tu mich schwer mit dem loslassen

Die Trennung verarbeiten und nach vorne schauen
GioGio
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von GioGio » Do 16. Apr 2015, 08:16

Hi zusammen,



Vielen liebe Dank für Eure Unterstützung, es hilft mir sehr wenn ich Eure Ratschläge lese, weil ich weiß wie sehr Ihr alle mitfühlt und mich versteht. Danke


Ich habe mich nicht bei ihr gemeldet!!!

Die Konzertkarten habe ich in eine Schublade gelegt in die ich nicht jeden Tag reinschaue. Ich werde mich auch erst im Herbst wieder damit beschäftigen.
@Valuable, könnte also sein das ich auf Dein Angebot zurückkomme. Es sind wirklich gute Plätze. :P

Ich denke ich nehme den Rat "Jorge Bucay zu lesen" an. Schaue heute Abend mal beim online Buchhändler rein.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag und immer dran denken, morgen ist Freitag und das heißt Wochenende!!!

LG
GioGio
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Neujahr
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von Neujahr » Do 16. Apr 2015, 20:12

Hallo GioGio,

das kenne ich das man ab und zu solche Gedanken hat, wie: ob sie dasselbe mit ihrem Neuen macht was sie mit uns gemacht hat.
Hin und wieder habe ich auch solche Gedanken. Ich versuche dann immer auf andere Gedanken zu kommen.

Ich hätte da mal eine Frage an dich:

Deine Ex hat ja immer wieder mal Kontakt zu dir gesucht und schlussendlich hast du ihr dann diese eMail geschrieben, die du hier gepostet hast.
Du hast ja auch eine sehr ausführliche eMail als Antwort erhalten.
Nun möchte ich dich fragen ob du seitdem wieder häufiger an sie denkst, bzw. sie wieder mehr vermisst???

Ich verfolge ja deinen Thread da es bei uns viele Parallelen gibt. Und ich finde du machst das im Großen und ganzen sehr gut.
Wünsche dir weiterhin viel Kraft

Lg

GioGio
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von GioGio » Do 16. Apr 2015, 21:48

Hi zusammen,


@Neujahr, nach den Emails (es war Ostern) habe ich sehr oft an sie gedacht. Irgendwie habe ich wohl gehofft das sie sich von ihrem neuen trennt und zu mir zurückkommt. Das ist natürlich blödsinn weil sie ja auch gesgagt hat, dass sie lernen möchte von Männern unabhängig zu werden. Und das heißt natürlich auch von mir.
Darüber hinaus wäre es mir (noch) nicht möglich ihr zu verzeihen und ihr (wieder) zu vertrauen. Deshalb bin ich heute nicht wirklich weiter als vor den Emails. Vielleicht wäre ich ohne den Mails mit meinem Loslassen bereits einen Schritt weiter.

Ich habe jetzt bald seit zwei Wochen keinen Kontakt mehr zu ihr. Nach einem Tief in den letzten Tagen geht es mir heute wieder gut und freue mich auf mich und mein neues Leben.

Fazit: Kontaktsperre einhalten bringt mich am besten mit dem Loslassen voran. Jeder Kontakt mit der Ex bindet mich für eine längere Zeit im Gedankenkarussel. Also besser ohne sie!!!

LG
GioGio
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GioGio
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von GioGio » Mo 20. Apr 2015, 20:53

Hallo zusammen,



nun sind es 3,5 Monate seit dem bemerkenswerten Telefonat mit meiner Ex her. Wenn ich so zurück schaue, kann ich definitiv sagen das ich mich schon echt sau schlecht gefühlt habe. Aber es hat mich verändert. Die Entscheidungen die meine Ex anfang Januar getroffen hat, hat mein Leben verändert. Natürlich tat es sehr weh meine so angenehmen Zeit mit ihr verlassen zu müssen. Es war nicht meine Entscheidung aber es hat mein Leben, nicht nur ins neagtive, komplett verändert.

Ich habe angefangen mich mit mir zu beschäftigen, sogar so sehr wie ich es nie von mir selber erwartet habe. Habe Beziehungs- und Trennungsratgeber gelesen und lese immer noch Ratgeber zum Thema Leben und Liebe. Habe meine Geschichte hier im Forum niedergeschrieben und werden meinen weiteren Weg, vielleicht nicht mehr so regelmäßig, weiterschreiben.
Ich weiß heute was ich in einer zukünftigen Beziehung anders machen werde. Ich denke nicht mehr so sehr über die Fehler der Vergangenheit nach, weil sie nicht mehr zu ändern sind. Ich denke auch nicht darüber nach, was wäre, wenn ich eine Entscheidung anders getroffen hätte. Weil sie nicht anders getroffen wurden, haben sie auch keine Einfluß auf meine Situation.

Natürlich unterliege ich weiter den Gefühlsschwankungen des Trennungsschmerzes aber ich weiß heute besser wie ich mit meinen Gefühlsschwankungen umgehen muß. Ich denke immer noch täglich an meine Ex, habe es aber bisher geschafft meinen Drang nach Kontakt zu widerstehen. Den Kontakt, den ich seit der Trennung mit meiner Ex hatte, ist von ihr aus gegangen. Und der Kontakt hatte immer etwas mit Schmerzen, Wut, Vorwürfen und Tränen zu tun.
Ja, ich habe geweint. Und es war gut so, es tat mir gut, es hat mich entlastet. Diese ganzen Gefühle wie Trauer, Wut, Einsamkeit, Magenschmerzen, mentale und körperliche Sehnsucht, Unverständnis, Verständnis, usw... gehören zum Loslassen dazu. Das kann man bei jeder Trennungsgeschichte hier im Forum nachlesen. Und ich glaube in der Zwischenzeit, dass man besser damit klar kommt, wenn man akzeptiert das diese sehr unterschiedlichen Gefühle in jedem von uns stecken. WIr SIND unsere Gefühle. Und nur wenn wir diese Gefühle zulassen und ihnen den Raum, in unserem Loslassen-Prozeß, geben den sie benötigen, nur dann kommen wir besser mit uns selber und der Ex zurecht.

Wichtig ist keine Angst vor der Zukunft zu haben. Die Zukunft gibt Dir die Möglichkeiten die Du Dir erarbeitest. Wir selber haben es in der Hand unsere Zukunft zu gestalten. Jorge Bucay (@Valuable, ich habe Deinen Rat befolgt) schreibt dazu: "... Du kannst weder über das weinen, was morgen kommt, noch hilft es Dir wenn Du heute über das gestrige weinst." Er sagt damit, wenn Du Dich heute schlecht fühlst, dann weine heute aber weine nicht uber die Zukunft die Du noch nicht kennst und beweine nicht die Vergangenheit die nicht mehr zu ändern ist. Weil Deine Zukunft kannst Du selber gestalten, die Vergangheit ist nicht mehr zu ändern.

Ich habe viele neue Menschen kennengelernt. Mit einigen habe ich immer noch Kontakt, andere sind wieder aus meinem Leben gegangen. Aber alle habe Ihre Spuren in mir hinterlassen. Alle haben mein Leben bereichert, so wie es auch meine Ex getan hat.
Mir ist heute klar das nur ganz ganz wenige Dinge oder Beziehungen für immer oder bis an mein Lebensende Bestand haben werden. Alles wird irgendwann zu ende gehen. Auch jede neue Beziehung und Liebe wird zu ende gehen, spätestens dann, wenn ein Partner in einer Beziehung stirbt. Dann wird wieder jemand zurück gelassen und mit seinem Schmerz alleine bleiben. Aber da mir das heute bewußt ist, kann ich auch bewußter mit solchen, zukünftigen Situationen umgehen. Ich glaube ich werde besser verstehen wie der Loslassen-Prozeß abläuft und mich darauf einstellen können.

Ich bin jedenfalls gespannt wie mein Leben so weitergeht. Werde Euch weiterhin berichten.

LG
GioGio
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von Valuable » Mo 20. Apr 2015, 22:00

Hey!

Wow! :) Respekt!

Welches Buch liest du denn von JORGE BUCAY?
Hab grad letztes Wochenende im Auto und abends "Liebe mit offenen Augen" gehört.
:)

Freut mich wirklich ganz doll mit dir dass du dich wiederfindest. :D
Viele Grüße
D

GioGio
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von GioGio » Di 21. Apr 2015, 08:15

Hi zusammen,


@Valuable, ich lese von Jorge Bucay den Titel "Drei Fragen: Wer bin ich, Wohin gehe ich, Und mit wem".
Kann ich nur empfehlen, bin zZt bei Frage 2. Manchmal ist er etwas schwer zu lesen, weil seine Schreibweise oft in ellenlangen Kettensätze enden. Dann lese ich den einen oder anderen Abschnitt halt zwei oder auch drei mal :lol:
Kann aber auch Robert Betz "Wahre Liebe lässt frei" empfehlen. Ist eine ganz andere Sicht der Dinge aber man findet sich auch bei ihm in vielen Kapiteln wieder.

Vielen liebe Dank für Deine Antwort, es tut gut Freunde (auch wenn wir uns nicht persönlich kennen) zu haben :lol:

LG
GioGio
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von marlon72 » Di 21. Apr 2015, 13:09

Hallo GioGio,
habe Deinen Thread gelesen und schöpfe daraus Mut... Super wie Du mit dem Loslassen umgehst und was Du schon geschafft hast. Viel Kraft wünsche ich Dir weiterhin.

Wo finde ich Jorge Bucay?
Wenn Du bei Facebook angemeldet bist, dann kann ich Dir die FB-Seite "Seelenliebe" empfehlen. Dort werden auch viele Passagen von z.B. Robert Betz und auch Jorge Bucay zitiert. Dort hole ich mir im Moment oft eine Portion Mut...

Viele Grüße
Marlon

Valuable
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von Valuable » Di 21. Apr 2015, 20:40

Hihi,

Das Buch liegt neben meinem Bett und wartet gelesen zu werden...Hörbuch macht faul!
;)
Hab zur Zeit keine Ruhe und schaff nicht viel. Und bin nicht konzentriert genug. ;)

Freut mich dass es dir hilft... :D

Und gerne... :D

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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von GioGio » Mi 22. Apr 2015, 08:02

Hi zusammen,

ich habe gerade einen guten Artikel über die Ursachen von Trennungen in der Zeitung "Die Welt" gelesen.
In diesem Text steht eine Menge von dem wie auch ich es erlebt habe. Und auch eine Menge was man zukünftig, in einer neuen Partnerschaft, besser machen kann.

Wann sich Menschen entscheiden, den Partner zu verlassen
Nach dem Sommerurlaub trennt sich ein Drittel aller unglücklichen Paare. Die Zwangsnähe in den Ferien halten sie nicht aus. Doch eine Scheidung schaffen nur die Selbstbewussten.
Unter den glücklichen Sommerurlaubern fallen die wenigen Unglücklichen auf. Pärchen, die sich im Restaurant anschweigen, am Strand angiften, den Abend gelangweilt vor dem Hotelfernseher verbringen. Der Sommer und Weihnachten, sagt der Berliner Therapeut Wolfgang Krüger, sind Hochzeiten für Trennungen. Dann ist seine Praxis wieder voll, mit verzweifelten Paaren, die keinen blassen Schimmer haben, wie es mit ihnen weitergehen soll. Ein Drittel trennt sich nach dem Sommerurlaub, ein weiteres Drittel nach den Feiertagen im Dezember. Das letzte Drittel, sagt Krüger, verteilt sich über das restliche Jahr.
Paare ohne gute Basis für ihre Beziehung schafften es zwar noch durch den Alltag, aber die Zwangsnähe im Urlaub halten sie nicht aus. "Eine Trennung ist immer eine Katastrophe", sagt Krüger. "Und das Schlimme ist: In den meisten Fällen ließe sie sich vermeiden."
Im Schnitt dauert es drei Jahre, bis ein unglücklicher Partner geht
Die Paare, die in der Scheidungsstatistik des Jahres 2013 auftauchen, scheinen diese Möglichkeit nicht mehr gesehen zu haben. Zwar sank die Anzahl der Scheidungen im vergangenen Jahr hierzulande um gut fünf Prozent, doch es ist ein Absinken auf hohem Niveau – zumal auch weniger Ehen geschlossen werden als noch vor einigen Jahren. Jede dritte Ehe scheitert nach wie vor.
Dabei ist es keine leichte Entscheidung für unzufriedenen Paare, getrennte Wege zu gehen. Im Schnitt dauert es drei Jahre, bis ein unglücklicher Partner sich endlich ein Herz dazu fasst. Der konkrete Anlass mag dann zwar individuell verschieden sein, doch meist steckt hinter der Trennung nur ein einziger Grund: ein Totalverlust an Nähe. Frauen spüren den eher als Männer – und ziehen häufiger die Konsequenzen daraus.
Mit dem Gedanken, sich vom Partner zu trennen, spiele fast die Hälfte aller Menschen gelegentlich, sagt Krüger, der das Buch "Freiraum für die Liebe – Nähe und Abstand in der Partnerschaft" geschrieben hat. Das sei durchaus normal. Schließlich entscheide man sich nicht nur ein einziges Mal für den Partner, sondern im Laufe der Beziehung immer wieder. Jeder frage sich in unterschiedlichen Abständen, wie es eigentlich um die Partnerschaft stehe, so der Therapeut. Aber auch wenn das Fazit dabei nicht nur einmal, sondern häufig negativ ausfällt, bedeutet dies nicht automatisch das Ende der Beziehung. Denn ob und wann man sich trennt, hängt von vielen Bedingungen ab – und einige davon liegen gar nicht in der Partnerschaft selbst.
Wirtschaftskrisen können Beziehungen stabilisieren
So zeigt der Einbruch der Scheidungszahlen ab dem Jahr 2007 nicht etwa, dass die Qualität der Beziehungen besser geworden ist. Die geringere Anzahl an Scheidungen in den vergangenen Jahren spiegelt eher die globale Finanzkrise wider. Denn Beziehungen, egal ob glückliche oder unglückliche, werden in gesellschaftlichen Krisenzeiten stabiler. Man könnte auch sagen: leidensfähiger.
Menschen werden in unsicheren Zeiten nicht nur pragmatischer, sondern auch risikoscheuer, und ihr Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit nimmt zu, sagt Doris Wolf, psychologische Psychotherapeutin in Mannheim. "Wir möchten das, worüber wir glauben, Kontrolle zu haben, nämlich unsere Partnerschaft, nicht auch noch aufgeben", sagt sie. Während wirtschaftliche Tiefs Beziehungen also zunächst stabilisieren, führen Zeiten des wirtschaftlichen Hochs, etwa zur Zeit der Studentenbewegung, schnell zu einem Anstieg der Scheidungszahlen.
Natürlich wird ein unglücklicher Partner keine ausgeklügelte Analyse des Wirtschaftswachstums vornehmen, bevor er sich für oder gegen eine Trennung entschließt. Aber er hat ein Gefühl dafür, wie es um seine momentane Lebenssituation bestellt ist, finanziell, sozial und emotional. Psychologen wie Fridtjof Nussbeck von der Universität Bielefeld nennen dieses diffuse Gefühl einfach Wohlbefinden.
Wer sich allgemein im Leben wohlfühlt, ist trennungsbereiter
Der Wissenschaftler hat zusammen mit Kollegen untersucht, ob dieses Wohlbefinden mit darüber entscheidet, wer sich trennt und wer nicht. Und tatsächlich zeigte diese Studie mit 2600 Schweizer Paaren, dass Menschen, die sich in ihrem Leben allgemein wohler fühlen, trennungsbereiter sind – und jene, die sich unwohl fühlen, eher an ihrer Partnerschaft kleben. Wer in seiner Beziehung unglücklich ist, aber körperlich und psychisch gesund, sozial gut vernetzt und finanziell auf eigenen Beinen steht, wagt den Schritt ins Singleleben also eher, schreibt Nussbeck in der "Zeitschrift für Familienforschung".
Betrachtet man die Scheidungszahlen vergangenen 50 Jahre, die sich seit dem Jahr 1955 vervierfacht haben, dann stellt man fest: Die hohe Trennungsrate reflektiert vor allem das gesteigerte Wohlbefinden der Frauen. 52 Prozent aller Scheidungsanträge wurden im vergangenen Jahr von ihnen eingereicht. Die Trennung werde ihnen inzwischen vor allem dadurch erleichtert, dass sie zunehmend berufstätig und damit wirtschaftlich unabhängig seien, sagt Doris Wolf, die ein Buch mit dem Titel "Wenn der Partner geht. Trennungsschmerz und Liebeskummer bewältigen" geschrieben hat. Hinzu komme, dass die Scheidung mittlerweile einfach zur gesellschaftlichen Realität gehöre und Geschiedene damit auch mehr Möglichkeiten hätten, nach der Trennung einen neuen Partner zu finden.
Wichtig sei auch, ergänzt Wolfgang Krüger, dass viele Paare heutzutage kinderlos blieben. Denn solange es kleine Kinder im Haus gibt und der Alltag den Partnern alles abfordert, halten viele an einer eigentlich unerträglich gewordenen Beziehung fest – so lange, bis die Kleinen irgendwann aus dem Haus sind. Auch das gibt die Scheidungsstatistik wieder: Die Anzahl der Scheidungsanträge, die nach 26 oder mehr Ehejahren gestellt werden, hat sich seit 1993 verdoppelt. Das entspricht 14 Prozent aller Scheidungen im vergangenen Jahr.
Männer wollen in Ruhe gelassen werden
Aber warum sind es eher die Frauen, die den Schlussstrich ziehen? Na ja, sagt Krüger, die Bedürfnisse und Erwartungen von Männern und Frauen seien häufig einfach sehr unterschiedlich. "Wenn man die Bedürfnisse von Männern überspitzt auf den Punkt bringt", so der Psychologe, "dann kann man sagen: Sie wollen ein Minimum an Anerkennung, Versorgung und Erotik. Und: Sie wollen in Ruhe gelassen werden." Frauen seien da wesentlich anspruchsvoller. Nicht zuletzt, weil sie sich meist in Beziehungen mehr um das leibliche und seelische Wohl ihrer Partner kümmern als umgekehrt, wie eine 2005 erschienene Studie von US-Wissenschaftlern zeigte. Männer profitieren also meist mehr von einer Beziehung. Die Frauen wünschen sich daher eine wirkliche emotionale und praktische Partnerschaft, in der sich Geben und Nehmen die Waage hält.
Um das zu erreichen, seien sie auch ziemlich kompromissbereit, so Krüger. Leider beiße sich diese Veränderungsbereitschaft aber mit dem Wunsch nach Ruhe der Männer. So sagen 70 Prozent der Frauen: Es wäre gut, wenn mein Mann etwas ändern würde. Und 90 Prozent der Männer sagen: Ich lasse mich aber nicht ändern. Besonders gern sähen es Frauen, dass ihre Partner ein paar Worte mehr am Tag sprächen, als sie es von sich aus tun. Zwei Drittel geben das in Befragungen an.
Wenn die Männer daraufhin denken, man müsse nicht ständig reden, sagt Krüger, dann verkennen sie, dass wirkliche Nähe und Intimität immer im Gespräch beginnt. Und dort stirbt sie in dysfunktionalen Beziehungen auch zuerst, sagt er. "Das Entfremden beginnt in den Gesprächen zwischen den Partnern und setzt sich beim Küssen fort, das nach und nach wegfällt. Erst am Ende lässt man auch den Sex, und dann ist der Zustand der Beziehung wirklich schon bedenklich", sagt Krüger.
Mangelnder Sex macht auf Konflikte aufmerksam
Zusammen lachen und sich freuen können, den anderen trösten, motivieren und unterstützen, das schaffe die Basis für das, was jeder in einer Beziehung suche: emotionale Geborgenheit, Nähe, Zuverlässigkeit und Verständnis. "Aber wenn man mit dem Partner irgendwann nur noch über die Sonderangebote aus dem Supermarkt redet, dann hat die Partnerschaft nur noch den Charme einer Wohngemeinschaft", sagt Krüger.
Haben Männer also geringere Ansprüche an eine Beziehung, wollen dafür aber auch weniger für die Partnerschaft tun? Nein, sagt der Therapeut. Sie sind im Durchschnitt genauso unzufrieden wie Frauen, und auch bei ihnen ist so gut wie immer ein Totalverlust an Nähe der Grund dafür. Nur in seltenen Fällen, wie bei unterschiedlichen Einstellungen zum Kinderwunsch, seien es bei beiden Geschlechtern eher rationale Gründe, die zu Trennungsgedanken führen. Aber Männer arrangieren sich häufig lieber mit ihrer Unzufriedenheit, als sich zu trennen – etwa mit einer Affäre. Dennoch ist es nicht fehlender Sex, der zu Trennungsabsichten führt. "Einige behaupten das, aber es ist Blödsinn", sagt Krüger. Mangelnder Sex mache auf Konflikte aufmerksam, das ja. Aber er sei die Folge gravierender Beziehungsprobleme, nicht ihr Ursprung.
Auch andere Belastungen, welche die Beziehung schwer machen können, wie Arbeitslosigkeit oder eine chronische Erkrankung, sind meist nicht der wahre Grund für eine darauf folgende Trennung – sondern zeigen, dass das Fundament der Beziehung nicht ausreicht, um diese Probleme gemeinsam zu bewältigen. Schon vor der Krise seien dann wichtige Bedürfnisse nicht erfüllt worden, sagt Doris Wolf. Oft fehle den Partnern auch das Teamgefühl und eine Vision, wie es nach der Krise weitergehen könnte. Dabei ist das Zusammengehörigkeitsgefühl ein wichtiger Schutz, wie eine US-amerikanische Überblicksstudie aus dem Jahr 2010 zeigt. Die Idealisierung der Beziehung schützt die Partnerschaft sogar noch stärker als die Liebe und Verbindlichkeit in ihr.
Beziehungen brauchen viel Pflege
Dennoch dauert es auch bei großer Unzufriedenheit oft lange, bis einer der Partner die Konsequenzen zieht. "Trennung ist so gut wie nie ein spontaner Entschluss", sagt Krüger. Vorher gebe es unzählige kleine Merkmale an denen man im Alltag spüren könne, dass etwas nicht stimmt – auch wenn in seiner Praxis vor allem Männer gern behaupten, die Trennung habe sie aus heiterem Himmel getroffen.
Das alles müsste nach Ansicht des Therapeuten gar nicht sein, wenn es nur selbstverständlicher wäre, über die Liebe zu sprechen und zu lernen, wie sie funktioniert. Beziehungen seien nun mal keine Selbstläufer, sondern brauchten viel Aufmerksamkeit und Pflege, sagt er. Wenn Paare das auch nach der ersten Verliebtheit beherzigen würden, wäre seine Praxis nach diesen Sommerferien wohl zumindest etwas leerer



LG
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Re: tu mich schwer mit dem loslassen

Beitrag von Buffyle_1 » Mi 22. Apr 2015, 08:13

Sehr guter Artikel muss ich sagen :-)....

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