und sie wirkte ganz anders als ich. Sie wirkte ruhig, überlegt und völlig unprätentiös. Sie spielte keine Rolle wie ich es tat, sondern war einfach, wie sie war.
Und ich schätze, genau das sagte Edwin zu. Keine aufgedrehte Nudel wie ich, die überall dabei war und immer gut aufgelegt war, weil das ja schließlich gut ankam. Oder etwa nicht?

Endlich, nach fast einem Jahr sah ich es ein. Edwin wollte mich einfach nicht. Ich war nicht sein Fall, so einfach war das. Ein paar Wochen war ich noch traurig, aber dann änderte sich mein Leben wieder und ich dachte nicht mehr viel an ihn.
Von Günther erfuhr ich, dass seine Freundin (die von der Party, mit der er dann zusammen kam) Gabi hieß und Krankenschwester war.
Edwin war ein begeisterter Motorradfahrer und auf einer späteren Party wieder bei Günther war auch Edwin da, aber ohne Gabi. Edwin erzählte, dass ein ganzer Trupp Motorradfahrer weit zu einem Geburtstag gefahren war. Es regnete in Strömen, es war kalt, aber auch die Frauen hielten tapfer durch. Die Helden der Landstraße trotzten Wind und Wetter, dachte ich mir!

Die Beziehung mit Gabi hielt nicht, denn irgendwann trat "Gabi zwei" auf den Plan, wie ich von Günther hörte. Ging mich nichts mehr an, Edwin ging mich nichts an und wem er zusammen war oder nicht, war jetzt unwichtig.
Die Jahre vergingen und ich traf nach einem Stellenwechsel Günther wieder. Und eines Tages fragte ich ihn nach Edwin. Sag mal, was ist eigentlich aus Edwin geworden?
Günther sah mich entgeistert an und fragte: Ja, weißt Du das denn nicht! Edwin ist doch schon ein paar Jahre tot!
Jetzt war ich entgeistert!
Edwin tot?
Ja, er sei mit Gabi zwei im Urlaub auf Kreta gewesen, wo sie sich ein Motorrad mieteten. Am letzten Tag fuhren sie das Motorrad zum Vermieter zurück und auf einer geschotterten Straße passierte es dann. Edwin verlor die Kontrolle und stürzte. Gabi zwei kam am Straßenrand zu liegen und war bewusstlos. Edwin hatte Pech und lag mitten auf der Straße. Er hätte es wohl überlebt, aber leider kam ein LKW um die Ecke, der nicht mehr bremsen konnte und ihn überfuhr.
Es war eine ergreifende Beerdigung, sagte Günther. Der ganze Friedhof war voll, die Kirche überfüllt. Kein Wunder, Edwin starb ja sehr jung. Sein Hobby wurde sein Verhängnis. Sein Bruder flog dann nach Kreta und kümmerte sich um die Überführung der Leiche. Gabi zwei überlebte den Unfall und war eine Zeitlang auf Kreta im Krankenhaus. Mehr weiß ich nicht.

Ich denke noch oft an Edwin und sehe ihn vor mir in seinem Poncho und mit dem Ohrring. Ein ruhiger, eher bedächtiger Mann war es, aber viel weiß ich nicht über ihn. Was wäre gewesen, wäre ich mit ihm zusammen gekommen? Vielleicht hätte ich die Stelle von Gabi zwei eingenommen und wäre verunglückt? Keiner weiß das, aber heute weiß ich, dass ich mich einfach in etwas verrannt hatte, was nicht für mich bestimmt war.
Und genauso kommst Du mir auch vor. Du hast Dich in etwas verrannt, was nur Illusionen sind.

Und übrigens: die Gedanken kann man steuern, die Gefühle nicht. Aber wenn wieder die Gedanken an den untauglichen Typen kommen, dann hältst Du Dir das vor Augen. Und by the way? Ist er es wert, seinetwegen traurig zu sein? Ist er es wert, dass Du Deinen Kummer im Wein ertränken musst? Ist er es wert, dass Du traurig bist? Eigentlich nicht!
Und mit diesen Gedanken können sich auch die Gefühle ändern, denn die Gefühle folgen den Gedanken.
Antigone hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 19:44
Eine Frau wie dich, liebe Sonnenblume, hätte ich gerne als Freundin
So was bin ich doch auch, wenn auch nur virtuell!
Antigone hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 19:44
Und wenn es sowas wie Karma gibt, dann wirst du vielleicht für deinen sozialen Dienst an Unbekannten hier im Forum , doch in irgendeiner Weise belohnt werden.
Ach, Du musst mich nicht so loben. Ich bin kein besonders guter Mensch, aber mittlerweile kenne ich mich mit zwischenmenschlichen Beziehungen besser aus als früher. Der Invest in Edwin (und einige andere Männer) lohnte sich nicht, aber das war wohl auch gut so. Und der Invest in den Kaffeemann lohnte sich auch nicht.
Glaub mir, es ist echt besser so! Das Leben hat Dich vor etwas bewahrt, was nichts für Dich ist.
Aber Menschen wollen meist das Unerreichbare, weil sie es nicht einsehen wollen und keinen Blick dafür haben.

Sonnenblume

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