Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Es hat zwischen Euch "gefunkt", doch er meldet sich nicht mehr. Es ging aus Deiner Sicht alles in Richtung Beziehung, aber plötzlich distanziert er sich. Dieses Forum ist der richtige Ort, wenn es noch keine "richtig feste Beziehung" war.
Antigone
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Antigone » Mo 7. Jan 2019, 19:44

Liebe Sonnenblume,
Danke dass du dir die Mühe gemacht hast, auch dieses selbstmitleidige Post von mir zu lesen und so hilfreich zu antworten.

Du hast Recht: meiner gequälten Seele fehlt etwas. Es ist sicher etwas Wesentliches. Und das werde ich nur in mir selbst finden. Ich werde mich gezielt auf die Suche machen. Und lernen demütiger zu sein. Ich bin wirklich auf die Butterseite des Lebens gefallen und dennoch lasse ich mich von einem Mann der mich nicht will zum Alkohol und ins Selbstmitleid treiben.
Nein, keine Sorge, ich trinke nicht. Aber manchmal wenn ich an ihn denke, dann bin ich so traurig, dass mir nur eine Flasche Wein als Ablenkung hilft. Ich hoffe, das hört bald auf.

Eine Frau wie dich, liebe Sonnenblume, hätte ich gerne als Freundin. Du bist so großmütig und ehrlich, du nimmst mich Ernst und investierst Zeit in eine Frau, die du nicht mal kennst und dir wahrscheinlich niemals etwas zurück geben wird. Dafür danke ich dir von Herzen. Es hilft mir sehr.
Und wenn es sowas wie Karma gibt, dann wirst du vielleicht für deinen sozialen Dienst an Unbekannten hier im Forum , doch in irgendeiner Weise belohnt werden.

Vielen Dank und viele Grüße
Deine Antigone

Sonnenblume10
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Sonnenblume10 » Di 8. Jan 2019, 13:19

Antigone hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 19:44
Ich bin wirklich auf die Butterseite des Lebens gefallen und dennoch lasse ich mich von einem Mann der mich nicht will zum Alkohol und ins Selbstmitleid treiben.
Allein, wenn Du Dir das öfters bewusst machst, ist es schon hilfreich. Dankbarkeit für das, was man hat und die Brotseite ist alles in allem betrachtet dick mit Butter beschmiert vergisst man leider oft. Denn es ist doch alles selbstverständlich und man verlegt sich dann auf die Dinge, die nicht so berauschend sind. Dankbarkeit wiederum hat mit Demut zu tun. Etwas was ja völlig aus der Mode ist und den meisten Menschen (mir inklusive) entweder völlig unbekannt ist oder als unwichtig angesehen wird. Denn schließlich haben wir doch unser Leben in der Hand!
Ja, wir sind durchaus für uns verantwortlich und das heißt auch, die Lebensspanne so zu gestalten, dass man Positives daraus ziehen kann. Das ist der Teil der Selbstverantwortung.
Wir können dem alten Mann im Bus einen Sitzplatz anbieten oder ihn stehen lassen und uns denken, was interessierst Du mich? Hauptsache, ich sitze. Das ist die eigene Wahl und die können wir in vielen Bereichen tagtäglich wählen. Ich kann meinen Kollegen anschnauzen oder aber freundlich anlächeln und ihm ein nettes Wort schenken.

Und dann gibt es noch die Dinge, die in unser Leben kommen, obwohl wir sie überhaupt nicht wollen. Todesfälle, Krankheitsfälle, Unfälle usw. Das sind Dinge, die uns auferlegt werden und die wir akzeptieren müssen. Da haben wir aber durchaus auch eine Wahl, wie wir damit umgehen.
Und genauso ist es mit Liebeskummer. Der kommt, weil der Partner geht oder gar nicht erst kommt, obwohl wir uns einbilden, dass wir mit ihm glücklich wären. Du kannst nichts daran ändern, dass Du nichts weiter als eine Art "Groopie" für ihn warst, aber es ist Deine Verantwortung wie Du damit umgehst.
Dazu fallen mir zwei Dinge ein. Wenn ein Mann, den Du begehrst, nicht Dein Partner wird, dann ist das meistens auch gut so. Denn der passt einfach nicht zu Dir und Deinem Wesen. Wäre da gegenseitig ein Gleichklang, hättest Du mit dem eine Beziehung.
So aber ist die Geschichte völlig einseitig und das musst Du so hinnehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass uns das Leben damit vor Schlimmeren bewahrt wie einer frustrierenden Beziehung, die eh nicht gut laufen würde.

Was habe ich mich schon in Männer verguckt, die Null komma nichts an mir Interesse hatten. Aber ich war zäh und ausdauernd und versuchte, meinem Glück auf die Sprünge zu helfen. Und was geschah? Nichts! Ich konnte weder Interesse an mir noch Zuwendung zu mir erzwingen.
Mit 20 ungefähr lernte ich einen kennen namens Edwin. Edwin war der Zimmergenosse eines Kommilitonen von mir im Studentenwohnheim. Und eines Tages brachte er Edwin mit , als wir eine Veranstaltung besuchten. Was das war, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich vage an Bierbänke, aber Edwin sehe ich noch vor mir. Er war nicht groß, eher kompakt gebaut, aber schlank, er trug eine Jeans und Turnschuhe und einen Poncho! Das war damals so um 1980 rum. Und außerdem einen Ohrring in einem Ohr. Seine Haare waren ein wenig lockig, braun und etwas länger gewachsen. Er sah so ein bißchen alternativ angehaucht aus.
Ich war perplex! Genau dieser Mann hatte es mir angetan. Und dann seine Sprechweise, so ein etwas behäbiges Niederbayrisch. Ach, ich schmolz dahin. Tja, dann sah ich ihn längere Zeit nicht mehr, aber mein Interesse war geweckt, Ich fragte Günter, meinen Kommilitonen manchmal ein wenig nach Edwin aus. Viel erfuhr ich nicht, außer dass er aus Niederbayern stammt und Elektrotechnik in München studiert.
Eines Tages besuchte ich am Nachmittag Edwin einfach. Ich wusste, dass Günther anderweitig unterwegs war und klopfte einfach an die Zimmertür. Edwin öffnete und ich fragte scheinheilig, ob Günther wohl da sei. Nein, ist er nicht. Schon war ich im Zimmer und plapperte irgend einen Mist . Wir unterhielten uns dann über irgendwas, unter anderem über Musik. Ich kannte mich noch nie sonderlich gut damit aus, aber die Stones gefielen mir sehr gut. Und dann Leonard Cohen (weiß nicht, wie man den schreibt), den ich heute nicht mehr abkann, aber damals tat ich so, als fände ich ihn toll, weil Edwin ihn auch toll fand. Ich ließ aber auch gar nichts aus!

Bevor ich ging, hatte ich es geschafft, eine Verabredung fürs Kino zu einer Double feature mit Edwin zu treffen. Zwei Filme hintereinander, das war der Plan. Und hinterher ergäbe sich ja vlt. noch ein Bierchen oder so zu zweit. Nächsten Mittwoch würde es so weit sein. Es waren noch einige Tage bis dahin.

Am bewussten Tag stellte ich mich pünktlich, nein überpünktlich vor dem Kino hin. Gegen 19.45 waren wir verabredet. Ich wartete. Keiner kam, auf jeden Fall nicht Edwin. 19.50 Uhr - er war nicht da! 19.55 Uhr - vielleicht verspätet er sich ja nur! Aber es war mir schon komisch. 20.00 Uhr - kein Edwin! Ich löste eine Karte, setzte mich enttäuscht ins Kino und verließ den Film bald wieder. Kein Interesse, stattdessen Frust.
Was war los? Ich weiß es nicht, ich habe ihn nie gefragt, denn das hätte eine Entblösung bedeutet. Entweder er hatte keine Lust oder aber er hatte es schlichtweg vergessen, weil ich so wichtig war, wie wenn in Timbuktu eine Dreizimmerwohnung frei wird. Ich tippe auf letzteres. Vermutlich hatte ich ihn mit dem Kino irgendwie bedrängt, er sagte zu, damit er seine Ruhe hatte und vergaß mich schlichtweg.

Irgendwann traf ich ihn zusammen mit Günther wieder auf einem Stones-Konzert. Wieder schmolz ich dahin, aber er stand einfach nicht auf mich. Nur ich stand auf ihn. Bald darauf gab Günther, der mittlerweile umgezogen war, eine Party. Edwin war natürlich auch eingeladen. Ich blöde Kuh dachte mir noch, na vielleicht ergibt sich ja doch noch was mit Edwin. Aber nachlaufen würde ich dem nicht! Im Gegenteil, ich war megagut aufgelegt, fröhlich und redete viel. Ab und an linste ich zu ihm hin, aber hatte nicht den Eindruck, als ob er das bemerkte. Er saß auch an einem anderen Tisch.
Viel später sah ich dann was Anderes. Edwin saß mit einer mir unbekannten Frau an einem Tisch. Sie saßen sich gegenüber und waren sehr in ein Gespräch vertieft. Sie war blond, ich dunkelhaarig. Sie war kleiner als ich, ein wenig gedrungen, aber schlank. Ich war damals sehr schlank. Sie hatte ein hübsches Gesicht und einen schlichten Pagenkopf. Ich hatte lange Haare, die wellig und lockig fielen und in Stufen geschnitten waren.
Und sie wirkte ganz anders als ich. Sie wirkte ruhig, überlegt und völlig unprätentiös. Sie spielte keine Rolle wie ich es tat, sondern war einfach, wie sie war.
Und ich schätze, genau das sagte Edwin zu. Keine aufgedrehte Nudel wie ich, die überall dabei war und immer gut aufgelegt war, weil das ja schließlich gut ankam. Oder etwa nicht?

Endlich, nach fast einem Jahr sah ich es ein. Edwin wollte mich einfach nicht. Ich war nicht sein Fall, so einfach war das. Ein paar Wochen war ich noch traurig, aber dann änderte sich mein Leben wieder und ich dachte nicht mehr viel an ihn.
Von Günther erfuhr ich, dass seine Freundin (die von der Party, mit der er dann zusammen kam) Gabi hieß und Krankenschwester war.
Edwin war ein begeisterter Motorradfahrer und auf einer späteren Party wieder bei Günther war auch Edwin da, aber ohne Gabi. Edwin erzählte, dass ein ganzer Trupp Motorradfahrer weit zu einem Geburtstag gefahren war. Es regnete in Strömen, es war kalt, aber auch die Frauen hielten tapfer durch. Die Helden der Landstraße trotzten Wind und Wetter, dachte ich mir!

Die Beziehung mit Gabi hielt nicht, denn irgendwann trat "Gabi zwei" auf den Plan, wie ich von Günther hörte. Ging mich nichts mehr an, Edwin ging mich nichts an und wem er zusammen war oder nicht, war jetzt unwichtig.
Die Jahre vergingen und ich traf nach einem Stellenwechsel Günther wieder. Und eines Tages fragte ich ihn nach Edwin. Sag mal, was ist eigentlich aus Edwin geworden?
Günther sah mich entgeistert an und fragte: Ja, weißt Du das denn nicht! Edwin ist doch schon ein paar Jahre tot!
Jetzt war ich entgeistert!
Edwin tot?
Ja, er sei mit Gabi zwei im Urlaub auf Kreta gewesen, wo sie sich ein Motorrad mieteten. Am letzten Tag fuhren sie das Motorrad zum Vermieter zurück und auf einer geschotterten Straße passierte es dann. Edwin verlor die Kontrolle und stürzte. Gabi zwei kam am Straßenrand zu liegen und war bewusstlos. Edwin hatte Pech und lag mitten auf der Straße. Er hätte es wohl überlebt, aber leider kam ein LKW um die Ecke, der nicht mehr bremsen konnte und ihn überfuhr.
Es war eine ergreifende Beerdigung, sagte Günther. Der ganze Friedhof war voll, die Kirche überfüllt. Kein Wunder, Edwin starb ja sehr jung. Sein Hobby wurde sein Verhängnis. Sein Bruder flog dann nach Kreta und kümmerte sich um die Überführung der Leiche. Gabi zwei überlebte den Unfall und war eine Zeitlang auf Kreta im Krankenhaus. Mehr weiß ich nicht.

Ich denke noch oft an Edwin und sehe ihn vor mir in seinem Poncho und mit dem Ohrring. Ein ruhiger, eher bedächtiger Mann war es, aber viel weiß ich nicht über ihn. Was wäre gewesen, wäre ich mit ihm zusammen gekommen? Vielleicht hätte ich die Stelle von Gabi zwei eingenommen und wäre verunglückt? Keiner weiß das, aber heute weiß ich, dass ich mich einfach in etwas verrannt hatte, was nicht für mich bestimmt war.
Und genauso kommst Du mir auch vor. Du hast Dich in etwas verrannt, was nur Illusionen sind.

Und übrigens: die Gedanken kann man steuern, die Gefühle nicht. Aber wenn wieder die Gedanken an den untauglichen Typen kommen, dann hältst Du Dir das vor Augen. Und by the way? Ist er es wert, seinetwegen traurig zu sein? Ist er es wert, dass Du Deinen Kummer im Wein ertränken musst? Ist er es wert, dass Du traurig bist? Eigentlich nicht!
Und mit diesen Gedanken können sich auch die Gefühle ändern, denn die Gefühle folgen den Gedanken.
Antigone hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 19:44
Eine Frau wie dich, liebe Sonnenblume, hätte ich gerne als Freundin
So was bin ich doch auch, wenn auch nur virtuell!
Antigone hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 19:44
Und wenn es sowas wie Karma gibt, dann wirst du vielleicht für deinen sozialen Dienst an Unbekannten hier im Forum , doch in irgendeiner Weise belohnt werden.
Ach, Du musst mich nicht so loben. Ich bin kein besonders guter Mensch, aber mittlerweile kenne ich mich mit zwischenmenschlichen Beziehungen besser aus als früher. Der Invest in Edwin (und einige andere Männer) lohnte sich nicht, aber das war wohl auch gut so. Und der Invest in den Kaffeemann lohnte sich auch nicht.
Glaub mir, es ist echt besser so! Das Leben hat Dich vor etwas bewahrt, was nichts für Dich ist.
Aber Menschen wollen meist das Unerreichbare, weil sie es nicht einsehen wollen und keinen Blick dafür haben.

Sonnenblume

Antigone
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Antigone » So 7. Apr 2019, 11:32

Hallo liebe alle,

Danke liebe Sonnenblume für deine Geschichte mit Edwin.
Ja, war weiß wovor mich das Leben bewahrt hat, indem ich es nicht geschafft habe, eine Beziehung zu meinem Objekt der Begierde zu bekommen.
Möglicherweise würde ich jetzt noch viel mehr leiden. Er würde ja immer derselbe bleiben, emotionslos, egoistisch und nicht an meinen Bedürfnissen interessiert.

Er schreibt mir immer wieder mal. Belangloses. Er kommentiert mein whatsapp- Bild oder er fragt mich Berufliches. Ich glaube, es macht ihm Spaß mich zu quälen. Ich habe ihm schon oft erklärt, dass es mir wehtut, wenn er mich immer wieder so unverbindlich kontaktiert. Das ist ihm egal. Es geht nur um sein Ego.
Es ist mir ja auch schon passiert, dass jemand auch mich stand, aber ich nicht auf ihn. Da habe ich dann immer rigoros den Kontakt abgebrochen. Ich möchte doch jemanden nicht immer wieder gängeln oder unsinnige Hoffnungen machen, nur damit mein Ego gepusht ist. Mir hat der jeweilige immer leid getan. Aber ich kann halt auch nichts für meine Nicht-Gefühle und habe den Kontakt abgebrochen. Auch wenn mein Verehrer immer wieder den Kontakt gesucht hat.

Das tut aber mein Kaffeedepp nicht. Er will mich immer wieder so ein bisschen anlocken. Nur um mich dann wieder wegstoßen zu können. Ein grausames Spiel . Und leider mache ich ab und zu mal wieder mit.
Wahrscheinlich hast du auch da Recht, liebe Sonnenblume, ich habe masochistische Tendenzen. Ich möchte in Liebesdingen unglücklich sein. Ich leide gerne. Das wird vielleicht von meinem Unterbewusstsein gesteuert.
Mein Psychotherapeut hat mir gesagt, dass ca.85% des Hirns vom Unterbewusstsein bedeckt sind. Nur ca.15% nutzen wir zum bewussten denken.
Meine 15% des Gehirns sagen mir, dass der Kaffeearsch für meine Seele Gift ist. Doch aus irgendeinem Grund erlaube ich es ihm immer wieder sein Gift in mich zu injizieren. Auch wenn ich oft seine Whatsapp nur lese und dann gleich lösche, bewirkt es doch sehr viel in mir. Und ich würde sogerne wieder mit ihm Zeit verbringen und so Gefühle der Liebe kommen in mir auf. Oder ist es nur Masochismus?

Irgendwann werde ich auch dieses Thema hinter mir lassen. Und hoffentlich daraus gelernt haben. Mich nie wieder zu so einer Marionette missbrauchen zu lassen, die man tanzen lässt, wenn ihm danach ist und dann wieder zurück in die Mottenkiste.

Wie gehts euch denn?
Sonnenblume, Gwen, loveandhope, Lita, Bobby, Insane, Canyonqueen, Zeitschleifchen, Itzuf.......?
Lasst doch wieder mal was hören!

Liebe Grüße
Anti

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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Loveandhope » Mo 8. Apr 2019, 10:27

Wenn er sich das nächste Mal meldet, dann sag' ihm, er soll sich seinen Kaffee von der andern Seite einlaufen lassen.
Und dann einlach LÖSCHEN und BLOCKIEREN. Genau in dieser Reihenfolge!

Sonnenblume10
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Sonnenblume10 » Mo 8. Apr 2019, 13:12

Liebe Anti,

du machst das alles freiwillig. Keiner hat Dich jemals dazu gezwungen, auszuhalten, dass Dir Kaffeehorst einen Bonbon hinhält und sagt "Da, Du darst mal schlecken", aber den Bonbon dann selbst isst und Dich dabei selbstzufrieden betrachtet.

Ja, ich weiß, diese inneren Mechanismen, die immer wieder greifen. Und das zu 85%, gruselig. Das kann wirklich stimmen. Je älter ich werde, desto mehr staune ich, wie viel an übernommenen Verhaltensweisen und Altlasten man in sich trägt und nicht mehr los wird.
Und doch: einige Dinge begreift man schneller als früher und dann kam sich SCHÜTZEN! Du musst Dir das doch nicht antun, dass Du ihm die Möglichkeit eröffnest, Dich zu erreichen und dann wieder wehmütig wirst, weil die Sache sich nicht so entwickelte wie Du erhofft hast.
Es ist halt eine Frage der Konsequenz, die Du noch nicht hast. Irgendwas in Dir hängt noch an dem Typen. Okay, dann ist es so und dann lass das so stehen. Vielleicht brauchst Du den Schmerz ab und zu? Sicher hat er eine Funktion für Dich, die Du noch nicht erkannt hast. Dann steh ihn durch bis zum nächsten Mal, wenn Kaffeehorst wieder anklopft.
Wahrscheinlich brauchst Du das. Dann steh dazu. Es vergeht ja dann auch wieder. Und lass Dir die Zeit, bis Du ganz darüber hinweg bist.

Lustig, dass Du seine negativen Eigenschaften wie seine Selbstbezogenheit mittlerweile gut erkennst, aber doch nicht ganz los lassen kannst.
Was sagt denn Dein PT dazu? Vermutlich, dass die Erkenntnis eine Sache des Verstandes ist und die Traurigkeit eine Sache des Gefühls. Die beiden gehen nicht immer in stiller Eintracht.

Wenn Du es nicht schaffst, ihn ganz aus Deinem Leben zu entfernen, dann musst Du auch die Konsequenzen tragen.

Ich brauchte damals ja auch unsagbar lange, bis ich endlich so weit war, dass ich mich nicht mehr bei ihm meldete. Ich brauchte erst die Erkenntnis, dass er eine Andere hatte. Ab da war ich so weit, dass ich mich komplett zurück zog.

Und was passierte ca. ein Jahr später? Ich sprach ihn am Rande einer Fortbildung an und quatschte ca. 5 Minuten mit ihm. Zumindest war ich diejenige, die das Gespräch dann beendete. In mir das tolle Gefühl, dass ich das Eis zwischen uns gebrochen hatte, dass ich den Mut hatte, ihn anzusprechen. Und schon meldete sich wieder eine kleine Stimme: Ach, vielleicht könntest Du ab und an wieder mit ihm telefonieren oder einen lockeren Mailwechsel mit ihm haben!
Schon wieder war ich im Nähe-Modus. Die Hochstimmung hielt nur einige Minuten an, denn auf einmal erkannte ich etwas. Es war die alte Leier. Ich ging auf ihn zu, er verhielt sich nur abwartend und wäre nicht aktiv geworden. Ich sprach ihn an und redete mit ihm. Er antwortete, das schon und sogar freundlich, wie es aussah, aber die Initiative war von mir ausgegangen.
Und wer hatte sich beim Abgang wieder ein Hintertürchen offen gelassen, indem ich sagte: Vielleicht ruf ich Dich demnächst mal an!???
Und er lächelte und meinte: Mach das!
Von ihm kam nicht, rein gar nichts. Nur ich war wieder mal den alten Mechanismen hinterher gelaufen und damit ihm.
Das machte mich dann doch traurig, denn ich spulte damit nur wieder das alte Spiel zwischen uns ab.

Ich wartete dann (über Monate)und hoffte, dass er sich vlt. mal melden würde, denn schließlich hatte ich ihm ja eine Tür geöffnet. Aber er ging nicht durch, weil sie nicht wichtig für ihn war.
Ich rührte mich dann nie mehr, denn ich wollte nicht wieder den alten Kram nachleben. Das Interesse war ungleich verteilt. Ich interessierte mich noch für sein Leben, er sich aber nicht für meines. Das war mir eigentlich schon sehr bald aufgefallen, dass er immer nur um sich kreiste. Und trotzdem konnte ich mich nicht lösen.

Ich erkannte vieles, aber die 85% in mir hielten mich bei ihm. Die Mechanismen die ich kannte, aber nicht entlarven konnte, waren stärker. Das war das, was ich gewohnt war und was mich oft in der Kindheit schon gequält hatte. Ich war nicht wichtig, keiner interessierte sich richtig für mich, keiner verstand mich. Ich fühlte mich allein und zurück gesetzt. Ich war eben nicht wie andere, die sich leichter taten und Eltern hatten, die sich mehr für die Kinder interessierten.
Meine Eltern interessierten sich sogar sehr für mich, aber dennoch war in mir doch oft der Schmerz der Verlassenheit. Irgendwas in meiner Seele war kaputt gegangen und das führte mich dann zu solchen Typen, für die ich nicht weiter wichtig war. Und daher war es offenbar wichtig, dass ich das nach lebte, bis ich mich irgendwann damit arrangieren konnte. Ab da ging es dann besser. Ich ließ die Sachen so stehen, litt noch ein wenig und schloss dann damit ab.

Wahrscheinlich brauchst Du einfach auch noch ein wenig Zeit, bis der Kaffeemann in die Annalen Deiner Lebensgeschichte eingegangen ist.

Letzthin habe ich ihn wieder gesehen, auf einem Kongress. Komisch, da waren ca. 3.000 Leute und doch lief ich ihm über den Weg. Das ist jedes Mal so. Ich war gerade mit einer Kollegin unterwegs, als er mir, auch in Gesellschaft, entgegen kam. Er starrte mich an, ich schaute kurz hin und sagte im Vorbei Gehen "Hallo", so ganz beiläufig und redete mit der Kollegin weiter. Dem Anstand war Genüge getan. Und ein wenig freute ich mich auch, denn ich fühlte mich souverän. Ein kleines Miststück in mir sagte: Gut gemacht!
Grüß ihn, aber zeige keinerlei Interesse!

Am letzten Tag sah ich ihn nochmals, aber von weiter weg. Er stand an einem Bartisch und löffelte ein Yoghurt und trank eine Tasse Kaffee dazu. Vermutlich ein kleines Frühstück. Er war allein und stierte auf irgendwas auf dem Tisch. Vermutlich ein Smartphone.
Ich betrachtete ihn und er merkte es nicht. Und dann dachte ich mir: Meine Güte und wegen diesem langweiligen, reizlosen Typen hast Du so viel durchgemacht und so viel gelitten!!! Das war es doch nicht wert gewesen!
Wie er so dastand und in den Tisch starrte. Und nebenbei dieses weiße Zeug löffelte. Ein Löffelchen und noch eines und dazwischen ein Schluck Kaffee. Genauso war er früher oft am Frühstückstisch gesessen. Und ich hatte nichts dabei gefunden, sondern fand ihn sogar toll. Nicht zu fassen!

Heute sage ich: Doch, es war wichtig, dass ich das damals durchlitten habe. Denn ohne ihn und die vielen Ängste und Tränen stünde ich heute anders da. Er war wichtig und die untaugliche Beziehung war auch wichtig. Nicht für ihn vermutlich, aber für mich. Nur aus Leid kann Neues entstehen und nur aus Leid kann man andere Wege beschreiten. Dafür sind Krisen da.

Also sieh das ganze mal auch positv. Es hat einen Wert für Dich und das so lange, bis er Dir gleichgültig ist. Finde den Wert und Du kannst Dich irgendwann ganz von ihm verabschieden.

Sonnenblume

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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Gwen » Di 9. Apr 2019, 06:52

Hallo Anti,

ich muss mal wieder unserer Sonnenblume huldigen. Sehr schön geschrieben und ich kann jedes Wort empfinden, weil ich im selben Boot sitze oder in einem sehr ähnlichen.

Ich habe es geschafft den Kontakt zu cutten, nachdem ich angebrüllt wurde, dass ich ihm den Geburtstag versaut hätte, weil ich ihn auf Terminierung für eine von ihm generell zugesagte Paarberatung ansprach.

Irgendwann gibt es hoffentlich für alle die Auslöser sich selbst nicht mehr zu melden und nicht mehr auf Wischiwaschi einzugehen. Es braucht eben manchmal lange.

Ich denke nur noch gelegentlich an ihn und nicht mehr mit Panikattacken, Herzrückwärstsalti und so. Das wird wohl vermutlich nur im totalen Kontaktabbruch so reifen können.

Ich wünsche Dir die Kraft, den Müll nicht mehr zu lesen und nicht mehr zu antworten. Die richtige Reihenfolge ist logischerweise erst blockieren, dann löschen. Wenn Du das irgendwann schaffst. Aber muss man auch nicht. Ich finde solch ein Gebaren ja kindisch, aber gut. Die Zeit regelt das, wenn Du mal mehr auf Dich hörst oder auch noch einen anderen Auslöser bekommst und die Kraft findest, es zu können.

Es geht weiter! Ganz sicher.

Man findet in den meisten Foren auch Menschen, die wirklich an jemandem hängen bleiben. Ich denke, dass da die Vergangenheit verklärt wird, die Gegenwart nicht gelebt und an eine Zukunft nicht geglaubt wird.

Also, Du willst doch noch mal glücklich werden oder Anti? Wirst Du. Du bist ja schon los gegangen, geh weiter.

LG und gutes Gelingen

Gwen
Manchmal muss man einfach springen und sich auf dem Weg nach unten Flügel wachsen lassen.

Antigone
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Antigone » Mi 10. Apr 2019, 09:29

Hi liebe alle,
liebe love, Sonne und Gwen,

hihihi.... ja einen Kaffeeinlauf werde ich ihm verpassen! ;-)
Jetzt wohl nicht mehr . Und wenn dann nur Ganzkörpersterilanzug. Ich will den nie mehr anfassen.

Am Montag hat er mir geschrieben, dass ich mich nur für mich selbst interessiere und ich auch nur Mitleid mit mir selbst habe. Ich sei sehr grob in meinem letzten Whatsapp gewesen und das haber er sich nicht verdient.
Dabei habe ich ihn nur zum wiederholten male gebeten nicht mehr zu schreiben.

Tja, vielleicht war das jetzt endlich der Auslöser, den es brauchte, und den auch du bei der GT-Party bekamst , Gwen.
Vielleicht habe ich es jetzt endlich geschafft.

Was lerne ich daraus?
Viel. Erstens, dass eure Geschichten, speziell deine, liebe Sonne, ähnlich sind. Dass viele solcher asymmetrischen Beziehungen sich ähneln. Auch wenn ich zeitweise dachte, ihr versteht mich nicht denn bei mir ist ja alles gaaaaaaaanz anders und bei mir wird dann doch irgendwann der Kaffeearsch zum Märchenprinz.....
Nö. Ist er nicht geworden. Ihr wart in euren ersten Posts schon skeptisch und hattet nicht viel Hoffnung auf ein Haapy-end. Ich hatte diese Hoffnung circa ein Jahr. Dazwischen habe ich ein paar Liter Wein getrunken und ein paar Hektoliter Tränen vergossen.
Aber es gibt auch Positives in dem Leid. (Du hast Recht Sonne!) Da bin ich ganz sicher und das spüre ich auch ganz stark: ich beschäftige mich seither viel mit mir selbst, versuche meine Traumata heilen zu lassen, und lerne mich selbst lieben.
Ehrlich gesagt ein schönes Gefühl. Ein warmes, gutes Gefühl ist das, wenn man spürt wie man zu sich selbst findet und sich selbst immer mehr mag.

Schon komisch. Der Kaffeeeinlaufkandidat hat mich auflaufen lassen, benützt und verletzt. Und dennoch hat er mir gut getan.

Meine Lieben lasst wieder mal was hören.

Eure Anti

Antigone
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Antigone » Mi 10. Apr 2019, 18:46

Liebe Mitleser - und -leider,

wisst ihr was ich soeben gemacht habe?

Nein, ich meinem OdB keinen Heiratsantrag gemacht.
Nein, ich habe auch kein Mittel gegen die Klimaerwärmung gefunden.
Ja, Richtig! Ich hab´s getan! Ich habe ihn blockiert und gelöscht - und zwar genau in der Reihnenfolge, Gwen.

Na, was sagt ihr dazu? Das hätte wohl niemand erwartet - ich am allerwenigsten.

Was komisch allerdings komisch ist, ist dass sich dieses erleichternde Gefühl nicht eingestellt hat. Ich dachte, es würde dann eine Last von mir fallen. Ist noch nicht passiert.
Als ich damals den Wunsch nach Scheidung bei meinem Mann deponierte, fiel mir eine große Last von meinen Schultern. Das habe ich jetzt auch erwartet. Ich hoffe, das gute Gefühl kommt noch. Morgen vielleicht.
Jedenfalls habe ich keine Chance die Blockierung rückgängig zu machen. Aus irgendeinem Grund habe ich mir seine Nummer nie gemerkt und man kann sie auch nirgendwo ausfindig machen, obwohl er eine Firma hat, da das eine Geheimnummer war.

Naja. Alles wird gut.

Viele liebe Grüße,

eure Anti.

Sonnenblume10
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Sonnenblume10 » Do 11. Apr 2019, 09:26

Antigone hat geschrieben:
Mi 10. Apr 2019, 18:46
Na, was sagt ihr dazu? Das hätte wohl niemand erwartet - ich am allerwenigsten.
Ich bin total überrascht, denn das hätte ich nicht erwartet. Und das so schnell! Ich glaube, da hat sich in Dir ein Hebel umgelegt, der Dich dazu angestachelt hat.
Die Erleichterung blieb aus. Vielleicht, weil es schon so lange überfällig war. Es kann aber auch sein, dass sie sich erst mit etwas Verzug einstellt und sich dann ein warmes und erleichtertes Gefühl einstellt, dass Du diesen Typen rausgekickt hast.

Meine Güte, was Du Dich gequält hast! Aber Du hast ihn wohl gebraucht. Es kommen doch immer die Menschen in unser Leben, die wir gerade nötig haben.

Sag mal, was ist das eigentlich für eine Type? Er hat eine Firma und eine Geheimnummer? Arbeitet er für einen Geheimdienst? Das ist doch eigentlich widersinnig, denn Firmen wollen doch erreicht werden. Normalerweise.
Und wo hast Du den eigentlich aufgegabelt?

Sonnenblume

Gwen
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Re: Einen Mann erobern von dem ich nicht sicher weiß ob er Single ist

Beitrag von Gwen » Do 11. Apr 2019, 22:34

Von mir auch noch ein wow.

Ich kenne das auch so, dass Gefühle gern im Verzug sind. Man weiß es schon, man macht und tut und irgendwann gibt es einen Moment der Ruhe, wo Du denkst, ja, das war genau richtig so. Endlich frei!

Und das war es, genau richtig!

Toll gemacht und nun nicht bei unbekannt oder unbekannten Nummern ran gehen.

Tja, in unseren verknickten und verkorksten Blumels steckt doch bei allen eine starke Frau. Ich bin stolz auf uns!

Liebste Grüße

Gwen
Manchmal muss man einfach springen und sich auf dem Weg nach unten Flügel wachsen lassen.

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