Der Weg - Mein narzisstischer Ex und Ich.

Die Trennung verarbeiten und nach vorne schauen
Caia
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Re: Der Weg - Mein narzisstischer Ex und Ich.

Beitrag von Caia » Do 28. Nov 2019, 16:22

Aktueller Tipp: https://www1.wdr.de/fernsehen/menschen-hautnah/sendungen/ich-ich-ich-106.html

Und dann noch der Hinweis auf den Zusammenhang von Narzissmus und Co-Abhängigkeit, beides Ausprägungen der Bindungsangst, die ganz "wunderbar" ineinandergreifen. ;-) Hier finde ich folgende Seite sehr erhellend und hilfreich: https://seelenrave.de/blog/

Viele liebe Grüße! Caia :-)

Sinnsucherin
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Re: Der Weg - Mein narzisstischer Ex und Ich.

Beitrag von Sinnsucherin » So 1. Dez 2019, 21:28

Hallo

Jetzt sind ein paar Tage vergangen und in der Zwischenzeit ging es mir eigentlich auch ganz gut.
Wir haben uns gestern getroffen und sind zusammen auf den Weihnachtsmarkt gegangen.
Wir waren nicht lang dort, und ich war auch nicht sonderlich nervös oder aufgebracht. Wenn ich so darüber nachdenke, weiß ich auch nicht, warum ich mich überhaupt mit ihm getroffen habe.

Die Zeit auf dem Weihnachtsmarkt war nett, aber mir ist auch aufgefallen, wie sehr er sich anstrengen muss um nicht über alles zu motzen und jeden der vorbei läuft dumm anzulabern. Das macht er nämlich normalerweise sehr gern. Er ist ziemlich ruhig geblieben. In mir habe ich gemerkt, was für eine Sehnsucht ich habe nach einer harmonischen Beziehung. Wie groß eigentlich mein Wunsch danach ist, und das ich ihn manchmal angeschaut habe in der Hoffnung, das er es vielleicht sein könnte. Aber ich weiß auch, das er es nicht ist. Richtig los lassen will ich aber irgendwie trotzdem nicht... Vielleicht zu große Angst vor der Zukunft, vielleicht auch einfach nur Bequemlichkeit, vielleicht immer noch Hoffnung. Ich hab keine Ahnung.

Einen Tag zuvor kam es wieder zu einer komischen Situation. Ich hatte den ganzen Tag nichts von ihm gehört, was auch völlig ok war.
Ich gewöhne mich langsam wieder daran Dinge für mich zu tun. Darum war ich am Freitag allein unterwegs, war auf einer Buchlesung und habe noch bei Freunden vorbei geschaut.

Dann als ich um Mitternacht zu Hause war habe ich gesehen, dass er mir zwei mal geschrieben hat, und mich sogar 2 mal angerufen hat. Ich fand es total komisch, vorallem zu dieser merkwürdigen Zeit und auch seine Nachrichten klangen sehr unfreundlich ("Was geht ?" ... "Was machst du?"..) Ich habe ihn zurück gerufen und er ging nicht ans Telefon. Da hat mich schon wieder das Gefühl beschlichen, das irgendwas nicht sitmmt, so als hätte ich wieder irgendwas getan wofür er mich bestrafen will. Er ging nicht ans Telefon und hat auch auf meine Nachrichten nicht geantwortet. Ich habe ihn gefragt, ob alles ok sei und das er so ernst klinge. Ich habe ihm kurz geschrieben, was ich alles gemacht hab und irgendwann kamen nur ganz kurze Ein-Wort-Nachrichten von ihm zurück... "Ja." .. "Alles ok."... "Ja."...

Wieder einmal dieses Gefühl zu wissen, das irgendwas im argen liegt und er es mich nicht wissen lässt aber mich mit Ablehnung bestraft...

Ja und nach einer Weile ist mir dann eingefallen, was denn schon wieder sein Problem sein könnte... Und das ist schon wieder so bescheuert und dämlich und nicht normal... Ich habe nämlich gesehen, dass die Freunde bei denen ich am Abend war, einen Instagram-Post gemacht haben und ich in diesem zu sehen war. Ich war mir sicher, dass er das gesehen hat und jetzt angepisst ist, das ich draußen war...

Also habe ich ihn angerufen und ein bisschen drum rum geredet, habe ihm erzählt was ich gemacht habe und seine Gegenfragen klangen ziemlich danach, als hätte er mich in dem Instagram-Video gesehen. Er wollte wissen, wieviele Leute dort waren wo ich war, er wollte wissen, mit wem ich geredet hab und so weiter... Ich habe ihm alles erzählt und bin ziemlich locker geblieben und nach einer Weile hat er sich auch wieder beruhigt und war plötzlich wieder ganz normal.. Ich habe sogar gesagt, das dieser besagte Freund von uns einen Instagram Post gemacht hat, und er könne doch mal schauen dann sieht er was da los war. Er meinte, er würde gar nicht mehr so auf Instagram irgendwelche posts anschauen.. Ich bin mir aber fast sicher, das er es gesehen hat und deswegen so angepisst war.

Ich habe bei ihm immer das Gefühl, dass er Situationen nach dem Schema abscannt, was jetzt eine Bedrohung für ihn sein könnte. Und ich bin mir sicher, das es eine Bedrohung für ihn darstellt, wenn ich allein raus gehe.. Es ist nicht das erste mal das es zu so einer Situation kam.

Am nächsten Tag habe ich ihn nochmal auf seine Nachrichten angesprochen und gefragt ob alles ok war, ob ihn was bedrückt hat weil er so ernst und so streng klang. Aber er hat gesagt, dass alles ganz normal war und er nur fertig von der Arbeit war. Was jetzt die Wahrheit war, kann ich nicht sagen. Kein Plan ob er den Post gesehen hat oder nicht, oder vielleicht wirklich nur von der Arbeit fertig war. Jedenfalls ist es schon wieder eine von unzähligen Situationen wo ich das Gefühl habe, etwas falsch zu machen, wo er komisch zu mir ist und wieder irgendwelche Details nicht zusammen passen und ich schon wieder das Gefühl habe, ich müsste detektivisch vorgehen um die Wahrheit zu erfahren. Und wir, bzw. ich komme immer wieder an diesen Punkt wo ich merke, das irgendwas nicht stimmt. Und ehrlich gesagt, wenn ich es mal ganz klar sagen darf, kotzt es mich regelrecht an das er es einfach nicht hin bekommt, selbst in den kleinsten Dingen einfach mal ehrlich zu sein. Ständig passen irgendwelche Dinge nicht zusammen, ich habe so oft das Gefühl bei ihm, das er lügt oder flunkert und irgendwas verbergen will. Und manche Male habe ich es sogar rausgefunden das er was verborgen hat, und das waren so dümmlich kleine Sachen aber er ist einfach wie ein notorischer Geschichtenerzähler der gar nicht anders kann als ein anderes Bild von sich zu präsentieren.. Und es kotzt mich an...

Wenigstens hänge ich jetzt nicht mehr in so einem tiefen Loch wie noch vor 2 Wochen.
Es wird tatsächlich besser.



Danke fürs Lesen.

Auf der Suche nach Sinn,
die Sinnsucherin.

Nachtrag

Habe gerade diesen interessanten Artikel entdeckt:
https://umgang-mit-narzissten.de/krankhaftes-luegen-des-narzissten/

Antigone
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Re: Der Weg - Mein narzisstischer Ex und Ich.

Beitrag von Antigone » Mo 2. Dez 2019, 11:45

Liebe Sinnsucherin,

habe deine Beiträge alle durchgelesen und vieles davon kam mir so vertraut vor.

Ich hatte auch fast zwei Jahre so einen narzisstischen Energievampir an der Backe. Immer wieder hat er mich so a bissi angelockt und dann wieder hart weggestoßen. Er hat mich angeflunkert und emotional ausgebeutet. Als ich dann immer weniger Energie und Aufmerksamkeit für ihn bereitstellen konnte, hat er von mir abgelassen. Nicht ohne mir zu sagen, dass ich ein hasserfüllter Mensch und eiskalt bin und ich sowieso nur egoistisch bin. Alles in meinem Leben kreist angeblich nur um mich selbst und Mitleid habe ich ja auch nur mit mir.

Er hat mir viel Kraft gekostet.

Nach einem Tipp von einer Bloggerin hier, habe ich viele Videos von Christian Hemschemeier geschaut.
Und derzeit höre ich viele Youtube-Videos von Susanne Lorey. Auch sehr hilfreich.

Pass gut auf dich auf liebe Sinnsucherin. Du wirst nach dieser Begegnung mit diesem Menschen bestimmt gestärkt daraus herausgehen.

Viele liebe Grüße von
Antigone

Caia
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Re: Der Weg - Mein narzisstischer Ex und Ich.

Beitrag von Caia » Fr 20. Dez 2019, 11:17

Hallo Sinnsucherin!
Wie geht es Dir, suchst Du noch oder hast Du schon gefunden? Ich würde mich freuen, von Dir zu lesen. :-)
Lieben Gruß, Caia

Daria27
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Re: Der Weg - Mein narzisstischer Ex und Ich.

Beitrag von Daria27 » So 5. Jan 2020, 03:33

Du schreibst, er erfuhr emotionale und körperliche Gewalt.
Das lässt darauf schließen, dass er in seiner frühesten Kindheit kein Urvertrauen aufbauen konnte, ein sehr geringes Selbstwertgefühl hat und durch impulsives und oppositionelles Verhalten auffällt.

Bei mir wurde in meiner Jugend eine narzisstische, histrionische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Auch meine Kindheit war von Missständen geprägt, wobei ich nie geschlagen wurde. Ich kann mir viele meiner Verhaltensweisen, gerade auch in Beziehungen, damit erklären.

Warum dein Ex handelt wie er handelt, warum er ist wie er ist, kann ich nicht wissen, aber vieles kommt mir bekannt vor und ich kann versuchen dir meine Beweggründe zu erklären- und vielleicht sind es auch seine.

Zunächst einmal ist es für mich schwierig, überhaupt Beziehungen einzugehen. Ich hatte auch noch nie eine richtige, erwachsene und zukunftsorientierte. Zumeist fokussiere ich mich auf Menschen, die selbst eine schwierige Kindheit hatten oder generell ein von Problemen und Belastungen geprägtes Leben führen. Zum einen kann man so seiner Rolle als passivem Beziehungsvermeider dienen, zum anderen kann man sich an solchen Menschen intensiv und auf emotionaler Ebene abarbeiten.
Verliebt/verknallt bin ich beinahe jeden Monat und wenn ich ( oder er ) Pech haben, setzt das Gegühl Mechanismen in mir frei, die zunächst alles Positive aus mir hervor kramen. Ich spiele dann eher das nach, was ich von anderen Menschen kenne. Ich bin beschwingt, freundlich, gönne dem anderen seine Freiheiten und gaukel ihm vor, wir würden uns locker und unverbindlich kennen lernen. Diese Mal-sehen-was-wird Fassade, ist aber nur eine Tarnung. Wobei Tarnung nicht bedeutet, man hege böse Absichten. Es ist eher der Versuch, sich zur Selbstkontrolle zu zwingen. Denn in Wahrheit brodelt es bereits in einem. Das "Projekt" Partnerwahl, soll möglichst erfolgreich beginnen und abgeschlossen werden. Was das bedeutet, weiß ich selbst nicht, denn sobald der andere Gefühle zeigt, Nähe fordert oder ernstes Interesse zeigt, steigen sofort Ängste auf. Man fühlt sich einfach nicht wert, wirklich geliebt zu werden. Man hat Angst zu versagen ( etwas Dummes zu tun, zu sagen, nicht interessant genug zu sein, nicht so attraktiv wie gehofft usw. ). Es beginnt eine Spirale aus allen Ambivalenzen die man sich nur vorstellen kann. Der andere wird zum Luxusschlitten den man sich nicht leisten kann und den man nicht verdient hat. Den man nicht steuern kann. Trotzdem will man unbedingt drin sitzen und damit herum fahren. Entweder man parkt es am Ende wohlbehalten oder man hat es halt gegen die Wand gefahren. Hauptsache, man hatte es.
Ob er dich wirklich liebte weiß ich nicht. Nach vielen Jahren Therapie und der Selbstreflektion weiß ich, dass ich nie jemanden wirklich liebte.
Meine "Projekte" basierten auch auf Lügen. Ich wollte mich interessanter machen und immer etwas Abstand schaffen. Nie sollte einer zu viel wissen. Es vermischen sich dann auch viele Zutaten, bis man die einzelnen selbst nicht mehr heraus schmecken kann. Die Lügen sind eigentlich immer nur ein bisschen was von der Wahrheit an die man selbst gern glauben möchte. Ich habe es immer mit der Rolle verglichen die ich gerade am Anfang spielte. Du leierst herunter, was du bei anderen beobachtet hast und was positiv wirkt. Autisten können ja auch lernen Blickkontakt herzustellen und zu halten. Sie können Mimiken auswendig lernen und wissen so, wann einer glücklich oder traurig ist. Bei mir hatten Lügen nie den Hintergrund, den anderen für dumm zu verkaufen. Es war einfach nur der Rolle dienlich.
Fiese Lügen gab es selten ( z.B. über Krankheiten, Schwangerschaften usw. ). Da musste ich in einer emotionalen Ausnahmesituation sein und große Verlustängste haben. Wie ein Baby das schreit, weil es weiß nur dann kommt jemand und kümmert sich.
Das macht aber die Lügen nicht kleiner. Veräppelt kommst du dir zu Recht vor. Wie soll eine Beziehung ( auch eine platonische ) funktionieren, wenn man immer hinterfragen muss, ob der andere die Wahrheit sagt...

Was für mich ausschlaggebend war? Es ging um Machtkämpfe. Das Gefühl geliebt zu werden und umkämpft. Man lässt den anderen auflaufen und sich abarbeiten, denn nur so hat man das Gefühl, etwas wert zu sein. Für mich gesprochen wollte ich nie jemandem schaden. Es sollte ihm ohne mich nur nicht gut gehen.
Ich kann dir vieles gar nicht richtig erklären, denn es spielen viele Faktoren eine Rolle. Entscheidend sollte für dich aber sein, dass du mit ihm nicht glücklich sein wirst. Die Gründe sind unerheblich. Du solltest es dir auch nicht zur Aufgabe machen, ihm über ein Leid hinweg helfen zu wollen. Dazu braucht er professionelle Hilfe. Indem du dich um dich selbst kümmerst, auf dein eigenes Lebensglück fokussiert bleibst, so lange machst du alles richtig.
Deine Intuition täuscht dich nicht. Er hatte Zeit, an seiner Fassade zu werkeln. Vieles wird er noch eine zeitlang unterdrücken können, aber dann wird das Machtgefälle wieder von Neuem umkämpft. Er fordert Beweise deiner Liebe, mit der er nichts anfangen kann. Er hat es nicvt gelernt. Liebe und Verbundenheit zu anderen Menschen, sind mit anderen Assoziationen verknüpft. Oft ist es nur gut und spürbar, wenn es weh tut. Alles andere fühlt sich an, als würde dir jemand über deinen eingeschlafenen Arm streicheln.

Meine "Beziehungen" haben nie gehalten, auch wenn ich teilweise noch nach Jahren der Funkstille versucht habe Kontakt herzustellen. Vorallem wenn der andere längst über alle Berge war und woanders sein Glück fand. Das gab mir das Gefühl, das Spiel verloren zu haben und um mein eigenes Glück betrogen. Nie ging es dabei um den anderen, auch wenn Sympathie vorhanden war. Die eigenen Bedürfnisse sind so quälend, dass sie immer über denen des anderen stehen. Und so lange man daran nicht unter kompetenter Anleitung arbeitet, z.B. im Rahmen einer Verhaltenstherapie, wird sich daran nichts ändern.

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